Steemit: Eine Kombination aus Blockchain und Social Media

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Steemit: Eine Kombination aus Blockchain und Social Media

Wenn eine bislang unbekannte digitale Währung mit einer Marktkapitalisierung von gerade einmal 14 Millionen US-Dollar innerhalb kürzester Zeit auf 400 Millionen US-Dollar steigt, dann erregt das Aufsehen.

Wenn diese digitale Währung dann auch noch als Grundlage für eine Social Media-Bezahleinheit dient mit der Personen für das Erstellen von Content belohnt werden, manchmal mit mehreren 100 US-Dollar für einen einzelnen Post, dann kommen schnell Zweifel oder Euphorie auf.

Steemit, das als “blockchainbasierende Social Media Plattform” beschrieben werden kann wurde im März gegründet und erreichte bereits im Juli zunehmende Bekanntheit. Bislang scheint Steemit die Blockchain-Community zu spalten. Nichtsdestotrotz sorgt die Plattform dafür vielen Neulingen die Blockchain-Technologie näher zu bringen.

Hinter der Plattform stecken Daniel Larimer, Gründer von Bitshares und Ned Scott, ein ehemaliger Finanzanalyst. Mit Steemit wollen sie den Menschen eine Möglichkeit bieten ihren eigenen Content zu kreieren, diesen zu bewerben oder anderen Content zu kommentieren, während sie dabei Geld verdienen.

Steemit ist allerdings viel mehr als nur eine Website mit der man etwas Kleingeld verdienen kann. Die Steemit-Blockchain basiert auf einer von Larimer entwickelten Technologie namens Graphene, die den Einsatz spezifischer Blockchain-Applikationen ermöglicht.

Der Aufstieg von Steemit

Der große Durchbruch gelang erst am 4. Juli als 1,3 Millionen US-Dollar in Form der digitalen Währung Steem an die Teilnehmer der Plattform verteilt wurden, die im Vorfeld Mining betrieben sowie Content bereitgestellt haben.

Scott erklärt, dass die Entlohnung für die Teilnehmer der Plattform vor dem 4. Juli bewusst nicht ausgegeben wurde, um im Vorfeld die Plattform zu testen und Fehler zu finden bevor sie einem noch viel größeren Publikum zugänglich wird.

Schließlich lässt sich trotz sorgfältiger Arbeit des Entwicklerteams nicht ausschließen, dass Bugs auftauchen. Die Phase vor dem 4. Juli wurde also genutzt um Steemit so sicher wie möglich zu machen.

So sagt Scott:

“Was am 4. Juli passiert ist war wie ein drei Monate andauernder Tag, der endlich geendet ist. Das Verteilen der Erträge funktioniert heute einwandfrei, ein Moment auf den wir hart hingearbeitet haben.”

Eine Währung, aber zwei Smart Contracts

Was einigen Usern Schwierigkeiten bereitet sind die verschiedenen Darstellungsformen der Währung von Steemit.

Auf der einen Seite erfüllt die digitale Währung Steem alle klassischen Funktionen wie sie eine Währung bzw. digitale Währung, sprich Bitcoin und Co., bedient. Auf der anderen Seite kann Steem aber auch für zwei verschiedene Arten von Smart Contracts eingesetzt werden, je nach individuellem Nutzen.

Der erste Smart Contract nennt sich Steem Power und zielt auf die Einflussmöglichkeiten eines Individuums in dem Steemit-Netzwerk ab. Steem Power stellt also Stimmpotential bzw. Votingpotential bereit, welches das Stimmgewicht eines einzelnen Teilnehmers auf  Steemit definiert. Umso mehr Steem Power jemand besitzt, umso stärker zählt seine Stimme auf Steemit.

Scott erklärt, dass er darüber einen Mechanismus aufbauen möchte, der den Nutzern eine langfristige Perspektive für das Projekt bietet, während anderen die Möglichkeit geboten wird an einer Spekulation teilzunehmen. Im White Paper wird Steem Power in erster Linie als eine langfristige Investitionen, ähnlich einem Venture Capitalist,  dargestellt.

Auch wenn Nutzer sofort ihr Geld investieren können dauert es einige Zeit bis Erträge auf das eingezahlte Kapital zu erwarten sind. Im Fall von Steem Power wären 104 wöchentliche Auszahlungen nötig, um einen vollständigen Umtausch in die Ausgangswährung Steem durchzuführen.

Der zweite Smart Contract nennt sich Steem Dollars. Dabei handelt es sich um eine Art Schuldverschreibung bzw. Schuldeninstrument, welches dem Kapitalgeber 1 US-Dollar in Form von Steem, an einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft, verspricht.

Die Rückzahlung erfolgt an sieben aufeinanderfolgenden Tagen. Diese Rückzahlungsmodalität soll dazu beitragen die Volatilität zu reduzieren und eine Ausnutzung von Arbitrage-Attacken zu verhindern. Wäre es möglich die Steem Dollars direkt in Steem umzutauschen könnte der Nutzer einen Vorteil durch Ausnutzung der Preisunterschiede generieren. Dies könnte dazu führen, dass die entsprechende Person mehr als den Einen, im Smart Contract vorgesehenen US-Dollar, bekommen würde.

Steem Dollars soll als zuverlässiges Schuldeninstrument dienen, wobei Eigentümer von Steem Dollars nicht an Preissteigerungen von Steem partizipieren. Wenn also während der Umtauschphase der Kurswert von Steem bei einem US-Dollar liegt erhält der Nutzer einen Steem für jeden Steem Dollar. Steigt nun aber der Kurs von Steem auf 2 US-Dollar, so erhält die Person nur 0,5 Steem für jeden Steem Dollar.

