Wieso Bitcoins Proof of Work keine Energieverschwendung ist

Quelle: Shutterstock

Wieso Bitcoins Proof of Work keine Energieverschwendung ist

Der Vorwurf hält sich hartnäckig: Bitcoins Mining-Algorithmus, Proof of Work, sei eine Umweltsünde. Massive Mengen an Strom würden dafür verbraucht und dies sei, so die zweifelhafte Argumentation der Kritikerinnen und Kritiker, ein Beweis für Bitcoins Ineffizienz. Die Partei Die Linke fordert aus diesem Grund sogar ein Verbot der Kryptowährung Nr. 1. Wieso derlei Vorwürfe verfehlt sind und Bitcoin auf Proof of Work angewiesen ist.

Geld muss knapp sein. Denn sollte es „wie Obst auf Bäumen wachsen“ kann es seine Funktion als Wertspeicher, Zahlungsmittel und Recheneinheit nicht erfüllen. Insbesondere die Wertspeicherfunktion von Geld leidet unter einem Überangebot. Gerade in Perioden, in denen die Wirtschaft von günstigem Geld geflutet wird, zeigt sich, was passiert, wenn Geld nicht mehr knapp ist. Bitcoinern dient hier exemplarisch der Verweis auf inflationsgebeutelte Wirtschaftsräume wie Venezuela oder der Türkei.

Was Knappheit mit Energie zu tun hat

Geld reicht bis in graue Vortage zurück. Seit jeher haben sich Menschen auf Güter geeinigt, die sie als geeignet betrachten, um Wert darin zu speichern. Diese Güter müssen bestimmte Eigenschaften aufweisen. Eine dieser Eigenschaften, verkürzt ausgedrückt, lautet Knappheit. Nun kann es Knappheit mithin nur für Güter geben, die relativ schwierig zu haben sind und deren Bestand sich daher nicht willkürlich verwässern lässt.

In anderen Worten: Geld sollte aufwändig in der Herstellung sein, um seine werthaltende Funktion erfüllen zu können, denn sonst fluten immer größere Mengen an Geld den Markt. Die Folge: Inflation. Gold hat unter anderem deshalb eine lange währende Historie als Geldmittel, da die Schöpfung neuer Bestände mit großem Aufwand verbunden ist. Es ist trivial: Menschen begehren seltene Dinge und seltene Dinge sind schwer zu haben.

Ersichtlich wird der Zusammenhang aus Energie und Wertspeicherfunktion auch anhand der Überlegung, dass Menschen getane Arbeit in Geld speichern. Man tauscht also Lebensenergie (Zeit und physische Arbeitskraft) gegen Geld. Es liegt nahe, dass das Gut, für das man arbeitet, nicht im Überfluss existieren sollte. Was passiert, wenn das doch der Fall ist, hat die Hyperinflation der Weimarer Republik bewiesen.

Bitcoin und Proof of Work


[Anzeige]
Bitcoin kaufen mit dem Bitwala Konto. Warum ein Bankkonto bei Bitwala? Ein Bankkonto “Made in Germany” mit Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro; 24/7 Bitcoin Handel mit schneller Liquidität; Gehandelt werden ausschließlich ‘echte’ Bitcoin – keine Finanzderivate wie CFDs; Sichere Nutzerkontrolle über das Bitcoin Wallet und den private Schlüssel; Mit der kontaktlosen Debit-Mastercard weltweit abheben und bezahlen.

Jetzt kostenloses Konto eröffnen

Und hier kommt Bitcoin ins Spiel. Nicht nur ist Bitcoin das knappste Asset der Welt, die Produktion von nur einer einzigen Einheit des digitalen Goldes könnte energieaufwändiger kaum sein. „Geld, also die Repräsentation von Arbeit, die zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen erforderlich ist, kann auch als gespeicherte Energie betrachtet werden“, schreibt etwa Dan Held auf Medium.

Und Bitcoin, durch Proof of Work, ist der wohl direkteste Weg, Energie in Wert zu verwandeln. Es ist schließlich kein Zufall, dass große Mining-Farmen häufig direkt an Kraftwerken angesiedelt sind. Dort ist Strom günstig und fließt so ohne Umwege direkt in das Bollwerk, dass das sicherste Zahlungsnetzwerk der Welt von Angriffen schützt.

Bitcoin ist eine Superware [sic], gepresst aus Energie, des fundamentalen Rohstoffs des Universums. PoW wandelt Strom in digitales Gold um. Der Umstand, dass Bitcoins Produktion energieaufwändig ist, ist ein Feature, kein Bug.

Difficulty Adjustment regelt Geldmengenwachstum

Nun könnte man indes sagen: „Ich könnte ja schlicht deutlich mehr Energie aufwenden und so alle neu geschöpften Bitcoin für mich beanspruchen.“ Doch hier kommt das Difficulty Adjustment ins Spiel. Sobald sich das Level an Energie, das ins BTC-Netzwerk fließt, signifikant erhöht, wird es deutlich schwieriger, einen gültigen Hash für den neuen Block zu finden. Dies führt – abermals verkürzt gesagt – zu einem algorithmischen (und somit planbaren) Geldmengenwachstum von aktuell 12,5 BTC je zehn Minuten.

