Von wegen Kostenexplosion: Sinken die Bitcoin-Produktionskosten 2030 auf unter vier US-Dollar?

Max Kuhlmann

von Max Kuhlmann

Am · Lesezeit: 7 Minuten

Max Kuhlmann

Max Kuhlmann ist ein Universalist: Als Politikwissenschaftler, Kinderbuchautor, Qi-Gong-Lehrer, Werbesprecher und Erzieher hat er Einblick in viele Welten. Das verbindende Element all dieser Welten ist das Geldsystem, weshalb es aus seiner Sicht so wichtig ist, sich für ein gerechtes Geldwesen einzusetzen. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich daher mit diesem Thema, wobei sein derzeitiger Fokus auf den Digitalwährungen rund um Bitcoin liegt.

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Quelle: Shutterstock

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Einen Bitcoin zu produzieren kostet viele tausend US-Dollar. Laut einer neuen Studie zum Stromverbrauch des gesamten Bitcoin-Netzwerkes könnte sich das jedoch bald ändern: Der Preis für die Bitcoin-Erzeugung könne demnach bis 2030 auf unglaublich klingende 3,93 US-Dollar pro BTC absinken. Allein die erwartete Evolution der ASIC-Miner werde den Ressourcenbedarf so drastisch senken, dass das gesamte Netzwerk nicht mehr Strom als ein heutiges Entwicklungsland benötigen würde.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Tanja Giese

In ihrer Analyse wagen die Autoren um den Finanzökonom Prof. Dr. Olaf Schlotmann von der Ostfalia Hochschule einen Ausblick auf vielfältige Faktoren, welche die Zukunft des Bitcoin beeinflussen. Neben den Produktionskosten finden sich hier weitere, alte Bekannte: die Kosten der Kreditökonomie und der Bitcoin-ETF.

Die Stromkosten für Mining bilden den preislichen Boden des Bitcoin. Davon gehen viele Experten in der Krypto-Szene aus – nicht so Prof. Dr.  Schlotmann. Der ehemalige Mitarbeiter des Finanzministeriums und frühere Investment-Banker, der inzwischen eine Professur für Finanzökonomie an der Ostfalia Hochschule innehat, ist der Meinung:

„Der enorme Einfluss der technischen Entwicklung auf die Produktionskosten wird von vielen prominenten Marktteilnehmern (Lee, Novogratz) bei ihren Kurszielen von 100.000 US-Dollar und mehr offenbar einfach ignoriert.“

Dieser senke den Ressourcenbedarf des Netzwerks jedoch erheblich, wie die folgenden Hochrechnungen zeigen.

Stromkosten-Szenario 1: Technologische Entwicklung bei konstanter Hash Rate

Die höchste Hash Rate, die bisher erreicht werden konnte, lag im August 2018 bei etwa 60 EH/s. (Das entspricht 60 Trillionen Hashes in der Sekunde.) Das erste Zukunftsszenario der Studie geht von einer konstanten Hash Rate von eben diesen 60 EH/s aus. Die Stromkosten werden in Höhe von 0,06 USD/KWh angesetzt – dies entspricht in etwa den Stromkosten in China. Außerdem wird angenommen, dass sich die ASIC-Mining Hardware ähnlich wie in der Vergangenheit weiterentwickelt, sodass die Miner immer effizienter werden. Davon ausgehend entwickeln die Forscher folgende Hochrechnungen für die künftigen Produktionskosten eines Bitcoins:

Jahr (Belohnung pro Block in BTC) BTC Produktionskosten in US-Dollar
2020 (6,25) 2.381,33
2025 (3,125) 89,19
2030 (1,5625) 3,93

 

Dieses Szenario werden die Bullen, die von einer Preisbildung durch den Bitcoin-Strompreis ausgehen, obschon nicht gerne sehen, so Mitautor der Studie Dr. Stefan Ulreich. Auf nur 3,93 US-Dollar könnte die Produktion eines BTC demgemäß im Jahr 2030 absinken.

