Rares Gut Wieso wird es nie mehr als 21.000.000 Bitcoin geben?

Christopher Klee

von Christopher Klee

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Christopher Klee

Christopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

Nahaufnahme einer Roulette-Kugel, die auf der 21 gelandet ist

Quelle: Shutterstock

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PayPal bringt Bitcoin zu den Massen und immer mehr Unternehmen und Investmentfonds haben mit dem Hodln begonnen. Dabei wird es nie mehr als 21 Millionen BTC geben. Wieso das so ist, hat Satoshi Nakamoto seinerzeit noch selbst vorgerechnet.

Dachte Satoshi bei der Wahl der Zahl etwa daran, dass 21 „die kleinste positive natürliche Zahl ist, für die Quadrate paarweise verschiedener positiver Kantenlänge existieren, die sich zu einem Quadrat zusammensetzen lassen?“. Oder war sich der pseudonyme Bitcoin-Begründer der Symbolhaftigkeit gewahr, die esoterische Kreise der 21 – unter anderem als Zahl der Vollendung – andichten? Oder hatte, wie so oft im Leben und im Tatort, Kollege „Zufall“ seine Finger im Spiel?


Tatsächlich findet sich im Bitcoin White Paper noch keine Erwähnung einer Begrenzung auf 21 Millionen. Erst mit der Mail, in der Satoshi das Bitcoin White Paper veröffentlicht hat, wurde die 21 Millionen offiziell:

Die Gesamtauflage wird 21.000.000 Coins betragen. Es wird verteilt werden an Netzwerkknoten, wenn sie Blöcke bilden, wobei der Betrag alle vier Jahre halbiert wird
alle 4 Jahre.

die ersten 4 Jahre: 10.500.000 Coins
die nächsten 4 Jahre: 5.250.000 Coins
nächste 4 Jahre: 2.625.000 Coins
die nächsten 4 Jahre: 1.312.500 Coins
usw…

Wenn das ausläuft, kann das System Transaktionsgebühren unterstützen, falls benötigt. Es basiert auf einem offenen Wettbewerb, und es wird wahrscheinlich immer Nodes geben, die bereit sind, Transaktionen kostenlos zu verarbeiten.

Satoshi Nakamotor, 8. Januar 2009

Warum also ausgerechnet 21 Millionen? Wie man dem Mailverkehr zwischen Satoshi und Mike Hearn, einem weiteren Bitcoin-Entwickler der ersten Stunde, entnehmen kann, hat die Zahl keinen metaphysischen, sondern eine pragmatischen Hintergrund:

Meine Wahl für die Anzahl der Coins und den Verteilungsplan basierte auf einer Schätzung. Es war eine schwierige Entscheidung, denn wenn das Netzwerk erst einmal läuft, ist es festgelegt, und wir müssen uns damit abfinden. Ich wollte etwas auswählen, bei dem die Kurse ähnlich wie bei bestehenden Währungen sind, aber ohne die Zukunft zu kennen, ist das sehr schwer.

Satoshi Nakamoto an Mike Hearn, 12. April 2009

Satoshi suchte nach der goldenen Mitte: Egal ob Bitcoin eine Nische bleiben oder großen Erfolg haben sollte, das Limit sollte für beide Fälle Zahlen ermöglichen, die nicht allzu sperrig ausfallen. Sathoshi erklärt Mike Hearn das Kalkül so:

Wenn du dir vorstellst, dass [Bitcoin] nur für einen Bruchteil des Welthandels verwendet wird, dann wird es nur 21 Millionen Coins für die ganze Welt geben, also wäre eine Einheit viel mehr wert. Die Werte sind 64-Bit-Integer mit 8 Dezimalstellen, daher wird 1 Coin intern als 100000000 dargestellt. Es gibt viel Granularität, wenn typische Kurse klein werden. Wenn zum Beispiel 0,001 [Bitcoin] 1 Euro wert ist, könnte es einfacher sein, die Position des Dezimalpunkts zu ändern.

Satoshi Nakamoto an Mike Hearn, 12. April 2009

21 Millionen: Ausgerechnet

Möglicherweise stand auch nicht die 21 Million, sondern die 50 BTC pro Block – in Verbindung mit der angepeilten Blockzeit von 10 Minuten – am Anfang der Überlegungen. Denn die 21 Million ist auch eine mathematische Konsequenz. Sie ergibt sich, wenn man die Zahl der produzierten Blöcke (210.000 pro Jahr) mit der Summe der sich halbierenden Belohnungen (50+25+12,5+…0 ≈ 100) multipliziert. Die Frage bleibt, was zu erst da war – das Limit oder das Mining-Protokoll.

Wann ist das letzte Bitcoin Halving – und was passiert dann?

Eines vorweg: Trotz aller Fortschritte in der Medizin ist es unwahrscheinlich, dass der geneigte Leser das letzte Halving miterleben wird: Denn dieses wird – stand heute – um das Jahr 2140 statt finden. Eine Krypto-Welt, in der der letzte Bitcoin „geschürft“ wurde, ist also Terra Incognita. In diesem Szenario bieten die Transaktiosgebühren die einzige Einnahmequelle für Miner. Aus diesem Grund gab es schon früh Überlegungen, die Blockgröße zu erhöhen, um mehr Transaktionen (und damit auch mehr Gebühren) in einem Block aufnehmen zu können. Der Streit um die Blockgröße begleitet Bitcoin schon von Beginn an und hatte bereits mehrere Abspaltungen (Hard Forks) zur Folge.

Großinvestoren greifen verstärkt nach dem raren Gut

Unterdessen haben immer mehr Großinvestoren die Wertspeicherqualität von Bitcoin und für sich entdeckt. Nachdem der IT-Dienstleister Microstrategy Bitcoin zu seinem wichtigsten Reserve-Asset geadelt hat, folgte mit Square das nächste Wall-Street-Unternehmen, das einen Teil seiner Rücklagen in Bitcoin investiert hat. Zuletzt gab das britische Unternehmen Mode Global einen ähnlichen Schritt bekannt.

Microstrategy hält nun 38.250 BTC. Das sind über 0,18 Prozent aller je verfügbaren Bitcoin-Einheiten. Dazu gesellen sich institutionelle Bitcoin-Fonds, die ihrerseits immer mehr Bitcoin aufsaugen. Allein der Bitcoin Trust der US-Firma Grayscale hält mindestens 2,6 Prozent der Bitcoin-Umlaufmenge – Tendenz: steigend.

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