Wer also Bitcoins Energierverbrauch anprangert, der muss zumindest den Nutzen ins Verhältnis setzen. Gäbe es diesen nicht, wäre Mining längst nicht mehr profitabel. Zudem ist Nutzen und Sinn völlig subjektiv, wie Dan Held in dem Artikel herausstellt. Wer für Strom bezahlt, darf damit machen was er oder sie will: Nachmittagssendungen auf RTL2 schauen, Tiefkühlpizza im Ofen backen oder eben Bitcoin minen. Dies sind genau die Freiheiten, die ein kapitalistisches System dem Individuum zugesteht. „Niemand hat die moralische Autorität, irgendwem vorzuschreiben, was man mit seinem Strom macht“, fasst Held die unsägliche Debatte über Bitcoins vermeintliches Energieproblem zusammen.

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Bald gibt es 18 Millionen BTC – Was das für den Bitcoin-Kurs bedeutet
Bald gibt es 18 Millionen BTC – Was das für den Bitcoin-Kurs bedeutet
Bitcoin

Ende dieser Woche wird die Marke von 18 Millionen Bitcoin geknackt. Wir klären, wie sich das auf den Kurs auswirkt, was das mit dem Halving zu tun hat und warum Bitcoin bald seltener als Gold sein könnte.

Bitcoin First: Investmentgruppe will autarkes Bitcoin-Mining
Bitcoin First: Investmentgruppe will autarkes Bitcoin-Mining
Invest

Ein US-amerikansiches Unternehmen will in Texas eine Bitcoin-Mining-Farm aufbauen. Eigener Strom, eigene Hardware, eigene Bitcoin. Vorzeichen einer Kehrtwende beim Krypto-Investment.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Jakobsmuscheln auf der Blockchain: US-Fischer Raw Seafoods tritt IBM Food Trust bei
Jakobsmuscheln auf der Blockchain: US-Fischer Raw Seafoods tritt IBM Food Trust bei
Blockchain

Das US-Fischereiunternehmen Raw Seafoods ist als jüngstes Mitglied der Lebensmittel-Plattform Food Trust von IBM beigetreten. Mithilfe der Blockchain-Lösung wollen die Fischer die Lieferketten atlantischer Jakobsmuscheln absichern. Die Marketing-Aktion soll für Transparenz, Lebensmittelsicherheit, nachhaltigen Fang und damit nicht zuletzt Kundenvertrauen sorgen.

Homosexuell dank Apple: GayCoin-Klage zurückgezogen
Homosexuell dank Apple: GayCoin-Klage zurückgezogen
Szene

Der Moskauer iPhone-Besitzer, der den Apple-Konzern für seine eigene Homosexualtiät verantwortlich machte, hat seine Beschwerde zurückgezogen. Laut seiner Anwältin scheue er das große öffentliche Interesse an seinem Fall.

Bitcoin-Kurs- und Marktbetrachtung: Anzeichen für Bärenflagge gesichtet
Bitcoin-Kurs- und Marktbetrachtung: Anzeichen für Bärenflagge gesichtet
Kursanalyse

Bisher konnte sich der gleitende Mittelwert der letzten hundert Tage als stabiler Support beweisen. Jedoch kann die kurzfristige Entwicklung des Bitcoin-Kurses als Bärenflagge gedeutet werden. Jenseits von Bitcoin gab es, trotz eines eher sorgenvollen Berichts der G7-Staaten, positive Neuigkeiten um Stable Coins. 

CFTC deckt Bitcoin-Betrug in Millionenhöhe auf
CFTC deckt Bitcoin-Betrug in Millionenhöhe auf
Regulierung

Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) in Washington in den USA hat einen neuen Krypto-Fraud hochgenommen. Seit Dezember des Jahres 2017 läuft das zwielichtige Programm Circle Society, denen die CFTC nun das Handwerk gelegt hat. Insgesamt sollen die betrügerischen Anbieter rund 11 Millionen US-Dollar erwirtschaftet haben.

Angesagt

Facebook Coin Libra: G7 wird Stable Coin vorerst nicht zulassen
Regulierung

Die „großen 7“ wollen den geplanten Facebook Coin Libra nicht zulassen. Das geht aus einem Stable-Coin-Bericht hervor, den die G7 am 18. Oktober veröffentlichte.

Finanzbranche first, Industrie second: Wann die Blockchain den Maschinenbauer erreichen wird
Kommentar

„Blockchain ist viel mehr als Bitcoin.“ Dieser Satz wurde in den letzten zwei Jahren geradezu mantra-artig, selbstbewusst und inflationär von Managern aus der Industrie heruntergebetet. Warum die Realität von dieser Vorstellung noch ein Stückchen entfernt ist, wie lange es dauern wird, bis Blockchain im produzierenden Gewerbe wirklich angekommen ist und wieso die Finanzialisierung der Realwirtschaft voraus ist. Ein Kommentar.

Nach Libra-Austritt: MasterCard glaubt an Krypto-Branche
Szene

Nach Visa, PayPal und ebay ist auch MasterCard aus Facebooks Libra Association ausgetreten. Das Kreditkartenunternehmen nahm dies zum Anlass, um einmal über die Zukunft der Krypto-Welt nachzudenken. Von einem Abschied aus der Branche ist MasterCard indessen meilenweit entfernt.

iFinca: Fair-Trade-Kaffee durch Blockchain-Technologie
Blockchain

Eine neue App verspricht mithilfe der Blockchain vollste Transparenz bei der Kaffeeproduktion. Das Produkt der kolumbianischen Firma iFinca möchte Farmern eine stärkere Stimme verleihen. Endverbraucher, die den entsprechenden QR-Code auf ihrem Kaffee scannen, sehen dann, wie viel der Bauer an der Herstellung verdient hat. Es ist nicht das erste Projekt in der Kaffee-Branche, welches die Technologie von Bitcoin & Co. nutzt. Schließlich ist das Kaffee-Business eines der undurchsichtigsten weltweit.