„Wir sind selbst überwältigt“ – Interview mit Max Lautenschlaeger von Iconiq Lab

„Wir sind selbst überwältigt“ – Interview mit Max Lautenschlaeger von Iconiq Lab

Iconiq Lab will es Investoren leichter machen, in die richtigen ICOs zu investieren. Max Lautenschlaeger von Iconiq Lab über intrinsische Werte, die Notwendigkeit von Private Pre-Sales und die Kunst, gute ICOs von schlechten zu unterscheiden.



Hi Max. Glückwunsch zum erfolgreichen Private Pre-Sale. Kannst du uns kurz ein paar Worte dazu sagen, was die Idee hinter eurem Projekt ist?

Dankeschön, wir sind selbst überwältigt von dem extrem positiven Feedback und dem schnellen Ausverkauf in Höhe von 1.000.000 Euro.

Unsere Vision ist es, dass jeder fähige Entrepreneur, unabhängig von seiner Nationalität oder Liquidität, durch ein ICO ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufbauen kann und Venture-Capital-Geber nicht mehr als Gatekeeper auftreten. Im Moment ist es aus Gründersicht so, dass man kaum an einem VC vorbeikommt. Diese aber sind teuer, beanspruchen einen Teil der Unternehmenskontrolle, der Prozess dauert sehr lange und VCs haben einen klaren Anreiz, das Start-up schnell zu einem lukrativen Exit zu führen ohne langfristigen Anreiz für ein organisches Wachstum. Hier ist ein ICO eine attraktive Lösung, in dem das Start-up selbst entscheidet, welche Funktionalität der Token hat und kann somit einen alternativen Anreiz und auch einen intrinsischen Wert für Investoren schaffen ohne Kontrolle abzugeben.

Unsere Idee ist es, das Wissen aus der traditionellen Finanzwelt in die Kryptowelt zu übertragen. Wir machen eine außerordentlich sorgfältige Due-Diligence-Prüfung, die man aus der Venture-Capital-Welt kennt. Bei einer solchen Prüfung wird jedes Start-up auf Herz und Nieren untersucht. In unserem Fall hat das dazu geführt, dass lediglich 5 Start-ups aus 165 Bewerbungen ausgewählt wurden – eine Quote von 3 %. Dies steht ganz im Gegensatz zu den momentan am Markt befindlichen Geschäftsmodellen, die gegen eine Bezahlung von xx Bitcoin jede Idee der Welt zu einem ICO führen. In diesem Pay-for-Service-System gewinnt am Ende niemand außer der Dienstleister selbst. Investoren bekommen unseriöse, nicht nachhaltige ICOs geliefert und für ein Early-Stage-Start-up ist es schlichtweg in den meisten Fällen zu teuer. Außerdem hat bei diesem Schema niemand ein Interesse daran, dass der Token Sale am Ende des Tages erfolgreich wird. Wir hingegen übernehmen sogar Kosten von bis zu 300.000 Euro, lassen unsere Start-ups von den jeweils besten Experten beraten und gehen mit ihnen weltweit auf Roadshow. Wir gehen also in Vorleistung und monetarisieren uns am Ende des Tages durch einen Prozentsatz des Sales, der im Regelfall zwischen 3 und 9 % liegt, abhängig von den beiden Variablen Kostenübernahme und ICO-Größe. Für Investoren bieten wir also die unserer Meinung nach attraktivsten ICOs an, für die unsere Tokenholder in einem exklusiven Vorverkauf die besten Bedingungen erhalten. Und wir selbst halten die Tokens der Start-ups für mindestens ein Jahr, da wir an den langfristigen Erfolg glauben.

Ihr verhelft also Start-ups zu ihren eigenen ICOs und habt dafür eigens Token eingeführt – welchen Use-Case hat der Token in eurem Ökosystem?

