Bitcoin beim IWF-Frühlingsgipfel: „Betrug wird es immer geben“

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Bitcoin beim IWF-Frühlingsgipfel: „Betrug wird es immer geben“

Bitcoin und die internationale Währungselite: Beim Treffen des Internationalen Währungsfonds diskutierten Experten über die Zukunft des (digitalen) Geldes. Dazu trafen sich Christine Lagarde, Jeremy Allaire (Circle), Benoît Cœuré, Patrick Njoroge und Sarah Youngwood von JPMorgan. Vor allem letztere demonstrierte eine erschreckendes Maß an Ahnungslosigkeit. 

Beim Frühlingstreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) ging es vor allem um die Zukunft des Geldes. Dass dabei auch das Wort Bitcoin und Kryptowährungen fiel, dürfte weniger verwundern. Was hingegen viel mehr auffiel: Die Aussagen von Sarah Youngwood von JP Morgan Chase. Doch der Reihe nach.

Die Schirmherrschaft der Diskussion übernahm Christine Lagarde. Die geschäftsführende Direktorin des IWF nahm zunächst Jeremy Allaire von Circle (einem Stable-Coin-Projekt), ins Visier. Auf die Frage hin, warum Menschen ihr Vertrauen in DLT, Bitcoin, Blockchain und Co. setzen sollten, sagte dieser:

Es geht nicht so sehr darum, Circle zu vertrauen, sondern viel eher dem Internet.  […] Das wirklich wichtige ist hier, dass wir auf alle Informationen innerhalb von Sekunden zugreifen können. Es gibt kein zentrales Unternehmen, das kontrolliert, welche Inhalte man einstellt oder wieder herausnimmt. Wir schätzen alle die Freiheit wert, sich in diesem offenen, globalen System mit anderen zu verbinden. […] Ich glaube, gerade in Bezug auf Geld haben wir es mit einer sehr ähnlichen Situation zu tun. […] Ich glaube ferner, dass es Menschen momentan schwerfällt, eine Welt zu verstehen, in der sie ihre eigenen Assets kontrollieren, anstatt sich auf Intermediäre wie zum Beispiel eine Bank verlassen zu müssen.

Sobald sich so eine Welt erst einmal etabliert habe, so der CEO von Circle weiter, gebe es kein zurück. Hier zieht er  den Vergleich zum Internet – diesem vertrauen letztlich viele Menschen. Aus dem Alltag wegzudenken ist es heute nicht mehr:

Keine Regierung kontrolliert das [Internet], kein Unternehmen kontrolliert es. Das sind dezentrale Netzwerke, […] eine Infrastruktur, der wir alle vertrauen. Und darin liegt auch die Zukunft auch die Zukunft des digitalen Geldes.

Letztlich gehe es bei Kryptowährungen darum, eine Welt zu schaffen, die dem Internet entspreche. Ein Gemeingut also, das allen zugänglich sei. Bitcoin, Krypto-Zahlsysteme und eine zunehmende Zentralisierung des Geldwesens komme, so Alllaires Prognose in den nächsten 12-24 Monaten.

„Vertrauen ist extrem wichtig für uns“

Anschließend richtet Lagarde das Wort an Sarah Youngwood von JPMorgan, Vertreterin der Bankengruppe, die im Bitcoin-Ökosystem zuletzt durch ihr aktuelles Stable-Coin-Projekt auffiel. Vertrauen, so Youngwood, sei extrem wichtig für eine Institution wie JPMorgan:

Vertrauen ist extrem wichtig für uns. Global gesehen sind finanzielle Institutionen diejenigen, denen am meisten vertraut wird. Mehr als Regierungen, mehr als NGOs [mit Blick zu Allaire] und sechsmal mehr als Tech-Unternehmen in den USA. Das liegt daran, dass wir sehr viel in dieses Vertrauen und die Cyber-Sicherheit der Daten investieren. Wir glauben, dass hier die größten Risiken liegen […]. Alles was wir tun liegt im Interesse daran, dass man dem System vertrauen kann.

Ob sie bei dieser Aussage aktuelle politische und ökonomische Vorgänge auf der Welt gekonnt ignoriert und woher Youngwood ihre Informationen hat, lässt sie indes offen. Dennoch: Vertrauen entstehe immer im Zusammenspiel von Menschen und Technologie.

Bitcoin-Regulierung wird den ganzen Globus betreffen.

