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Zeit der Kooperationen Warum der Zusammenschluss der deutschen Blockchain-Szene zur richtigen Zeit kommt

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Zeit der Kooperationen – Warum der Zusammenschluss der deutschen Blockchain-Szene zur richtigen Zeit kommt

Quelle: Shutterstock

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Teamplay ist nicht nur im Sport wichtig, sondern auch innerhalb eines Wirtschaftszweiges beziehungsweise einer Branche. Die Fähigkeit, sinnvolle Kooperationen mit anderen Unternehmen einzugehen, kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Wie es die Blockchain-Branche in Deutschland mit Kooperationen hält und warum uns die Verbandsarbeit in Deutschland einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber den USA und China sichern kann. Ein Kommentar.

Mit Ausnahme der großen Blockchain-Projekte der ersten Stunde, muss die deutsche Blockchain-Szene inzwischen sehr stark auf ihr Budget achten. Produkte, die den Krypto-Start-ups Einnahmen bescheren, sind gegenwärtig noch Mangelware.

Entsprechend hoch ist die Burn Rate, insbesondere bei den Projekten, bei denen viele kostenintensive Developer oder Lizenzen benötigt werden. Umso mehr ergibt es Sinn, sich nach Mitstreitern umzuschauen, mit deinen man seine Kompetenzen bündeln kann. Nicht nur um schneller zur Produktreife zu gelangen, sondern auch, um seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Mit Kooperationen zur Marktreife

Jedes Unternehmen sollte sich allem voran um seine Kernkompetenz beziehungsweise sein Kernprodukt kümmern. Das eine Blockchain-Start-up bietet beispielsweise hervorragende Payment-Lösungen an, benötigt aber Lizenzen, KYC-Prozesse, Verwahrlösungen, Lösungen für das Identitätsmanagement und so weiter. Anstatt alles teuer selbst zu entwickeln oder einzukaufen, kann es stattdessen ratsam sein, sich mit dem Branchenprimus zusammenzuschließen. Für jeden dieser Bereiche gibt es mindestens eines, eher aber mehrere Start-ups, Unternehmen oder Banken in Deutschland, die passende Lösungen entwickelt haben.


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2016 bis 2018 wurde vor allem „vor sich hin entwickelt“, ohne nach links und rechts zu schauen. Teils aus Selbstüberschätzung und teils aus Fokussierung auf die Entwicklung des eigentlichen Produkts. Inzwischen liest man in den letzten Monaten aber immer häufiger von Kooperationen, die sich im Blockchain-Sektor ergeben haben.

Die Puzzlestücke fürs Big Picture finden zusammen

So gaben beispielsweise Polkadot, KILT und Finoa in der vergangenen Woche bekannt, gemeinsam an einer Verwahrlösung zu arbeiten. Während das KILT-Protokoll vom Unternehmen BOTLabs Nutzern eine dezentrale und eigenverantwortliche Datenverwaltung ermöglicht, bietet Finoa einen professionellen Verwahrservice für Token an. Das Polkadot-Protokoll der Web3Foundation kann wiederum für die Interoperabiltät zwischen einzelnen Blockchains sorgen. Genau solche Zusammenschlüsse sind notwendig, um dem Beta-Stadium im Blockchain-Ökosystem zu entwachsen.

Vor allem aber auf der Lizenz- und Compliance-Seite sind zahlreiche Dienstleisterverträge im deutschen Blockchain-Ökosystem entstanden. Sei es Fractal, das zahlreiche Blockchain-Unternehmen mit KYC-Lösungen versorgt, oder die solarisBank sowie die WEG Bank, die für zahlreiche Krypto-Unternehmen das nötige Lizenzdach liefern. Dabei sind es auch immer mehr traditionelle Unternehmen außerhalb der Blockchain-Szene, die bei der Krypto-Adaption mitwirken. So kooperiert beispielsweise auch die Börse Stuttgart mit der solarisBank. Umgekehrt profitieren auch neue Krypto-Player wie Bitwala oder Brickblock von dem Tech-Finanzhaus solarisBank. Gerade junge FinTechs sind auf die Lizenzen der Banken angewiesen. Schließlich ist eine eigene Banklizenz zu Anfang einer Unternehmung oftmals zu teuer und langwierig.

