Corona Marktupdate Bitcoin knickt ein, UN-Appell an die Weltgemeinschaft

Moritz Draht

von Moritz Draht

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Moritz Draht

Moritz Draht hat Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Konstanz studiert. Sein Krypto-Engagement widmet sich den Zusammenhängen zwischen soziokulturellen und technischen Entwicklungen.

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Während der landesweite Lockdown Indien ins Chaos stürzt, stehen die USA erst am Anfang der Pandemie. Die Sorge vor weiteren konjunkturellen Einbrüchen durch die rasante Ausbreitung des Virus ist auch an den Märkten spürbar, die bereits im März historische Tiefstwerte erreicht haben. Der Bitcoin-Kurs verzeichnet zwar ebenfalls leichte Verluste, zeigt sich aber vergleichsweise stabil.

Die jüngsten Entwicklungen der Corona-Krise und die Auswirkungen auf die traditionellen Märkte, den Bitcoin-Kurs und das Krypto-Ökosystem im Corona Marktupdate.

Coronavirus und die internationale Lage

Die Corona-Pandemie stellt bereits die Kapazitäten der Gesundheitssysteme in den westlichen Industrienationen auf nie zuvor dagewesene Belastungsproben. Ein unkontrollierter Ausbruch des Virus in den Schwellen- und Entwicklungsländern, in denen die medizinische Versorgung der Bevölkerung schon jetzt überlastet ist, lässt als Brandbeschleuniger die Epidemie zur globalen Krise werden. Die Vereinten Nationen haben daher die Weltgemeinschaft zu Solidarität im Kampf gegen das Virus aufgerufen. Das Virus erfordere keine einzelstaatlichen, sondern bilaterale Lösungen. Dies fordert UN-Generalsekräter António Guterres in einem Bericht über die sozioökonomischen Auswirkungen von COVID-19, in dem er an die Industrienationen appelliert:

Es ist wichtig, dass die entwickelten Länder den weniger entwickelten Ländern sofort helfen, ihre Gesundheitssysteme und ihre Reaktionsfähigkeit zu stärken, um die Übertragung zu stoppen.  Andernfalls stehen wir vor dem Alptraum, dass sich die Krankheit wie ein Lauffeuer im globalen Süden ausbreitet, mit Millionen von Todesfällen und der Aussicht, dass die Krankheit dort wieder auftaucht, wo sie zuvor unterdrückt wurde.

Seit rund einer Woche befindet sich Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern im Lockdown. Die Maßnahmen der Regierung haben bereits weite Teile des Landes ins Chaos geführt. Durch die landesweite Ausgangsperre sind zehntausende Wanderarbeiter arbeitslos und obdachlos geworden, die nun auf der Suche nach Arbeit und Nahrung versuchen, in ihre Heimatdörfer zurückzukehren.


Da der öffentliche Personennah- und Fernverkehr eingestellt wurde, verharren tausende Menschen an den Stadtgrenzen von Delhi, wo sich die Ansteckungsgefahr vergrößert. Anstatt das Virus einzudämmen, führen die Maßnahmen der indischen Regierung gegenteilig dazu, dass das Virus von den Großstädten aus in weite Teile des Landes getragen wird.

Abwärtstendenz an den traditionellen Märkten

Welchen Schaden das Corona-Virus auf die Weltwirtschaft ausübt, lässt sich an den Aktienmärkten in Zahlen ausdrücken. So hat der DAX mit 16 Prozent Rückgang den schlechtesten März in der DAX-Geschichte hinter sich gebracht. Auch die US-amerikanischen Börsen haben im vergangenen Monat historische Tiefstwerte erreicht. Der Dow Jones büßte 13,7 Prozent ein, während der marktbreite S&P 500 um 12,5 Prozent zurückwich.

