Von Nutzen und Spekulation Von wegen Spekulationsobjekt: Bitcoin im Libanon immer beliebter

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 5 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

Bitcoin (Symbolbild)

Quelle: Shutterstock

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Insbesondere Länder mit dysfunktionalen Finanzsystemen profitieren von Bitcoin, heißt es. Doch hält die These einem Blick in die Zahlen stand?

Das Versprechen dezentralen, unabhängigen Geldes manifestiert sich in erster Linie dort, wo echter Nutzen erkennbar ist. Typischerweise handelt es sich dabei nicht um die Länder des wohlhabenden Westens. Auch wenn so mancher aus der libertären Ecke das gegenwärtige Finanzsystem und dabei insbesondere die Rolle der Zentralbank ablehnt, so lässt sich doch kaum von der Hand weisen, dass wir in Europa (noch) recht gut damit fahren. Entsprechend dürfte Bitcoins Nutzen hierzulande irgendwo zwischen Spekulationsobjekt und einer Art „Prepping“ für den drohenden finanziellen Kollaps fungieren.


Prekärer ist die Lage anderswo. Denn Fakt ist, dass ein funktionierender Finanzmarkt keine Selbstverständlichkeit ist.

Not macht erfinderisch

Wer also herausfinden möchte, ob Bitcoin als echtes Gegenangebot zu Kapitalkontrollen und Geldentwertung in der Bevölkerung wahrgenommen wird, muss den Blick auf Länder mit dysfunktionalen Finanzsystemen lenken. Ein steigendes Handelsvolumen etwa auf den gängigen Peer-to-Peer-Börsen wie LocalBitcoins während politischer Unruhen wäre ein klares Indiz dafür, dass sich die Wertversprechen der Kryptowährung Nr. 1 tatsächlich in echten Nutzen für die betroffene Bevölkerung übersetzen.

Matt Ahlborg, seines Zeichens Datenwissenschaftler hat sich die Überprüfung genau dieser These zur Aufgabe gemacht. Der US-Amerikaner untersucht seit 2019 das Transaktionsvolumen auf Over the Counter (OTC) Peer to Peer(P2P) Exchanges wie Paxful oder LocalBitcoins und zieht einige interessante Schlüsse zu Bitcoins Nutzen. So ist aus den Daten, die der Wissenschaftler auf seiner Website Usefultulips.org zur Verfügung stellt, klar erkennbar, dass Währungen wie der venezolanische Bolivar und der kolumbische Peso einen Großteil des lateinamerikanischen P2P-Bitcoin-Handels ausmachen. Insbesondere Venezuela steht seit geraumer Zeit wie kein anderes Land für Hyperinflation und Wirtschaftskrise.

Trading Volume LocalBitcoins Südamerika. Orange eingezeichnet: venezolanischer Bolivar. Quelle: Usefultulips.org.

Jüngst machte Ahlborg zudem auf ein anderes Phänomen aufmerksam, das als weiteres Indiz dafür gesehen werden kann, dass Bitcoin tatsächlich so genutzt wird wie vorgesehen. Die Rede ist vom Remittance-Markt. Darunter versteht man das Versenden von im Ausland erwirtschaften Einkommen an die Familie zu Hause. Insbesondere in Ländern der Sub-Sahara-Region sind Remittances ein Multi-Milliarden-US-Dollar-Markt. Allein 2019 verschickten Auswanderer über 50 Milliarden US-Dollar ins sub-saharische Afrika. Da die Sender in der Regel auf Geldtransfer-Dienstleister wie WesternUnion oder MoneyGram zurückgreifen müssen, betragen die Gebühren für das Versenden von Bargeld häufig mehr als zehn Prozent des Transaktionsvolumens.

Kryptowährungen wie Bitcoin gelten bereits seit geraumer Zeit als mögliche Lösung für dieses Dilemma. Allein, den Nachweis für diesen Use Case konnte bisher niemand so recht erbringen. Bis jetzt.

Der Trick mit den Gutscheincodes

In einem neuen Artikel schildert Matt Ahlborg eine Methode, Geld über den Globus zu verschicken, die selbst den hartgesottensten Bitcoiner verblüffen dürfte. Über die P2P Exchange Paxful werden demnach sogenannte Gift Cards, also Gutscheinkarten für Amazon, Apple oder den Google Play Store gegen Bitcoin gehandelt. Die erhaltenen BTC tauschen die Käufer sodann gegen die benötigte lokale Währung ein. Wer also etwa 20 US-Dollar aus den USA nach Nigeria schicken möchte, erwirbt beim Kiosk um die Ecke eine gleichwertige Gift Card, macht davon ein Foto und schickt dieses Foto an Verwandte in Nigeria. Diese wiederum tauschen auf Paxful den darin enthaltenen Gutscheincode gegen BTC – und wechseln das Geld in Naira, der lokalen Währung. Das ganze Prozedere dauert laut Ahlborg nicht länger als 20 bis 30 Minuten. Und so schließt der Autor mit dem Satz:

Das Ergebnis dieser Analyse ist, dass insgesamt fast sechs Jahre aggregierter Daten das Bild zeichnen, dass Bitcoin einen Nutzen hat und dass sich sein Versprechen für diejenigen Menschen, die Satoshi im Auge hatte, zu verwirklichen scheint.

Testfeld Libanon

Zwar spielt LocalBitcoins im Libanon bisher keine große Rolle. Der Aufstieg der Kryptowährung Nr. 1 scheint aber auch im Mittleren Osten unaufhaltsam. Befeuert durch die grassierende Korruption sowie wirtschaftliche Situation in dem Mittelmeerstaat brachen dort 2019 landesweite Proteste aus. Die Staatsverschuldung liegt bei 150 Prozent und die Inflation galoppiert davon. Die Signale stehen auf Bitcoin. Und tatsächlich berichten Nachrichtenagenturen wie AlJazeera von einem wahren Bitcoin-Boom im Libanon.

Damit versucht die Bevölkerung allen voran Kapital außer Landes zu schaffen. Schließlich hat die Regierung die Ausfuhr von libanesischen Pfund auf einen Gesamtwert von maximal 50.000 US-Dollar pro Jahr und Bürger beschränkt. Berücksichtigt man die enorme libanesische Diaspora, dürfte das in vielen Fällen nicht ausreichen.

Ein weiterer Grund für den Anstieg von Bitcoins Beliebtheit im Libanon sei das Misstrauen gegen das Bankenwesen. Der offizielle Wechselkurs etwa sei 40 Prozent geringer als auf dem Schwarzmarkt.

Wir misstrauen dem Bankensystem, daher nutzen wir es nicht mehr,

zitiert AlJazeera einen libanesischen Bitcoin-Händler.

Diesem Misstrauen verlieh der libanesische Star-Ökonom Nassim Nicholas Taleb bereits im Oktober 2019 Ausdruck:

Wer kann, der bringt sein Geld außer Landes oder investiert in Sachgüter wie Autos, Häuser, Gold – oder eben in Bitcoin.

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