Warum die ETF-Debatte überhitzt und die SEC dem Bitcoin wohlgesonnen ist

Quelle: Overheated muscle car engine via Shutterstock

Warum die ETF-Debatte überhitzt und die SEC dem Bitcoin wohlgesonnen ist

In den letzten Wochen hat die Debatte über eine mögliche Bitcoin-ETF-Zulassung bzw. deren Entscheidungstermin zu hitzigen Diskussionen geführt. Der ausgetrocknete Krypto-Markt durstet nach neuer Liquidität, die eine ETF-Zulassung seitens der US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC mit sich bringen würde. Verspricht ein Bitcoin-ETF für Krypto-Investoren eine neue Rally, sehen hingegen Personen, die sich der Technologie widmen und gegen einen regulierten Krypto-Markt sind, darin eine Fehlentwicklung.

Wenn man in den letzten Wochen von Bitcoin in den Nicht-Krypto-Medien gehört hat, dann ging es vor allem um Bitcoin-ETF-Anträge, die von mehreren Finanzmarktakteuren an die US-Wertpapieraufsicht SEC gestellt worden sind. Bislang wurden alle Anträge bezüglich eines börsengehandelten Indexfonds von der Behörde abgelehnt. Die Hoffnung, dass es bei den nächsten Entscheidungsterminen in den nächsten Wochen klappen könnte, unterstützt nicht nur den Bitcoin-Kurs, sondern weckt auch die eingeschlafene Gier vieler Krypto-Anleger und solcher, die es noch werden möchten.

Anzeige

Ethereum-Kopf Vitalik Buterin stänkert gegen Krypto-ETFs

Entgegen den kurzfristigen positiven Kursimplikationen, die einige Investoren herbeisehnen, gibt es aber auch Gegenstimmen, die von einem Bitcoin ETF nichts hören möchten. So hat sich Vitalik Buterin, der bekannte Kopf hinter Ethereum, unmissverständlich kritisch gegenüber Krypto-ETFs geäußert. Die ursprüngliche Motivation hinter Bitcoin war die Währungsfunktion und die damit einhergehende globale Adaption als Bezahlmedium. Die Überbetonung des Investmentcases durch ETFs schadet mehr als das sie nützt, lenkt sie doch den Fokus weg von den eigentlichen Funktionen der Kryptowährungen.

ETFs als Gefahr für die Krypto-Adaption

Die Begründung ist dabei keinesfalls als eine rein idealistische zu sehen. Auch Sachargumente, insbesondere technischer Natur, sprechen in Teilen gegen eine Krypto-ETF-Zulassung. Erinnert man sich an die Hype-Phase Ende 2017, dann wird klar, welche Gefahren von einem enormen Mittelzufluss in kurzer Zeit ausgehen können. So brach das gesamte Krypto-Ökosystem unter der enormen Schwemme an Transaktionen mehr oder weniger zusammen. Börsen konnten nur noch eingeschränkt ihren Dienst anbieten, die Transaktionszeiten und -kosten schossen aufgrund mangelnder Skalierbarkeit in die Höhe und die Sicherheitsmängel der Krypto-Dienstleister waren gravierend.

Sicherlich hat sich inzwischen einiges getan und einige Missstände wurden aus dem Weg geräumt. Die Skalierung von Bitcoin und Ether ist hingegen kaum weiter als damals. Zwar gibt es inzwischen Second-Layer-Lösungen wie Lightning, doch sind diese noch viel zu unpraktikabel als dass sie in der Breite genutzt werden würden. Sollte also die Big Money durch ETFs in kurzer Zeit den Markt fluten, dann sind Überhitzungen des Ökosystems, insbesondere in der Skalierbarkeit, nicht auszuschließen.

Wie lautet die WKN von Bitcoin?


[Anzeige]
Bitcoin kaufen mit dem Bitwala Konto. Warum ein Bankkonto bei Bitwala? Ein Bankkonto “Made in Germany” mit Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro; 24/7 Bitcoin Handel mit schneller Liquidität; Gehandelt werden ausschließlich ‘echte’ Bitcoin – keine Finanzderivate wie CFDs; Sichere Nutzerkontrolle über das Bitcoin Wallet und den private Schlüssel; Mit der kontaktlosen Debit-Mastercard weltweit abheben und bezahlen.

Jetzt kostenloses Konto eröffnen

Neben der Belastung für das Ökosystem kritisieren Krypto-Puristen die einseitige Außenwirkung in der breiten Öffentlichkeit. Wenn Bitcoin auf regulierte Fonds und Zertifikate reduziert wird, schadet das dem grundlegenden Verständnis der Krypto-Ökonomie. Wenn über eine Wertpapierkennnummer (WKN) ein Bitcoin-Fonds in das Depot der Hausbank gebucht wird, dann steht das im absoluten Widerspruch zum Bitcoin White Paper. Es würde eine gewisse Re-Zentralisierung stattfinden, die wieder Banken zum Zentralverwalter von Vermögen werden lässt. Das Narrativ “Be your own Bank” wird dadurch ad absurdum geführt. Niemand muss für einen Bitcoin ETF wissen, was eine Wallet oder ein Private Key ist – die Verantwortung liegt ausschließlich beim regulierten Finanzdienstleister.

Nicht-Krypto-Puristen sehen dies genau umgekehrt. Ihre Argumentation ist, dass ein ETF die Krypto-Hemmschwelle senkt, also die Bereitschaft in der Breite fördert, sich überhaupt mit Bitcoin und Co. auseinanderzusetzen – ETFs als Einstiegsdroge für Nicht-Krypto-Affine.