Der deutsche Leitindex konnte jedoch wieder ins Plus drehen. Nachdem der DAX den gestrigen Handelstag bei 9.970,79 Punkten gestartet war und zum Vormittag wieder über 10.000 Punkte kletterte, fiel er zum Nachmittag auf das Tagestief bei 9.703,88 Punkten. Gegen Ende des Tages konnte der Index aber wieder zulegen und schloss letztlich bei 9.935,84 Zählern mit einem Gewinn von 1,22 Prozent. Bei Börsenöffnung startet der DAX aber mit einem Verlust von 3,01 Prozent bei 9.636,45 Punkten.

Die US-amerikanischen Indizes drehten während des gestrigen Handelstags jedoch erneut ins Minus. So verlor der Leitindex Dow Jones 410,32 Punkte und fiel um 1,84 Prozent auf 21.917,16 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 rutschte mit einem Verlust von 1,60 Prozent auf 2.584,59 Zähler. Zu Handelsbeginn fallen beide Indizes erneut. Der Dow Jones lässt 2,63 Prozent liegen und startet bei 21.341,20 Zählern, während der S&P 500 2,66 Prozent Federn lässt und auf 2.515,84 Zähler einknickt.

Chicago-Einkaufsmanagerindex fällt überraschend aus

Während sich bei den europäischen Indizes allmählich die Hoffnung widerspiegelt, den Höhepunkt der Corona-Ausbreitung bald erreicht zu haben, befinden sich die USA gerade erst am Anfang der Pandemie. So konnte auch der gestern veröffentlichte und unerwartet positiv ausgefallene Chicago-Einkaufsmanagerindex die Stimmung unter den Anlegern nicht aufhellen.

Der Chicago-Einkaufsmanagerindex misst die Geschäftstätigkeit in den Bundesstaaten Indiana, Michigan und Illinois, in denen vor allem die Atomobilindustrie ansässig ist. Die Umfrage von 200 Managern und Geschäftsführern gilt als wichtiger Indikator der US-Wirtschaft. Wider Erwarten gab dieser im März im Vergleich zum Februar nur um 1,2 Punkte auf 47,8 Punkte nach.

Der derzeitige Corona-Ausbruch in vielen Teilen des Landes, vor allem in der Weltmetropole New York, ist jedoch noch nicht in dem Index enthalten.

Krypto-Markt: Bitcoin und Co. in Wartestellung

Zwar konnte der Krypto-Markt sich in den letzten Tagen von den größten Schocks seit Ausbruch der Corona-Pandemie erholen. Prognosen über mittel- oder gar langfristige Kursentwicklungen greifen aber angesichts der Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Corona-Krise aktuell ins Leere. So fängt der Krypto-Markt das verunsicherte Stimmungsbild unter Anlegern ein und reagiert momentan sehr direkt auf die Corona-Auswirkungen und gegensteuernden Maßnahmen der Regierungen.

Der Bitcoin-Kurs hat in den letzten 24 Stunden 2,2 Prozent Federn gelassen und notiert aktuell bei 6.307,04 US-Dollar. Im Zwei-Wochen-Vergleich liegt Bitcoin aber immer noch mit rund 17 Prozent im Plus. Die Altcoins zeigen sich im Tagesvergleich hingegen kaum verändert. Der Ether-Kurs (ETH) liegt bei 132,30 US-Dollar und hat sich somit seit gestern kaum von der Stelle bewegt. Auch der Ripple-Coin XRP hat nur 0,1 Prozent verloren und wird aktuell bei 0,172 US-Dollar gehandelt. Der IOTA-Kurs (MIOTA) ist minimal um 0,2 Prozent gefallen und notiert somit gegenwärtig bei 0,142 US-Dollar.

Bitcoin-Relevanz in Krisenzeiten

Als der Krypto-Markt zeitgleich zum klassischen Börsengeschehen eingebrochen ist, haben nicht wenige das Ende des Save-Haven-Narrativs heraufbeschworen. Der parallele Kollaps der Märkte hat eine hohe Korrelation zwischen den Märkten gezeigt. Bitcoin, so die verbreitete Meinung, habe sich daher nicht als Krisenwährung behaupten können.