Unsere Token-Funktionalität gleicht der einer exklusiven Club-Mitgliedschaft. Indem man den ICNQ-Token in seiner Wallet hält, hat man das exklusive Recht an den von Iconiq Lab ausgewählten ICOs zu den besten Konditionen teilzunehmen. ICNQ-Tokenholder dürfen sich also sowohl früh als auch besonders günstig einkaufen. Das Ganze geschieht auf Pro-Rate-Basis, also anteilig. So berechtigt ein Anteil von 1 % an ICNQ dazu, dass man sich in Höhe von 1 % in den exklusiven Vorverkauf eines jeden Start-ups zu den besten Bedingungen einkaufen darf. Sollte der Pool nicht aufgebraucht werden, also nicht alle Mitglieder ihre Kaufoption ziehen, so darf sich darüber hinaus ebenso eingekauft werden als ICNQ-Tokenholder.

So ergibt sich in der Tat auch ein intrinsischer Wert. Nehmen wir mal an, dass ein Investor 1 % an ICNQ hält und der durchschnittliche ICNQ-Pool im ICO bei 2 Millionen Euro liegt. Bei 5 Start-ups pro Batch bedeutet das eine potentielle Summe von 100.000 Euro, die zu den besten Bedingungen investiert werden darf. Wenn man von einem durchschnittlichen Bonus von 25 % ausgeht, erhält man also 25.000 Euro in Token zusätzlich dazu. Bei zwei Batches pro Jahr in drei Locations sprechen wir von einer potentiellen Summe in Höhe von 600.000 Euro und 150.000 Euro in Token zusätzlich für einen ICNQ-Holder bei 1 % Anteil.

Langfristig gehen wir von drei Locations (New York, Frankfurt, Singapur) aus, die jeweils zweimal fünf Start-ups pro Jahr zu einem ICO führen. Daneben läuft bereits unsere Consulting Unit, in der es auch exklusive Vorteile für ICNQ-Tokenholder geben wird.

Der Pre-Sale zu eurem ICO lief in privatem Rahmen ab – was hat euch dazu bewogen, den Vorverkauf der Token nicht öffentlich zu machen?

Hier gibt es zwei Gründe.

Zum einen war es unsere Art und Weise „Danke“ zu sagen an unsere strategischen Partner, die uns seit langer Zeit unterstützen wie sie nur können. Und zum Zeitpunkt des Presales sind Investoren natürlich einem größeren Geschäftsrisiko ausgesetzt. Dieses wollten wir nicht der Öffentlichkeit zumuten.

Zum anderen wollen wir immer konform sein mit der Regulierung in Deutschland und dies setzt eine aktive Kommunikation mit der BaFin voraus. In einem privaten Vorverkauf ist die Regulatorik nicht ganz so straff, aber in einem öffentlichen Verkauf schon. In Gegensatz zu anderen ICOs, die man zuletzt in Deutschland gesehen hat, werden wir immer alles dafür geben, compliant zu sein und unsere Tokenholder so gut es geht zu schützen. Dies merkt man bereits an unserem ausführlichen KYC- und AML-Prozess, mit dem wir in der Lage sind, Ethereum in Echtgeld zu tauschen und geldwäschekonform auf deutschen Konten zu lagern. Andere ICOs lassen dies leider völlig außer Acht und schaden damit dem ganzen Ökosystem in Deutschland. Abgekürzt: Wir hätten den privaten Sale gar nicht öffentlich durchführen dürfen!

Ihr schreibt in eurem White Paper, dass es nicht immer leicht ist, vielversprechende ICOs von Scams zu unterscheiden – wie trennt ihr die Spreu vom Weizen?

Sehr gute Frage, da sich das ja in der Zwischenzeit jeder auf die Fahnen schreibt mit irgendwelchen Punktsystemen, die so viel Aussagekraft und Glaubwürdigkeit haben wie Ratingagenturen bei Asset Backed Securities während der Finanzkrise 2007. Man muss sich doch einfach mal vor Augen führen, dass jedes ICO in der Kryptowelt 90 % seiner Ratings mit ein paar Ether oder Bitcoin kaufen kann. Wir hingegen haben ja einen völlig anderen Anreiz, da wir uns nicht bezahlen lassen, sondern sogar unser Geld in diese Start-ups investieren und am Ende lediglich erfolgsabhängig vergütet werden.