Keep Cool

Bitcoin ETF hin oder her – es gibt Gründe, die sowohl für als auch gegen eine ETF-Zulassung sprechen. Klar muss allerdings sein: Krypto-ETFs kommen definitiv. Die Frage ist nur wie schnell. Entsprechend kann es durchaus positiv sein, wenn die SEC den gegenwärtigen Krypto-ETF-Anträgen einen Korb gibt, damit das Krypto-Ökosystem mehr Zeit bekommt seine Infrastruktur weiter auszubauen und zu stabilisieren. Es kann von Glück gesprochen werden, dass zur Hype-Phase Ende 2017 keine ETFs zugelassen waren. Hätte es 2017 Bitcoin ETFs gegeben, wäre die Überhitzung und anschließende Fallhöhe noch größer gewesen.

BTC-ECHO

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Finanzbranche first, Industrie second: Wann die Blockchain den Maschinenbauer erreichen wird
Finanzbranche first, Industrie second: Wann die Blockchain den Maschinenbauer erreichen wird
Kommentar

„Blockchain ist viel mehr als Bitcoin.“ Dieser Satz wurde in den letzten zwei Jahren geradezu mantra-artig, selbstbewusst und inflationär von Managern aus der Industrie heruntergebetet. Warum die Realität von dieser Vorstellung noch ein Stückchen entfernt ist, wie lange es dauern wird, bis Blockchain im produzierenden Gewerbe wirklich angekommen ist und wieso die Finanzialisierung der Realwirtschaft voraus ist. Ein Kommentar.

Ripple arbeitet an Software für Ledger und Trezor
Ripple arbeitet an Software für Ledger und Trezor
Kommentar

Das kalifornische Unternehmen Ripple hat über sinen Investmentarm Xpring erneut in Towo Labs investiert. Das schwedische Unternehmen soll eine robuste und praktikable Software schreiben.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Libra-Chef ist Bitcoin Fan, CBDC kommt: Das Meinungs-ECHO
Libra-Chef ist Bitcoin Fan, CBDC kommt: Das Meinungs-ECHO
Szene

Der Libra-Chef bregreift Bitcoin als digitales Gold, während der BaFin-Chef verhindern will, dass aus Libra eine Parallelwährung wird, die Regulierungsbehörden vor neue Herausforderungen stellt. Unterdessen unterdessen wirft der selbsternannte Bitcoin-Erfinder Craig Wright die Frage auf, ob im White Paper plagiiert wurde. Das Meinungs-ECHO.

Bitcoin, Betrug und Pornographie – Das Regulierungs-ECHO
Bitcoin, Betrug und Pornographie – Das Regulierungs-ECHO
Regulierung

Internationale Behörden sprengen den nach Datenvolumen bisher größten Darknet-Ring für Kinderpornographie dank Bitcoin. USA und Kanada denken derweil über ein digitales Zentralbankengeld nach und Wilshire Phoenix versucht, einen Bitcoin ETF durchzuboxen. Das Regulierungs-ECHO.

Die Top Bitcoin-, IOTA und Ripple-News der Woche
Die Top Bitcoin-, IOTA und Ripple-News der Woche
Kolumne

Bitcoin steuert auf die 18 Millionengrenze zu, IOTA rühmt sich mit vielversprechenden Anwendungsfällen und wir haben das Ripple-Ökosystem im Blick. Das interessierte unsere Leser in der vergangenen Woche am meisten.

Wie ticken zentralisierte Krypto-Börsen?
Wie ticken zentralisierte Krypto-Börsen?
Wissen

Einer der größten Stolpersteine bei der Analyse von Krypto-Assets sind zentralisierte Börsen. Während on-chain ein Großteil des Verhaltens verschiedener Akteure verfolgt werden kann, arbeiten Börsen wie Bitfinex, Bithub oder Kraken immer noch weitgehend off-chain. Nur ein Bruchteil ihres Verhaltens kann direkt auf verschiedenen Blockchains beobachtet werden. Für Investoren und andere Akteure auf dem Markt könnten jedoch Blicke hinter diese Barriere viele Vorteile bringen: Anleger könnten eindeutig große Transaktionen zwischen verschiedenen Börsen verfolgen. Derartige Transaktionen stehen häufig im Verdacht, einen nachhaltigen Einfluss auf die Kurse zu nehmen, sodass ein schnelles Wissen über derartige Ereignisse hilfreich wäre. 

Angesagt

Krypto- und traditionelle Märkte: Bitcoin – trotz schwacher Performance attraktiv?
Märkte

Der Bitcoin-Kurs weist aktuell eine sehr geringe Korrelation zu den Vergleichsmärkten auf. Die Volatilität vom Bitcoin-Kurs liegt auch weiterhin bei 3 Prozent. Leider ist die Performance auch in dieser Woche noch vom Kurssturz von Ende September geprägt.

Bitcoin-Diebstahl im Darknet: Hacker infizieren Tor Browser
Sicherheit

Krytpo-Scammer schlugen erneut im Darknet zu. Um ahnungslosen Kunden von Darknet-Märkten die Bitcoin aus der Tasche zu ziehen, kam dieses Mal eine infizierte Variante des Tor Browsers zum Einsatz.

IOTA im Fokus: Mikrotransaktionen und das Tangle
Altcoins

IOTA könnte sich als entscheidende Technologie im Internet of Things etablieren. Dabei sticht vor allem die Möglichkeit kleinster Transaktionen in Echtzeit heraus. Die Killerapp treibt die Autonomisierung von Maschinen voran.

Broadway: Der Auftritt der Blockchain
Blockchain

In Zukunft könnte der Verkauf der Broadway Tickets über eine Blockchain-Lösung laufen. So hat es zumindest der größte Ticketverkäufer des Broadways, die Shubert Organization, geplant. Die Blockchain-Lösung für das Projekt stellt das Bostoner Start-up True Tickets zur Verfügung.

×
Anzeige