Warum die ETF-Debatte überhitzt und die SEC dem Bitcoin wohlgesonnen ist

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

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Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: Overheated muscle car engine via Shutterstock

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In den letzten Wochen hat die Debatte über eine mögliche Bitcoin-ETF-Zulassung bzw. deren Entscheidungstermin zu hitzigen Diskussionen geführt. Der ausgetrocknete Krypto-Markt durstet nach neuer Liquidität, die eine ETF-Zulassung seitens der US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC mit sich bringen würde. Verspricht ein Bitcoin-ETF für Krypto-Investoren eine neue Rally, sehen hingegen Personen, die sich der Technologie widmen und gegen einen regulierten Krypto-Markt sind, darin eine Fehlentwicklung.


Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Tobias Schmidt

Wenn man in den letzten Wochen von Bitcoin in den Nicht-Krypto-Medien gehört hat, dann ging es vor allem um Bitcoin-ETF-Anträge, die von mehreren Finanzmarktakteuren an die US-Wertpapieraufsicht SEC gestellt worden sind. Bislang wurden alle Anträge bezüglich eines börsengehandelten Indexfonds von der Behörde abgelehnt. Die Hoffnung, dass es bei den nächsten Entscheidungsterminen in den nächsten Wochen klappen könnte, unterstützt nicht nur den Bitcoin-Kurs, sondern weckt auch die eingeschlafene Gier vieler Krypto-Anleger und solcher, die es noch werden möchten.

Ethereum-Kopf Vitalik Buterin stänkert gegen Krypto-ETFs

Entgegen den kurzfristigen positiven Kursimplikationen, die einige Investoren herbeisehnen, gibt es aber auch Gegenstimmen, die von einem Bitcoin ETF nichts hören möchten. So hat sich Vitalik Buterin, der bekannte Kopf hinter Ethereum, unmissverständlich kritisch gegenüber Krypto-ETFs geäußert. Die ursprüngliche Motivation hinter Bitcoin war die Währungsfunktion und die damit einhergehende globale Adaption als Bezahlmedium. Die Überbetonung des Investmentcases durch ETFs schadet mehr als das sie nützt, lenkt sie doch den Fokus weg von den eigentlichen Funktionen der Kryptowährungen.

ETFs als Gefahr für die Krypto-Adaption

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Die Begründung ist dabei keinesfalls als eine rein idealistische zu sehen. Auch Sachargumente, insbesondere technischer Natur, sprechen in Teilen gegen eine Krypto-ETF-Zulassung. Erinnert man sich an die Hype-Phase Ende 2017, dann wird klar, welche Gefahren von einem enormen Mittelzufluss in kurzer Zeit ausgehen können. So brach das gesamte Krypto-Ökosystem unter der enormen Schwemme an Transaktionen mehr oder weniger zusammen. Börsen konnten nur noch eingeschränkt ihren Dienst anbieten, die Transaktionszeiten und -kosten schossen aufgrund mangelnder Skalierbarkeit in die Höhe und die Sicherheitsmängel der Krypto-Dienstleister waren gravierend.

Sicherlich hat sich inzwischen einiges getan und einige Missstände wurden aus dem Weg geräumt. Die Skalierung von Bitcoin und Ether ist hingegen kaum weiter als damals. Zwar gibt es inzwischen Second-Layer-Lösungen wie Lightning, doch sind diese noch viel zu unpraktikabel als dass sie in der Breite genutzt werden würden. Sollte also die Big Money durch ETFs in kurzer Zeit den Markt fluten, dann sind Überhitzungen des Ökosystems, insbesondere in der Skalierbarkeit, nicht auszuschließen.

Wie lautet die WKN von Bitcoin?

Neben der Belastung für das Ökosystem kritisieren Krypto-Puristen die einseitige Außenwirkung in der breiten Öffentlichkeit. Wenn Bitcoin auf regulierte Fonds und Zertifikate reduziert wird, schadet das dem grundlegenden Verständnis der Krypto-Ökonomie. Wenn über eine Wertpapierkennnummer (WKN) ein Bitcoin-Fonds in das Depot der Hausbank gebucht wird, dann steht das im absoluten Widerspruch zum Bitcoin White Paper. Es würde eine gewisse Re-Zentralisierung stattfinden, die wieder Banken zum Zentralverwalter von Vermögen werden lässt. Das Narrativ “Be your own Bank” wird dadurch ad absurdum geführt. Niemand muss für einen Bitcoin ETF wissen, was eine Wallet oder ein Private Key ist – die Verantwortung liegt ausschließlich beim regulierten Finanzdienstleister.

Nicht-Krypto-Puristen sehen dies genau umgekehrt. Ihre Argumentation ist, dass ein ETF die Krypto-Hemmschwelle senkt, also die Bereitschaft in der Breite fördert, sich überhaupt mit Bitcoin und Co. auseinanderzusetzen – ETFs als Einstiegsdroge für Nicht-Krypto-Affine.

Keep Cool

Bitcoin ETF hin oder her – es gibt Gründe, die sowohl für als auch gegen eine ETF-Zulassung sprechen. Klar muss allerdings sein: Krypto-ETFs kommen definitiv. Die Frage ist nur wie schnell. Entsprechend kann es durchaus positiv sein, wenn die SEC den gegenwärtigen Krypto-ETF-Anträgen einen Korb gibt, damit das Krypto-Ökosystem mehr Zeit bekommt seine Infrastruktur weiter auszubauen und zu stabilisieren. Es kann von Glück gesprochen werden, dass zur Hype-Phase Ende 2017 keine ETFs zugelassen waren. Hätte es 2017 Bitcoin ETFs gegeben, wäre die Überhitzung und anschließende Fallhöhe noch größer gewesen.

BTC-ECHO

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