Neues Verfahren Wende im Fall Mt.Gox? CEO der Bitcoin-Börse vor Gericht
Moritz Draht

von Moritz Draht

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Moritz Draht

Moritz Draht hat Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Konstanz studiert. Sein Krypto-Engagement widmet sich den Zusammenhängen zwischen soziokulturellen und technischen Entwicklungen.

Teilweise vergrabene Bitcoin-Münze

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Rund sechs Jahre nach der Insolvenz der einst größten Bitcoin-Börse Mt. Gox holt den ehemaligen CEO Mark Karpelès die Vergangenheit ein.

Die Geschichte von Mt. Gox liest sich wie ein Betrugsskandal aus dem Lehrbuch. Nach dem raschen Aufstieg zur weltweit größten Bitcoin-Börse kam der ebenso rasante Fall. 2014 meldete Mt. Gox Insolvenz an und hinterließ tausende verprellte Kunden. Bis heute stehen jedoch noch einige Ungereimtheiten im Raum. Das neu aufgerollte Gerichtsverfahren gegen Mark Karpelès könnte einige Antworten liefern.

Schatten aus der Vergangenheit


Lange Zeit blieb es ruhig um Mt. Gox und den einstigen CEO Mark Karpelès. Mit seiner Verurteilung 2014 wegen Betrug und Veruntreuung schien das Kapitel zunächst geschlossen. Für Anleger, die sich von ihren Bitcoin-Einlagen verabschieden durften, sitzt der Stachel aber noch heute tief.

Aus Sicht der ehemaligen Kunden stellt sich zudem die Frage, ob das damals verhängte Strafmaß gegen Karpelès im Verhältnis zum verursachten Schaden stand. Mit einer zehnmonatigen Gefängnisstrafe und der anschließenden Entlassung gegen Kaution ist der Mt. Gox-CEO noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Dagegen warten die Anleger bis heute vergebens auf Schadenersatz. Entsprechende Sammelklagen waren bislang erfolglos.

Die Insolvenz der Börse macht es unwahrscheinlich, dass die Anleger jemals ihre Coins jemals wiedersehen werden. Dass die Börse selbst in einen Hackerangriff verstrickt gewesen sein soll, bei dem rund 850.000 Bitcoin gestohlen wurden, hinterlässt dabei bis heute einen faden Beigeschmack.

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Falsche Versprechen der Bitcoin-Börse

Doch so vergleichsweise glimpflich Karpelès auch damals aus der Affäre gekommen ist, könnte sich die Schlinge nun umso enger zuziehen. Denn aus Gerichtsdokumenten vom 16. Juni geht hervor, dass das zuständige Bundesbezirksgericht in Illinois der Klage wegen Betrugs stattgegeben hat und den Fall Mt. Gox neu aufrollt.

Die Klage, auf die sich das Verfahren stützt, wurde bereits 2014 eingereicht. Der Kläger Gregory Greene hatte 2012 ein Konto bei Mt.Gox eröffnet und mit dem Zusammenbruch der Bitcoin-Börse 42,9 Bitcoin verloren, bei heutigem Wechselkurs rund 400.000 US-Dollar. In Puncto Sicherheit habe er sich auf die damaligen Geschäftsbedingungen von Mt.Gox verlassen. Genau dies könnte Karpelès zum Verhängnis werden.

Denn Karpelès soll, so die Anklageschrift, Anleger mit falschen Versprechen getäuscht haben. So sei in den Nutzungsbedingungen der „sichere und schnelle Kauf, Verkauf und Handel“ sowie das problemlose Abziehen der Einlagen angepriesen worden. Dem war, wie sich zwei Jahre später herausstellen sollte, nicht so.

Weil Greene diesen Punkt in seiner frühen Klage jedoch nicht aufführte, versuchte Karpeles ein „summary judgment“ durchzubringen. Dabei handelt es sich um ein Urteil ohne vollständiges Verfahren und unter Ausschluss einer Jury. Mark Karpelès Antrag wurde nun vom Richter abgelehnt. Das Verfahren und die Beweisaufnahme wird neu eingeleitet.

Gegenüber Law360 zeigte sich Greenes Anwalt erfreut über die Entscheidung des Gerichts:

Wir freuen uns über die Entscheidung von Richter Feinerman. Nach eigenen Angaben hielt Mark Karpelès kritische Informationen zurück und unternahm Schritte, um Investoren von Mt. Gox zu betrügen.

Allzu große Hoffnungen auf Entschädigungen dürften sich die verprellten Anleger jedoch nicht machen. Mit der Insolvenz der Börse dürften auch die Ansprüche der Kunden verflossen sein. Zumindest besteht laut Anwalt Thomassen noch die Hoffnung, „Herrn Karpelès für seine Taten voll zur Rechenschaft zu ziehen“.

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