Wir selbst haben einen insgesamt 15-stufigen Prozess bestehend aus 60 Schritten in unserer Due-Diligence-Prüfung. Anfangen tut alles mit der Bewertung der Idee, einer Marktrecherche sowie einer Wettbewerbsanalyse. Als nächstes wird geprüft, ob Dezentralisierung im Allgemeinen Sinn macht und ob ein Token-Modell diesen dezentralen Charakter unterstützen kann. Es gibt einfach zu viele Projekte, die auf Teufel komm raus versuchen, eine Blockchain einzubauen, um mehr Geld einsammeln zu können. Ist diese Phase überstanden, werden Background-Checks gemacht, indem wir bspw. Referenzkontakte bei ehemaligen Arbeitgebern anrufen, das Team persönlich treffen und andere Informationen auf ihre Wahrhaftigkeit überprüfen. Auch die technologische Umsetzbarkeit, eine Liquiditätsplanung und Legal Compliance gehören zu unserer Due Diligence.

Auch während und nach dem ICO ist jedes von uns betreute ICO zu gewissen Standards verpflichtet. So müssen das Team wie auch wir als Iconiq Lab die Token mindestens ein Jahr lang halten, was durch einen Smart Contract gewährleistet ist. Jedes ICO wird dem „Project Transparency“ von Santiment angehören. Darüber hinaus werden die Smart Contracts einem ganzheitlichen Audit unterzogen und unsere ICNQ-Holder können stets einsehen, wie viel Geld aus dem ICO wofür verwendet wurde.

Was ist eure Roadmap für 2018?

Unser erster Batch des Accelerator-Programms ist gestartet mit unseren fünf großartigen Start-ups Braincities, Topl, Wunder, VREO und BasedGlobal. Diese führen wir nun während des Programms auf internationale Roadshow, übernehmen ihre anfallenden Kosten und arbeiten super nah mit ihnen zusammen. Ab Ende April ist hier mit den ersten ICNQ-exklusiven Pre-Sales zu rechnen, die sich dann bis circa Juli erstrecken, je nach Start-up.

Auf Token-Sale-Seite startet unser Whitelisting am 17. März und unser Public Pre-Sale am 31. März. Dieser hat ein Volumen von 500.000 Euro und wird bis zum 15. April offen sein. Hier gibt es 50 % Bonus, es werden also insgesamt 750.000 Token verkauft. Danach startet der Public Sale mit einem Volumen von 3.000.000 Euro und wird bis zum 31. Mai offen sein. Beim derzeitigen Andrang gehen wir zwar nicht davon aus, dass das nötig sein wird, aber so ist es in den Smart Contract einprogrammiert.

Auf Expansionsseite gibt es einmal die strategische Weiterentwicklung in andere Geschäftsbereiche der Wertschöpfungskette. Hier werden wir Iconiq Consulting offiziell im Juni launchen, sodass die enorme Anzahl an qualitativ hochwertigen Anfragen bewältigt werden kann. Auch weitere Teilbereiche der Krypto-Wirtschaft sollen noch in 2018 unter dem Iconiq-Schirm aufgebaut werden. Die andere Seite ist die geografische Expansion. Hier haben wir bereits ein Management-Team in New York gefunden und planen den ersten US-Batch im September 2018. Im November soll dann noch Singapur als drittes Standbein folgen. Durch beide Maßnahmen werden wir den ICNQ-Tokenholdern einen noch höheren Mehrwert bieten können.

BTC-ECHO

Über Phillip Horch

Phillip HorchPhillip Horch hat im Oktober 2017 sein Masterstudium in Literatur-Kunst-Medien an der Uni Konstanz abgeschlossen. Bereits während des Studiums arbeitete er bei diversen Redaktionen und ist nun Redakteur bei BTC-ECHO. Im Fokus seiner Arbeit steht das disruptive sozio-ökonomische Potenzial der Blockchain-Technologie.

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