Doch entgegen der Bitcoin-pessimistischen Sichtweise verteidigt Tom Albright, CEO von Bittrex Global, gegenüber BTC-ECHO, Kryptowährungen als krisensichere Assets:

Bitcoin und andere Kryptowährungen werden in unserem täglichen Leben und auf den Finanzmärkten immer wichtiger. Diese Technologie und die darauf aufbauenden Produkte werden eine entscheidende Rolle in der Weltwirtschaft spielen. Die aktuelle Wirtschaftskrise und die beispiellosen staatlichen Konjunkturpakete, die durch die Coronavirus-Pandemie ausgelöst wurden, werden erhebliche Folgen für die Verbraucher haben und ihren Wohlstand und ihre allgemeine Kaufkraft drastisch verringern. Alle Fiat-Währungen und traditionellen Vermögenswerte auf der ganzen Welt werden davon betroffen sein. Kryptowährungen und andere digitale Vermögenswerte bieten eine praktikable Alternative, die es den Menschen auf der ganzen Welt ermöglicht, ihren Reichtum zu erhalten, zu übertragen und sogar aufzubauen – die Gestaltung dieser Produkte schützt ihren inneren Wert, anstatt ihn zu verringern.

Technische Analyse des Bitcoin-Kurs

Die technische Analyse zum Bitcoin-Kurs von Chief Analyst Dr. Philipp Giese.

Und der Krebsgang geht weiter. Der Bitcoin-Kurs kann sich über dem gleitenden Mittelwert der letzten 200 Wochen halten, hat jedoch auch Schwierigkeiten, über die 6.500 US-Dollar zu steigen. Der MACD ist positiv und steigend, RSI und Aroon spiegeln jedoch die Seitwärtsphase wider. Wir kommen weiterhin zu einer neutralen Einschätzung und diesen Handelsempfehlungen:

  • Long Position: Entry 7.139,00 US-Dollar, Target bei 7.988,78 US-Dollar, Stop Loss bei 6.726,47 US-Dollar.
  • Short Position: Entry bei Fall unter 5.593,03 US-Dollar, Target bei 5.016,53 US-Dollar, Stop Loss bei 5.918,71 US-Dollar.

Tages- und Stundenchart auf Basis des Wertepaares BTC/USD auf der Börse Bitstamp erstellt.

Im Stundenchart begann der Tag mit einem nächtlichen Aprilscherz. Der Entry der Short Position wurde berührt, jedoch stieg der Bitcoin-Kurs in den weiteren Stunden schnell wieder über den in der gestrigen Short Position angegebenen Stop Loss. Diesen Morgen versuchte der Kurs über 6.500 US-Dollar zu steigen, prallte jedoch an dieser Resistance ab. Mit Blick auf die Indikatoren kommen wir zu einer eher bearishen Einschätzung. Der MACD fällt und ist negativ, ebenso fällt der RSI und liegt unter 40. Und auch der Aroon-Down-Indikator ist zur Zeit recht hoch. Damit kommen wir zu diesen Handelsempfehlungen:

  • Short Position: Entry bei Fall unter 6.258,77 US-Dollar, Target bei 5.805,82 US-Dollar, Stop Loss bei 6.386,41 US-Dollar.
  • Long Position: Entry bei 6.524,36 US-Dollar, Targets bei 6.644,90 US-Dollar und 6.842,83 US-Dollar, Stop Loss bei 6.360,32 US-Dollar.

Die auf dieser Seite dargestellten Kursschätzungen stellen keine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind lediglich eine Einschätzung des Analysten.

Charts am 01.04.2020 mithilfe von TradingView erstellt.

USD/EUR-Kurs zum Redaktionsschluss: 0,91 Euro.


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