Krypto-Kriminalität Cellebrite lanciert Blockchain-Schnüffeltool für Bitcoin und Co.

Anton Livshits

von Anton Livshits

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Anton Livshits

Anton Livshits absolviert ein Masterstudium der Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig. Seine Beschäftigung mit Krypto-Themen ist das Resultat eines grundlegenden Interesses am Wechselspiel von technischer Innovation und gesellschaftlichem Wandel.

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An die gänzliche Anonymität von Bitcoin zu glauben, grenzte schon immer an Blauäugigkeit. Verliert diese Haltung im Jahr 2020 endgültig ihre Daseinsberechtigung?

Kriminelle, die für ihre Machenschaften auf die pseudo-anonyme Kryptowährung Bitcoin zurückgreifen, haben künftig einen weiteren Grund zur Sorge. Denn das auf digitale Ermittlungsarbeit spezialisierte Unternehmen Cellebrite nimmt sich künftig der Krypto-Sphäre an. Mit dem Cellebrite Crypto Tracer lancierte es am 28. Juli eine Software-Lösung für die kriminologische Untersuchung von Blockchains.


Das Bitcoin-Schnüffelprogramm des israelischen Unternehmens nutzt als technisches Fundament den CipherTrace Inspector. Dieses Krypto-Analysetool der gleichnamigen Firma kommt bereits bei der Bekämpfung von Geldwäsche zum Einsatz. Stephen Ryan, COO von CipherTrace, zeigte sich erfreut angesichts der neuen Kooperation:

Da Kriminelle zunehmend Kryptowährungen für ihre illegalen Aktivitäten nutzen, wird unsere Partnerschaft mit Cellebrite umso wichtiger sein, um die digitale Welt sicherer zu machen.

Cellebrite verspricht riesigen Blockchain-Datensatz

Der Cellebrite Crypto Tracer soll staatliche und private Ermittlungsteams zur rechtskonformen Sammlung von Beweismitteln befähigen. Die Software-Lösung liefert hierzu einen Datensatz, der aus 522 Millionen Bezugspunkten besteht. Er speist sich gleichermaßen aus privaten und öffentlichen Quellen und gibt Ermittlern Einblick in die gesamte „Lebensspanne“ einer Zahlung mit Bitcoin und Co.

Das Tool erlaubt jedoch mehr als die bloße Nachverfolgung von Transaktionen. Denn es umfasst ebenfalls weitläufige Funktionen für die Bewertung von Risiken. Verdächtige Bitcoin-Adressen können derart markiert und Interaktionen zwischen verschiedenen Konten visuell hervorgehoben werden.

Beworben wird der Crypto Tracer für die Aufklärung einer Vielzahl von Bitcoin-bezogener Straftaten. Mit dabei sind neben den Dauerbrennern Terrorismus und Geldwäsche auch Drogen- und Menschenhandel sowie Waffengeschäfte und Ransomware-Angriffe.

Cellebrite verspricht zudem, dass ihr Blockchain Tool auch für Bitcoin-Laien verwendbar sei. Das Unternehmen bietet ferner ermittlungstechnische Krypto-Schulungen sowie einen eigenen Untersuchungsservice.

Auge des Gesetzes richtet sich auf Bitcoin

Dass Ermittlungsdienste die Blockchains ins Visier nehmen, dürfte indes nichts Neues sein. Bilden Sorgen um Geldwäsche und Terrorfinanzierung doch feste Tagesordnungspunkte bei jeder Diskussion um die Regulierung von Kryptowährungen. Die internationale Financial Action Task Force (FATF) verabschiedete hierzu bereits im vergangenen Jahr deutliche Richtlinien. Studien zeigen unterdessen, dass jährlich kriminelle Aktivitäten im Umfang von 76 Milliarden US-Dollar durch Bitcoin finanziert werden. Laut den Blockchain-Analysten von Chainalysis befinden sich fast eine Million BTC in krimineller Hand.

Folglich ist denkbar, dass die Markteinführung von Cellebrite Crypto Tracer und vergleichbaren Schnüffeltools dazu beiträgt, regulatorische Bedenken zu zerstreuen. Eine verbesserte Überwachung würde der Bitcoin-Adaption in diesem Sinne zu Gute kommen.

Die Lösungen von Cellebrite und CipherTrace sind im Übrigen nicht die einzigen Analysetools. Die Bitcoin-Börse Coinbase entwickelte mit Coinbase Analytics beispielsweise ebenfalls ein Programm für die Blockchain-Analyse. Seit kurzem hat der Secret Service darauf Zugriff.

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