Wie die vielen Pressemitteilungen und Kooperationslogos auf den Webseiten der Unternehmen zeigen, hat der Grad an Verflechtung dabei in den letzten Monaten sowohl unter den Krypto-Unternehmen selbst als auch mit branchenfremden Unternehmen zugenommen. Ganz gleich, ob es sich um unentgeltliche Kooperationen oder abgeschlossene Dienstleister- und Lizenzverträge handelt.

Professionalisierung auch auf Verbandsebene

Neben der eigenständigen Vernetzung der Branchenunternehmen beispielsweise durch Meetups oder Konferenzen wird mit der Reife einer Branche auch die Verbandsarbeit immer wichtiger. Dies gilt nicht nur für die politische Interessensvertretung, sondern auch für die Vernetzung der Branche untereinander. Zwar sind viele Krypto-Start-ups innerhalb von Berlin, Frankfurt oder Hamburg gut vernetzt, aber nicht immer überregional. Gerade hier kann ein bundesweiter Verband für zusätzliche Konvergenz innerhalb der Branche sorgen.

Neben dem Blockchain Bundesverband Bundesblock und kleineren Blockchain-Landesverbänden engagiert sich zunehmend auch der größte Digitalverband Deutschlands, die Bitkom, für das Thema Blockchain. Zwar ist hier die Blockchain-Technologie nur ein Thema von vielen, dennoch liegt gerade hier der Vorteil. So kann die Bitkom dazu beitragen, die Blockchain-Technologie gemeinsam mit den verwandten Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge zu fördern. Schließlich ist die Zukunft und Nutzungsfähigkeit der Blockchain eng an die Weiterentwicklung unserer Digitalisierung im Gesamten geknüpft.

Neben klassischen Verbänden gibt es dann noch die aus dem Start-up- und Venture-Capital-Bereich stammenden Ökosystem-Builder oder Accelerator, die zum Teil auch Kooperationen innerhalb der Branche fördern. Je nach Ausrichtung können diese eher einen Verbandscharakter oder einen Venture-Capital-Charakter haben. Im Gegensatz zu Verbänden ist ihre Ausrichtung eher schwammig und kann ganz unterschiedliche Schwerpunkte beinhalten. In Deutschland wäre hier zum Beispiel Blockrocket zu nennen, die versuchen, das deutsche Blockchain-Ökosystem durch gemeinsame Co-Workingspaceflächen zusammenzubringen.

Der große Unterschied zwischen Deutschland und den USA

Gerade weil das Wagniskapital in Europa nicht so locker sitzt wie in den USA oder China, sind Synergien zwischen den einzelnen Unternehmen umso wichtiger. Die Organisation der deutschen Wirtschaft durch institutionalisierte Verbandelungen bis hin zu kartellartigen Zusammenschlüssen, hat historisch gesehen für eine hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit gesorgt.

Ob Deutschland eine führende Rolle in der Blockchain-Technologie einnehmen wird, hängt also auch von der Bereitschaft der Start-ups ab, sich mit anderen Unternehmen zusammenzuschließen. Die Organisationsfähigkeit einer Branche gepaart mit der Fähigkeit seine Interessen wirkungsvoll gegenüber der Politik zu artikulieren, kann mehr Wert sein als große Fundings aus den USA und China.

Dennoch sollte dies nicht dazu führen, dass Blockchain-Start-ups in Regionalismus verfallen. Es ist schließlich Teil der Blockchain-DNA, dass die neuen Netzwerke global und dezentral sind und niemanden ausschließen. Die große Herausforderung, insbesondere durch zentralistische Blockchain-Initiativen aus China, wird es sein, zwischen Realpolitik und kosmopolitischen Blockchain-Idealismus zu manövrieren.


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