Buffett, Munger & Gates wettern gegen Bitcoin

Alex Roos

von Alex Roos

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Alex Roos

Alex Roos absolvierte einen B.Sc. in "Management, Philosophy & Economics" an der Frankfurt School of Finance & Management und schrieb seine Bachelorarbeit über die "Anwendungsfelder und Adaption der Blockchain Technologie". Ihn begeistern vor allem "pure" Kryptowährungen wie Bitcoin und Monero.

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Quelle: Powerful Tornado - destroying property with lightning in the background via Shutterstock

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Einige der größten Namen der Investmentwelt verurteilen Bitcoin & Co. Sowohl Microsoft-Gründer Bill Gates als auch die Berkshire-Hathway-Spitze Warren Buffett und Charlie Munger äußern schärfste Kritik an den Kryptowährungen und ICOs. Sind die Aussagen gerechtfertigt oder haben wir es hier mit klassichem FUD zu tun?

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Tanja Giese

Bitcoin gerät immer wieder ins Kreuzfeuer des Mainstreams. Die Argumente gegen die Kryptowährung reichen von Umweltverschmutzung, über Pyramidenschemata bis hin zur Terrorfinanzierung. Den Chor der „Nein“-Sager führen jüngst Bill Gates, Warren Buffett und Charlie Munger an.

Gates würde shorten

In einem CNBC-Interview meinte Bill Gates, dass er Bitcoin „shorten“ würde, wenn es einen einfachen Weg gäbe, dies zu tun. Shorten bedeutet, auf fallende Kurse zu wetten und deutet an, dass man nicht an die Zukunft einer Wertanlage glaubt.

Die Gegenfrage auf eine solche Aussage sollte sein: „Warum tun Sie es nicht?“

Bill Gates verfügt sicherlich über die Ressourcen, einen Trader an der CME oder CBoE anzustellen, um das digitale Gold für ihn zu shorten. Wenn er wirklich an seine Behauptung glaubt, wäre es integer, seiner eigenen Empfehlung zu folgen. Der Fakt, dass er dies nicht tut, lässt die Äußerung unglaubwürdig erscheinen. Put your money where your mouth is, Bill!, meint auch Tyler Winklevoss.

In unserem Comic vom März haben wir den Doppelstandard aufgegriffen:

Munger:„Bitcoin Handel ist fast so schlimm wie Handel mit Baby-Gehirnen“

In Sachen Übertreibung schoss Charlie Munger den Vogel ab. Der Handel mit Bitcoin sei fast genauso schlimm wie der Handel mit frisch geernteten Baby-Gehirnen. Schließlich käme nur ein Monster auf die Idee, mit solch einem perversen Geschäft Geld zu verdienen. Bitcoin ist, nach Munger, kaum besser. Das ganze Geschäft mit Kryptowährungen sei anti-sozial, dumm und unmoralisch.

Das Statement wirkt auf mich uninformiert und hypokritisch. Charlie Munger ist Vize-Vorsitzender des Investment-Unternehmens Berkshire Hathaway. Zu dem Portofolio des Unternehmen zählen unter anderem Anteile von Monsanto, Coca-Cola und dem Pharmakonzen Johnson & Johnson. Monsanto dürfte ein Begriff sein, es handelt sich hier um ein Unternehmen, das intellektuelles Eigentum auf Saatgut erhebt und verklagt regelmäßig Landwirte, weil sich dieses „Eigentum“ (per Pollenflug) auf deren Feldern verteilt hat. Coca-Cola kann unter anderem für die Epidemie der Übergewichtigkeit verantwortlich gemacht werden. J&J ist unter anderem in die Opioide-Epidemie in den USA verwickelt.

Ist das Betreiben eines Computers und die Partizipation im Bitcoin-Netzwerk auch nur annähernd mit diesen Kontroversen zu vergleichen? Ich glaube nicht.

Munger stellt die Frage, ob die Leute Bitcoin nutzen sollten. In meinen Augen sollte die Antwort dem Markt überlassen werden, d. h. jedem Individuum. Für die Nutzung von und den Handel mit digitalen Währungen sollte niemand ins Gefängnis kommen oder sonstige polizeiliche Intervention erfahren.

Für Buffett sind Kryptowährungen reine Spekulation

Neben seinem Kollegen Munger ist auch der Berkshire-Hathaway-Gründer Warren Buffett reserviert, was Bitcoin & Co. angeht. So meint Buffett, dass Bitcoin keinen wirklichen Wert habe und die Investoren darauf spekulieren, dass der Nächste mehr für die Wertanlage bezahlt.

Auch hier lässt sich derselbe Punkt anbringen wie bereits bei Bill Gates: Wenn man zu seiner Meinung steht, sollte man entsprechend investieren (oder shorten). Talk the talk, walk the walk.

Trüge man einen Aluhut, könnte man denken, die unverbindlichen Äußerungen werden gemacht, damit sich ein günstiger Einstieg für die großen Investoren bietet. Ähnlich wie JPMorgan-CEO Jamie Dimon, der Bitcoin als Betrug abstempelte, im Hintergrund die Trader der Bank allerdings in die Kryptowährung investiert haben.

Auf der anderen Seite kann man Buffett vorwerfen, die Technologie nicht verstanden zu haben. Auch das Automobil und das Internet hatten Gegner, setzten sich letztlich dennoch durch. Hier der BTC-ECHO-Comic vom Mai:

FUD bleibt FUD

Wir haben es hier mit Postulaten zu tun. Das heißt unverbindliche Kommentare, die sich nicht auf Fakten stützen. Man kann zwar Vertrauen in die Meinung der „Experten“ stecken, allerdings suspendiert man damit das eigene, kritische Denken. Wer Bitcoin und Konsorten kritisieren möchte, sollte nicht uninformiert den Darstellungen Dritter folgen, sondern sich sein eigenes Bild machen. Das heißt, die Software herunterladen und ausprobieren!

In Bitcoin werden keine Neugeborenen für ihre Gehirne geschlachtet, sondern Menschen auf der ganzen Welt führen freiwillig Computercode auf ihren Rechnern aus. Der Mehrwert ist ein offenes, zensurresistentes Netzwerk für die digitale Übertragung von Werten. Dieser Anwendungsfall kommt mir wertvoll vor.

BTC-ECHO

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