Wie viel Energie verbraucht eigentlich Bitcoin?

Blockchain-Anwendungen verbrauchen Energie. Sowohl eine vorgenommene Transaktion als auch das damit verbundene Mining der Blöcke kostet Elektrizität – und damit Geld. Wir nehmen den Energieverbrauch von Kryptowährungen einmal genauer unter die Lupe.

Neben der Dezentralität und der Transparenz ist die Kosteneffizienz eine der Grundlagen des Erfolges der digitalen Kryptowährung Bitcoin und der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie. Die Attraktivität von Blockchain-Transaktionen liegt darin, ohne Mittelsmann Werte transferieren zu können. Dies macht die Transaktion schneller und vermeidet zusätzliche Kosten in Form von Gebühren.

Bei all dieser Rhetorik kommt der Eindruck auf, blockchain-basierende Transaktionen seien – im technologischen Idealfall – umsonst oder zumindest für einen verschwindend geringen Preis zu haben. Dieser Schein trügt jedoch, denn jede einzelne Blockchain-Transaktion kostet vor allem eine Ressource: Energie! Durch die Art und Weise, wie das Mining von Blöcken in der Blockchain konzipiert ist, erhöht die steigende Nachfrage nach einer Blockchain-Anwendung die Schwierigkeit eines zu minenden Blocks. Dies bedeutet, dass bei einer hohen Mining-Aktivität ebenfalls eine hohe Rechenleistung der minenden Computer vonnöten ist, um einen Block zu minen. Je aktiver die Nutzer entlang einer Blockchain demnach sind, desto mehr Energie verbrauchen sie also.

Im Fall der Bitcoin-Blockchain hat der jährliche Energieverbrauch bereits den Umfang des Verbrauches eines mittelgroßen Landes angenommen. Laut Daten von digiconomist.net beträgt der geschätzte jährliche Energieverbrauch aller Bitcoin-Aktivitäten aktuell ca. 16,36 Terawattstunden (TWh). Wäre Bitcoin ein Staat, würde dieser damit Platz 76 der energieaufwändigsten Staaten der Erde einnehmen – eingerahmt zwischen dem Libanon (77) und Kuba (75). Insgesamt entfallen etwa 0,08 % des weltweiten Energieverbrauchs auf Bitcoin-Aktivitäten, Tendenz steigend.

Um diese abstrakten statistischen Zahlen einmal greifbarer zu machen, nennen wir an dieser Stelle noch zwei praktische Alltagsbeispiele: Die Energie, die durch Bitcoin verbraucht wird, könnte im selben Zeitraum mehr als 1,5 Millionen durchschnittliche Haushalte versorgen; die aufgewendete Energie einer einzigen Bitcoin-Transaktion kann 6 US-Haushalte mit Elektrizität versorgen. Dem – mit aktuellen Zahlen kalkulierten – Gewinn von knapp 3,8 Milliarden US-Dollar durch Mining innerhalb eines Jahres stehen geschätzte Miningkosten von ca. 820 Millionen US-Dollar entgegen.

Ethereum, die zweite große Blockchain-Anwendung, kommt im Vergleich zu Bitcoin nicht ganz auf dessen Werte. Der Energieverbrauch liegt bei rund 4,9 TWh, was Ethereum auf Position 121 – zwischen Brunei (122) und Moldau (120) – platzieren würde. 0,02 % des weltweiten Energieverbrauchs entfallen auf Ethereum, knapp 450.000 Haushalte können durch Ethereum-Energie und ein US-Haushalt durch eine Transaktion einen ganzen Tag lang versorgt werden. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis für Ethereum fällt ebenfalls ähnlich aus wie für Bitcoin: 2,3 Milliarden US-Dollar Gewinn verursachen ca. 590 Millionen US-Dollar an Energiekosten.

