Virtual Reality, Adina Popescu zu Blockchain und Virtual Reality: „Wir werden das Entstehen einer parallelen Ökonomie erleben”

Quelle: Adina Popescu

Adina Popescu zu Blockchain und Virtual Reality: „Wir werden das Entstehen einer parallelen Ökonomie erleben”

Adina Popescu zählt zu den Pionierinnen im Bereich Virtual Reality. So hat die studierte Philosophin mit Virtual Reality Studios in Los Angeles gearbeitet und unter anderem die Virtual-Reality-Strategie der globalen NGO Conservation International entwickelt, in denen 360-Grad-Erfahrungen wichtiger Ökosysteme unserer Erde empathisch erfahrbar gemacht wurden. Inzwischen betreibt sie mit Snowblack ihr eigenes Virtual Reality Studio in Berlin. Was ihre Arbeit ausmacht, ist, dass sie DLT und Blockchain mit dem virtuellen Raum verbindet. Warum Virtual Reality langfristig nicht ohne Blockchain-Lösungen auskommt und was digitale Zwillinge für die Krypto-Ökonomie bedeuten, hat sie uns im Interview verraten.

BTC-ECHO: Mit Snowblack hast du ein eigenes Studio für Virtual Reality [VR] und Augmented Reality [AR]. Seit einiger Zeit bist du aber auch im Blockchain-Bereich aktiv. Zufall oder gibt es hier Schnittmengen zwischen den Technologien?

Adina Popescu: Definitiv kein Zufall. Die Schnittmenge zwischen XR (Extended Reality) und Blockchain liegt darin, dass die zunehmende Digitalisierung und damit verbunden die Automatisierung unserer Realität sicher und im Einklang mit unseren demokratischen Grundwerten stehen müssen – wie z. B. der Wahrung der Privatsphäre, dem Schutz der Eigenperson und dem Schutz von Arbeit. Blockchain organisiert den (Eigen-)Wert, den wir als Gesellschaft digital vermerken und auch produzieren, und XR liefert den zunehmend realistisch gestalteten digitalen Raum für unsere Interaktionen.

BTC-ECHO: Wie kann Blockchain helfen, eine Identität zu schützen und inwiefern ist sie gerade ungeschützt?

Adina Popescu: Gegenwärtig existieren viele verschiedene Identitäten, die verschiedene Institutionen verifizieren und bestätigen. Der Staat, deine Bank, PayPal, Facebook, Instagram etc. Jede dieser Plattformen bietet eine mehr oder weniger sichere Verifizierung deiner Person an. Dazu zählen auch Eigenschaften und Besitztümer, die an deine jeweilige Identität geknüpft sind. Wenn allerdings eine dieser Plattformen gehackt wird, kann unter anderem deine Identität gestohlen werden. Das passiert fast täglich, wird aber nur selten kommuniziert.


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Ein Staat kann aufgrund eines systemischen Bankenkollapses in die Rezession stürzen, siehe Island. Eine demokratische Regierung kann korrumpiert werden, oder aber eine Plattform beschließt, dein Profil und damit deinen Wert ohne Begründung zu löschen, was auch relativ häufig passiert. Als User bist du vollkommen ausgeliefert. Deine Informationen können von den jeweiligen Plattformen eingesehen, weiterverkauft und korrumpiert werden. Auf der anderen Seite hast du keine Einsicht auf deren Verwaltungsapparate. Mit der Zukunft von WebVR und Facebook Spaces, werden wir in etwa zehn Jahren immer mehr unsere Identitäten, unsere sozialen Interaktionen, unser Konsumentenverhalten und unsere Wertverwaltung im immersiven digitalen Raum bzw. der Virtual Reality stattfinden lassen. Da ist es wünschenswert, sicherere Systeme zu bauen, als jene, die wir gerade verwenden.

BTC-ECHO: Kannst du mir ein Beispiel geben?