Zu den einzelnen Szenarien finden sich außerdem Kalkulationen über den benötigten Strom. Schon bis 2024 würden die benötigten Stromkosten indes drastisch sinken. Für 2017 wurden noch 44 TWh (Terrawattstunden) benötigt – das entspricht ungefähr dem jährlichen Energieverbrauch Neuseelands. Bereits im Jahr 2020 soll der Stromverbrauch somit auf das Niveau des kleinen, karibischen Inselstaats Trinidad & Tobago sinken, die im Jahr etwa 10 TWh benötigen. 2022 läge der Verbrauch bei 2TWh, was dem etwaigen Verbrauch Luxemburgs entspräche und 2024 würde für dieselbe Leistung nur noch 0,5 TWh benötigt – ähnlich viel Energie braucht der afrikanische Kleinstaat Ruanda.

Stromkosten-Szenario 2: Exponentiell wachsende Hash Rate bei technologischen Sprüngen

Das nächste Szenario geht davon aus, dass die Hash Rate wie in der Vergangenheit weiter exponentiell wächst, es jedoch immer wieder zu technologischen Disruptionen kommt. Diese sollen entsprechend ähnlich große Auswirkungen haben wie der Sprung von der CPU-Prozessor Hardware zu der Generation der ASIC-Miner in der Vergangenheit. Exemplarisch wurden diese alle zehn Jahre angesetzt.

Führende Technologie Jahr (BTC-Belohnung pro Jahr) BTC Netzwerk Hash Rate in EH/s BTC Produktionskosten in US-Dollar
ASIC-Miner 2020 (6,25) 256,5 10.180,19
 1. technischer  Sprung 2030 (1,562) 538.988.066 3.529,87
2. technischer Sprung 2040 (0,193) 1,13E+015 2.972,74
3. technischer Sprung 2050 (0,05) 2,37E+021 1,.256,75

 

Überraschenderweise sehen wir auch hier, dass trotz exponentiell steigender Hash Rate die Produktionskosten zwar bis 2020 ansteigen würden, danach aber tendenziell fallen. 2030 lägen sie inzwischen bei etwa 3.500 US-Dollar. Der Stromverbrauch würde sich außerdem in einem vertretbaren Rahmen bewegen. Er läge im Jahr 2050 also ungefähr auf dem Niveau des heutigen Singapur, bei etwa 52 TWh.

Was bedeuten diese Szenarien?

In der Analyse findet sich dennoch ein bullishes Szenario, bei dem die Hash Rate exponentiell anwächst, jedoch keine technologischen Quantensprünge unterstellt werden. In dieser Variante finden sich zwar unglaubliche Bitcoin-Kurse, die bis 2030 bereits bei über 35 Millionen US-Dollar liegen – ebenso unglaublich sind aber auch die Strompreise. Das BTC-Netzwerk bräuchte im selben Jahr bereits so viel Strom wie die ganze Welt es heute tut. Dieses Szenario erscheint der Forschergruppe am wenigsten realistisch, da ein so hoher Stromverbrauch keine gesellschaftliche und politische Akzeptanz mehr finden würde.

Doch was bedeuten diese Szenarien nun für den Bitcoin-Kurs? Tatsächlich nicht viel. Es heißt lediglich, dass bei der Prognose zur Preisbildung nicht ausschließlich auf die Produktionskosten geschaut werden kann, sondern völlig andere Faktoren entscheidend sein könnten.

Schlotmann geht sogar davon aus, dass bei der künftigen Preisbildung die Bitcoin-Herstellungskosten keine größere Rolle spielen werden. Stattdessen sei es entscheidend, ob und inwiefern institutionelle Anleger in den Markt gezogen werden können.

Der Bitcoin als Finanzinnovation

Die größte Stärke des Bitcoin sieht der Finanzökonom jedoch in seiner festen Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin. Diese könne institutionelle Anleger als Absicherung gegen Inflation anlocken. Hieraus ließen sich laut einem in der Studie benutzten Finanzmarktmodells deutlich höhere Bitcoin-Preise ableiten.