Ist Krypto-Mining also unökologisch oder gar ineffizient? Diese Schlussfolgerung kann nur bedingt aus oben stehenden Zahlen gezogen werden. Ein Großteil des Mining von Kryptowährungen wird heutzutage nicht mehr durch Privatpersonen, sondern durch professionalisierte Anbieter betrieben. Diese beziehen ihre Energie zumeist aus regenerativen Quellen. Ein bekanntes Mining-Unternehmen etwa betreibt seine Aktivitäten auf Island und nutzt dabei Geothermie, eine Technologie, bei der natürliche Erdwärme zur Energieerzeugung genutzt wird.

Auch der Aspekt der Effizienz wirkt hinsichtlich des Reingewinns durch Krypto-Mining nicht so schwer. Eine hohe Nachfrage nach einer Kryptowährung wirkt sich schließlich nicht bloß auf den Energieverbrauch, sondern ebenso auf den Preis der Währung aus. Dementsprechend beträgt der Gegenwert eines geminten Token nach wie vor ein Vielfaches des Aufwandes, der für ihn erbracht werden muss. Dennoch sind Energiekosten natürlich kein vollständig vernachlässigbarer Faktor des Krypto-Handelns, da sich in jeder Transaktion versteckte Kosten verbergen.

BTC-ECHO

Über Tobias Schmidt

Tobias SchmidtTobias ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Studium hat er im Fach Politik und Wirtschaft an der Universität Münster mit dem Bachelor abgeschlossen und war während seines Studiums zudem am Lehrstuhl als studentische Hilfskraft tätig. Darüber hinaus sammelte er berufliche Erfahrungen in der parlamentarischen Arbeit und in der strategischen Kommunikation, bevor er in das journalistische Fach wechselte. Seit 2017 widmet er sich der Blockchain-Technologie, wobei er sich insbesondere auf die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fokussiert.

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13 Kommentare zu “Wie viel Energie verbraucht eigentlich Bitcoin?

  1. Nicht nur das eigentliche Mining kostet Energie, sondern auch der Download der jeweiligen, vollständigen block chain bzw. deren Validierung als Einmal-Aufwand. Die Ether block chain hat mit Stand per jetzt einen Umfang von 91,4 GB, was trotz eines schnellen Rechners (Intel I7) mit SSD und ausreichender Bandbreite 25Mb schon mal mit 10 Tagen für einen Download zu Buche schlagen kann (meine Erfahrung).

  2. Da mehr als die Hälfte des Minings in China stattfindet, wegen des billigen Stroms gern in der Mongolei hört sich der Verweis, dass einige Miner Geothermie nutzen, nach Greenwashing an. Meiner Meinung nach wird PoW nie auf eine gute Ökobilanz kommen – ich sehe PoS hier auch als einzige zukunftsfähige und skalierbare Perspektive. Quelle: http://www.manager-magazin.de/finanzen/alternativegeldanlage/bitcoin-zentrum-ordos-millionen-mining-in-der-inneren-mongolei-a-1164892.html
    Wenn man annimmt, dass Stromverbrauch und marketcap linear wachsen, können Kryptowährungen allein wegen des Stromverbrauchs niemals mehr als ein sehr kleines Nischenprodukt werden.

  3. Das ist ein essenzielles Problem von PoW. Diejenigen die viele Ressourcen haben, können das Protokoll ausnutzen und dort Farmen hinsetzen, wo sie geringe kosten haben. Die Reichen werden extrem bevorteilt. Zudem gibt es ein Verkaufsdruck, da die Miner ihre Kosten decken müssen.

    PoS ist da weit aus ausgeglichener. 1. gibt es keinen Verkaufsdruck von Coins. 2. Der Reward wird anteilig auf alle verteilt, die das Netzwerk unterstützen wollen. Am besten macht das meiner Meinung derzeit PIVX.

    PoS wird PoW daher im long run outperformen.

      1. Das wäre keine schlechte Idee, denn die Stadtwerke könnte auch etwas Erleuchtung gebrauchen. Aber jetzt mal im Ernst. Kann man nun mit den Asics warmes Brauchwasser erzeugen oder nicht? Das ist doch zehn mal inteligenter als die Wärme beim minen in die Luft zu pusten. Wenn man das immer dann machen würde wenn man sowieso die Wärme benötigt dann wäre das minen ein kostenloses Abfallprodukt.

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