Adina Popescu: Stell dir nun einen Digital Twin [digitalen Zwilling] deines Hauses vor, der komplett mit IoT, einem virtuellen Assistenten wie Alexa, mit Smart Objects und einem selbstfahrenden Auto ausgestattet ist. Der Digital Twin deines Hauses zeigt dir die ein- und ausgehenden Verbindungen sowie das Sicherheitssystem in Echtzeit an. Vielleicht aber auch die Produkte, die du noch kaufen willst oder kaufen solltest, und generell den Fluss an Daten (Strom, Energie, Toxinwerte etc.), die dein Smart Home generiert. Wem würdest du den Zugriff auf diesen Digital Twin gebündelter Informationen anvertrauen? Unser Leben wird zunehmend gläserner und transparenter. Ich bin dafür, dass Sicherheit und Transparenz eine „two way street“, nicht „one way street“ ist.

BTC-ECHO: Du sprachst in einem der kürzlich gehaltenen Vorträge von AI driven Characters. Was kann man sich genau darunter vorstellen?

Adina Popescu: Ein guter Freund von mir aus LA hat gerade beim Film Festival in Sundance einen AI driven Character vorgestellt: Martin Luther King. Er hat die Rechte für diese Person gesichert, hat via Machine Learning alles Gesagte, Erlernte und Abgebildete von Mr. King zu einer digitalen Person amalgamiert. Natürlich ist das etwas komplexer als hier dargestellt. Nun kann man mit dem Charakter in Echtzeit kommunizieren und er wird auf der Basis des Erlernten neue Antworten und Interaktionen generieren.

Würdest du nicht wollen, dass diese Identität, gehen wir mal davon aus, es wäre deine, nur einmal im digitalen Raum als Widerspiegelung deiner existiert? Oder vielleicht gar nicht existiert und vor allem nicht multipel redupliziert und gar missbraucht wird? Deshalb braucht es kryptographische Protokolle, die dir dabei helfen, deine Privatsphäre und Anonymität sichern zu können. Ohne geht es leider nicht und das Web 2.0, das auf dem Prinzip der digitalen Kopie basiert und der Server Silos, kann diese Sicherheit nun gar nicht leisten.

BTC-ECHO: Nun arbeitest du selbst an einer Plattform…

Adina Popescu: Wir sind noch im Stealth Modus, deshalb kann ich hier noch nicht viel darüber sagen. Aber es wird ein interaktives 4D-Model der Erde sein, das Menschen erlauben wird, kollektive Probleme zu lösen. Die vierte Dimension in der Darstellung ist die Zeit, und die Plattform wird ganz normal mobil, aber auch später in XR zugänglich sein.

BTC-ECHO: Und wozu braucht es hier eine Blockchain?

Adina Popescu: Mir ist es wichtig, dass jeder Nutzer selbst über seine Daten bestimmen kann. Um dies umzusetzen bzw. Drittparteien, wie den aktuellen Big-Data-Plattformen keinen Übergriff zu ermöglichen, braucht es eine Blockchain-Infrastruktur. Jeder soll an der digitalen Ökonomie durch direkten Austausch auf Markplätzen partizipieren können. Außerdem ist es kaum möglich, globale, günstige und schnelle Transaktionen, in humanitären Krisengebieten wie im Kongo oder in Venezuela, vorzunehmen. Dafür brauchen wir einfach, schon aus Logistik- und Effizienzgründen, eine digitale, globale Währung.

BTC-ECHO: Worin siehst du das Big Picture von Virtual Reality und der Krypto-Ökonomie?

Adina Popescu: Wir werden das Entstehen einer parallelen Ökonomie erleben, wo wir z. B. in virtuellen Geschäften einkaufen gehen werden. So könnte man alle Einkäufe erstmal im virtuellen Raum abwickeln, bevor diese in der physischen Welt Realität werden. Wir werden aber auch mit digitalen Avataren in XR leben müssen, die uns versuchen werden, einen neuen Turnschuh zu verkaufen. Ähnlich wie in dem Film Minority Report. Dass Fiatwährungen dann ein Ding der Vergangenheit sind und man das Produkt mit einer von vielen seiner digitalen Währungen erwerben wird, ist relativ klar. Inwiefern wir die neuen Möglichkeiten des Advertising einschränken, um zu verhindern, dass beispielsweise personenbezogene Daten zur Beeinflussung von Wahlen genutzt werden, siehe Cambridge Analytica, ist eher eine ethische, gesellschaftliche und regulatorische Frage, für die ich mich stark einsetze.

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