Dieses Modell soll zeigen, „dass Assets sehr hohe Werte annehmen können, wenn einer hohen Nachfrage ein fixes Angebot gegenübersteht.“

Denn sollten nur 0,5 Prozent des derzeit in Gold investierten Kapitals in Bitcoin umgeschichtet werden, würde das alleine schon für einen Bitcoin-Kurs von über 5.000 US-Dollar ausreichen. Sollten demgegenüber zehn Prozent des Kapitals im Goldmarkt in den Bitcoin fließen, sieht die Hochrechnung bereits einen Kurs von über 40.000 US-Dollar vor. Bei einem Zufluss von zehn Prozent aus dem Aktienmarkt der Schwellenländer (Emerging Markets), ließe sich alleine dadurch schon ein Bitcoin-Kurs von knappen 100.000 US-Dollar ableiten.

Zufluss in % Aus Gold Aus Aktien
(Emerging Markets)
0.5% 5,105 8,033
1.0% 6,962 12,819
5.0% 21,819 51,105
10.0% 40,390 98,962

 

Ob aber große Investoren angezogen werden können, sieht Schlotmann in starker Abhängigkeit davon, inwieweit es gelingt, den Bitcoin als reguliertes Finanzinstrument zu etablieren. Ein Bitcoin ETF also oder die Möglichkeit, Bitcoin sicher bei staatlich regulierten Banken aufbewahren zu können, wären wichtige Schritte in diese Richtung.

Zudem müsse sich die Kryptowährung gegen ihre Klone und Konkurrenten – sprich: die Altcoins – durchsetzen, weil Anleger „allein in der realen Knappheit der Pionierwährung einen Mehrwert sehen.“

Als Zahlungsmöglichkeit sei Bitcoin jedoch keine Innovation

Die Forscher zitieren P. Krugmann demgegenüber mit den Worten: „Krypto-Enthusiasten zelebrieren letztlich eine Cutting-Edge-Technologie, die das Geldsystem wieder auf den Stand von vor 300 Jahren bringen würde.“

Der Finanzökonom Schlotmann spielt folglich auch auf den Goldstandard an, an dem seiner Auffassung nach lange Zeit geradezu religiös festgehalten wurde, ohne die ökonomischen Schwierigkeiten dahinter näher zu betrachten. Wichtig ist anzumerken, dass er von Bitcoin in seiner „Urform“ ausgeht – mögliche Veränderungen des Bitcoin, wie etwa durch das Lightning Network, werden nicht mit einbezogen.

Die Probleme unseres derzeitigen Geldsystems lässt er jedoch nicht außer acht.

Kreditökonomie vs. Bitcoin: Die Wahl zwischen Pest und einer Grippe?

Ausgehend von den errechneten Szenarien (mit einem Strombedarf des Bitcoin-Netzwerks auf dem Niveau eines Entwicklungslandes) fordern die Forscher indes, ein Bitcoin-basiertes Geldsystem den Kosten unserer Kreditökonomie gegenüberzustellen. Dieses verursache aber Kreditblasen mit erheblichen volkswirtschaftlichen Kosten. Der Schaden, den das Mining verursache, sei möglicherweise niedriger als die Kosten der immer wieder auftretenden Blasen. Insofern biete Bitcoin „hier durchaus gute Chancen – sicherlich nicht als vollständiger Ersatz von Fiatgeld, aber als gute, zusätzliche Alternative.“

Der typische Konflikt: Cypherpunks vs. reguliertes Finanzwesen

In der Ausarbeitung zeigt sich sicherlich der nüchterne Ausblick der Finanz-Ökonomie, doch nicht das revolutionäre Gedankengut der Cypherpunks. Bei einigen Kernthesen dürften diesen jedoch die Haare zu Berge stehen. Sie sehen Bitcoin jedoch eher als Konterpart zu dem derzeitigen Geldsystem und nicht als ein Element, das davon abhängt, in das bestehende System integriert zu werden. Doch am Ende sind es derartige Studien und Ausarbeitungen, die uns ein realistisches Bild über eine mögliche Zukunft der Kryptowährung liefern können. Und schließlich macht die Studie auch den Bitcoin-Bullen Mut: Wenn nur ein kleiner Teil der Finanzmittel aus dem Aktien- oder Goldmarkt in den Bitcoin abfließt, ergeben sich bereits Bitcoin-Preise auf Rekordniveau.

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