Als Ausgleich für die mangelnde Kursanpassung von Steem Dollars erhalten die Eigentümer Zinsen. Entsprechend würde ein Eigentümer von Steem Dollars mit einem Zinssatz von 10 %, in Form von Steem Dollars, entschädigt werden.

Geld verdienen mit Schreiben und Voten

Es gibt zwei Möglichkeiten um auf Steemit Steem zu verdienen.

Die erste Möglichkeit besteht darin einen Blog Post zu schreiben. Erhält der Post Stimmen steigt die Anzahl an Steem, die der Verfasser für sein Blog Post bekommt.

Allerdings entspricht nicht jeder Vote auf der Plattform einem bestimmten Geldbetrag. Stattdessen hängt der Ertrag sowohl von der Anzahl der Stimmen als auch von der Steem Power, hinter den jeweiligen Stimmen, ab. Besitzt z.B. ein Nutzer 1.000 Steem Power und ein anderer 10.000 Steem Power, so ist es verständlich, dass letzterer entsprechend mehr Einfluss auf den Content anderer Nutzer hat.

Dies hat dazu geführt, dass die Autoren sehr darum bemüht sind vor allem die größeren Halter von Steem Power für sich zu gewinnen, um Upvotes zu generieren. Ein Vote von Larimer oder Scott würde den Wert eines Postings auf mehrere 100 US-Dollar anheben, da sehr viele den Post nach verfolgen würden.

Um diese Art des Votings zu unterstützen gibt es Erträge in Form von Steem Power für die Unterstützung von hochwertigen Postings. Wenn ein Post erfolgreich ist erhält man mehr Steem Power als wenn dieser schlecht performt. Dies soll dazu anregen, dass nur für hochwertige Inhalte gestimmt wird.

Des Weiteren ist nicht jeder Vote vom gleichen Account gleich viel wert. Werden viele verschiedene Inhalte gevotet reduziert sich die Stärke bzw. Gewichtung eines jeden Votes in Abhängigkeit zu der Zeit, die zwischen den einzelnen Votes vergeht.

Es gibt zwei verschiedene Arten der Poolerträge. Die ersten Erträge werden nach ungefähr 12 Stunden des Postings übertragen. Diese Erträge sind in US-Dollar gestückelt und werden gleichmäßig auf Steem Power und Steem Dollars aufgeteilt. Die Voter erhalten ihre Erträge ausschließlich in Steem Power. Die zweite Tranche der Poolerträge erfolgt einen Monat später.

Proof-of-Stake

Eine Blockchain ohne ein entsprechendes Sicherheitskonzept hätte keine Chance das Vertrauen der Nutzer zu bekommen.

Steemit erhält seine Sicherheit durch einen delegated Proof-of-Stake-Algorithmus, der zuerst für Larimer’s BitShares Projekt entwickelt wurde und eine Abwandlung vom klassischen Proof-of-Stake Algorithmus darstellt. Bei der klassischen Variante werden die Transaktionen von denen verifiziert, die im Besitz der Währung sind. Umso größer die Anzahl der Personen ist, die über die Währung verfügt, desto sicherer ist das Netzwerk.

In einem delegated Proof-of-Stake System wählt die Gemeinschaft einzelne Personen, so genannte Zeugen, aus. Diese sind dann für die Verifizierung von Transaktionen verantwortlich.

Die einfachste Möglichkeit das Proof-of-Stake System zu verstehen ist sich vorzustellen, dass es sich um eine Demokratie, wie im alten Griechenland, handelt. Das delegated Proof-of-Stake System funktioniert ähnlich wie eine demokratische Republik. Würde man diese Logik auf die Bundesrepublik Deutschland übertragen, so wären die Zeugen vergleichbar mit Bundestagsabgeordneten, die von der Gemeinschaft gewählt werden, um die Sicherheit des Netzwerkes zu gewährleisten.

Dazu sagt Scott:

“Es ist ein bezahltes Amt. Wir reden hier allerdings nicht über Legislaturperioden, sondern über Personen, dessen Aufgabe es ist Blöcke zu produzieren und zu verifizieren.”

Insgesamt gibt es 21 Zeugen, die für jeden einzelnen Block verantwortlich sind. Die ersten 19 werden wie oben beschrieben gewählt. Der 20. Zeuge wird zufällig bzw. willkürlich gewählt. Der 21. Zeuge fungiert als Miner und macht die typische Proof-of-Work Arbeit.

Im Steemit White Paper schreiben die Autoren:

“Dieser Vorgang wurde entwickelt, um die höchstmögliche Zuverlässigkeit zu gewährleisten und gleichzeitig jedem die Möglichkeit zu geben an der Blockproduktion zu partizipieren, auch dann, wenn jemand nicht populär ist bzw. genug Stimmen bekommt.”

Neu, aber schnell wachsend

Nachdem die Marktkapitalisierung ihr Allzeithoch bei 400 Millionen US-Dollar erreicht hat ist sie inzwischen wieder auf 166 Millionen US-Dollar abgekühlt. Trotzdem steht Steem zurzeit auf Platz fünf der größten digitalen Währungen.

Natürlich gibt es einige skeptische Stimmen, dennoch wächst Steemit kontinuierlich und immer mehr Nutzer partizipieren an der neuen Social Media Plattform.

Darüber hinaus bietet Steemit bereits über 50 verschiedene Tools an. So ist es beispielsweise möglich über den Steem Market Güter zu erwerben, zu verkaufen und zu vermieten.

Viellecht hat Steemit eine Nische gefunden, die es Personen ermöglicht Geld mit Schreiben bzw. Postings zu verdienen – wir werden sehen.

BTC-Echo

Englische Originalversion von Jacob Donnelly via CoinDesk

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