Benoît Cœuré von der europäischen Zentralbank sieht hingegen vor allem aufkommende regulatorische Fragen in der Zukunft wichtig werden. Diese, so der französische Wirtschaftswissenschaftler, betreffen letzten Ende die ganze Welt:

Wir sind es gewohnt, Regulierung in unserem Hinterhof zu tätigen, in einer sehr bequemen Art und Weise. Wir müssen diese Komfortzone verlassen und mit anderen Regulatoren sprechen, um ein funktionierendes System aufzubauen. Das ist eine Herausforderung. Wahrscheinlich wird die Daten-Frage die wichtigste Frage der nächsten 5-10 Jahre.

„In Crypto we trust“

Jeremy Allaire hingegen sieht dezentrales Vertrauen, wie es etwa Bitcoin auf den Weg gebracht hat, als wichtigen Motor für die regulatorische Zukunft. So der Circle-CEO:

Wir haben in der Welt der Kryptowährungen das Motto: In Crypto we trust. […] Kryptographische Beweise sind ein dramatisch besserer Weg für die Gesellschaft, sich um wichtige Informationen herum zu organisieren. Eher jedenfalls, als sich auf […] Menschen oder korrumpierbare Intermediäre zu verlassen. […] Mit einem Wort: Wir glauben an Mathematik. Das ist letztlich alles, worum es geht.

Letztlich habe man gesehen, was passieren kann, wenn man dieses Vertrauen in andere Hände lege. Ob im technologischen Social-Media-Bereich oder auch im Bankenbereich: Die Zentralisierung von Daten und die Herrschaft darüber sei ein System, das immer wieder für Fehler anfällig sei. Im Bitcoin-Ökosystem gehe es letztlich jedoch viel mehr als nur um Geld:

Krypto und Blockchain dreht sich nicht nur um digitale Zahlungen. Es geht um eine fundamental neue Infrastruktur, um wichtige Informationen aufzubewahren. […] Es geht um eine Umgestaltung der Art und Weise, wie eine Zivilgesellschaft funktioniert.

Mehr Betrug in Bitcoin als in jeder anderen Form von Zahlungen

Auf die technologische Gretchenfrage des Vertrauens hin weiß sich Sarah Youngwood wiederum, gekonnt ins Abseits zu schießen. Bitcoin (den es, wie so mancher Leser wissen wird, seit zehn Jahren gibt), habe mehr Betrug verursacht als andere Zahlungsarten. So die Aussage von Youngwood:

Es gab mehr Betrug in Cyber, äh in Bitcoins, als in jeder anderen Form von Zahlungen, die existiert haben. Ich meine: Es gibt Bargeld und es gibt Bitcoins im Hinblick auf Betrug.

„Betrug wird es immer geben“

Benoît Cœuré hingegen weiß, dass man hier etwas differenzierter vorgehen muss:

Man muss hier zwischen Betrug und systemischer Instabilität unterscheiden. Betrug ist für immer, Betrug wird es immer geben. […] Das hat nicht viel mit Technologie zu tun. Es kann zwar durch Technologie ermöglicht werden, doch Betrug gibt es immer. Was allerdings neu ist: Die Fragilität, die entstehen kann, wenn Dezentralität mit ins Spiel kommt, wenn man sie nicht richtig managed. Ich sage also nichts gegen Dezentralisierung generell, aber wir müssen sie so managen, dass sie keine Instabilität bringt.

Die Stabilität des Geldsystems sei es also letztlich, die es gemeinsam zu sichern gelte. Das bestätigt letztlich auch Lagarde in einem abschließenden Interview mit der News-Plattform CNBC. Kryptowährungen wie Bitcoin und das Disruptionspotential der Distributed-Ledger-Technologie, so Lagarde, müsse man letztlich im Auge behalten:

Alles was mit DLT zu tun hat; ob man es nun digitale Währungen, Kryptowährungen oder Assets nennt– wir reden lange nicht mehr nur von Bitcoin – verändert das Geeschäftsmodell von kommerziellen Banken. Aber wir müssen uns um zwei Sachen Gedanken machen: Um Vertrauen und die Stabilität des Systems. Und wir von der IWF sind hauptsächlich an Stabilität interessiert. Wir wollen keine Innovation, die das System so sehr durchschüttelt, dass es seine Stabilität verliert.

Mögen die Spiele beginnen.

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