Social-Media-Giganten bekommen Blockchain-Konkurrenz

Social-Media-Giganten bekommen Blockchain-Konkurrenz

Content Creators wandern vermehrt zu blockchain-basierten Pendants von Facebook und YouTube ab. Steemit, DTube und LBRY locken mit neuen Bezahlmodellen und neuem Publikum. Durch diese Abwanderung steigt die Qualität und Menge der verfügbaren Beiträge auf den neuen Alternativen. Das macht die Netzwerke für neue Nutzer attraktiver.

Facebook und YouTube sind Schnee von gestern

Steemit ist ein soziales Netzwerk, in dem Nutzer für ihren Content direkt bezahlt werden. Dafür wird die Steemit-eigenen Kryptowährungen Steem-Dollar und Steem-Power genutzt. Wie dieses Netzwerk genau funktioniert, haben wir hier erklärt. Es gibt mittlerweile etwa eine Million Steemit-Accounts. Im Vergleich zu Facebook ist das wenig; 120.000 Neuanmeldungen im März 2018 zeugen allerdings von einem schnellen Wachstum.

Die Blockchain-Plattform DTube orientiert sich an YouTube und ist auf Video-Content ausgelegt. DTube nutzt wie auch Steemit die STEEM-Blockchain. Entsprechend werden Nutzer für ihre Aktivität auch in Steem-Dollars bezahlt. Werbeclips vor den Videos wie bei YouTube gibt es nicht. Ein Beispiel für den DTube-Erfolg ist der YouTuber „Furious Pete“. Seine Videos zum Gewichtheben und Wettessen folgen knapp fünf Millionen Menschen auf YouTube. Ein Teil seiner Videos erscheint dennoch exklusiv auf DTube.

LBRY ist eine Plattform für Filme. Künstler stellen ihre Arbeit direkt der Zielgruppe zur Verfügung. Die Idee hinter LBRY ist, dass Künstler ihre Werke vermarkten können, ohne dabei einer zwischengeschalteten Plattform wie Netflix oder Spotify die Kontrolle über die Bezahlung abzutreten. Auf LBRY sind inzwischen etwa 600.000 Nutzer registriert.

Gründe für den Erfolg der Netzwerke

Steemit, DTube und LBRY haben eines gemeinsam: Sie bieten ihren Nutzern ein faires und transparentes Bezahlmodel. Die große Konkurrenz gerät indes immer häufiger ins Kreuzfeuer der Kritiker, beispielsweise wegen der Verteilung der Werbeeinnahmen durch YouTube. Der Datenskandal um Cambridge Analytica motivierte außerdem viele Nutzer, Facebook zu verlassen. Davon profitieren die Konkurrenten.

Einschätzung

Dass die Mainstream-Plattformen auf den Handel mit Daten ihrer Nutzer verzichten, ist unwahrscheinlich. Steemit und DTube hingegen ermöglichen auch passiven Nutzern ein Einkommen. Denn nicht nur eigener Content, sondern auch Kommentare können von anderen Nutzern mit einem „Upvote“ bezahlt werden. Selbst Mitglieder, die als erste einen später populären Artikel liken (und damit zu dessen Popularität beitragen), bekommen eine Entlohnung. Im Gegensatz zu Facebook und Google verdienen Nutzer Geld für ihre Daten und Aktivität. Dan Novaes, Mitgründer und CEO des Streaming-Dienstes Current, sagt dazu:

„Bis jetzt glaube ich nicht, dass die Menschen realisiert haben, wie wertvoll ihre persönlichen Daten sind. […] Mit der Blockchain haben die Menschen die Möglichkeit, für ihre Zeit, Aufmerksamkeit und Daten bezahlt zu werden. Ihre wertvollen Daten werden nicht länger von wenigen riesigen Konzernen kontrolliert.“

Außerdem spricht für die Social-Media-Dienste auf Blockchain-Basis, dass sie nicht anfällig für Zensur sind. Schlechte Beiträge werden von der Community abgestraft, können aber nicht von der Blockchain entfernt werden. Entsprechend hat auch die Plattform selbst keine Möglichkeit, Beiträge zu löschen. In repressiven politischen Systemen ist das eine Stärke. Bei peinlichen Posts nach ein paar Gläsern Bier kann das allerdings auch nach hinten losgehen. Daher, und das gilt nicht nur für die Blockchain: Erst denken, dann schreiben.

BTC-ECHO

Über Fabian Kaul

Fabian KaulFabian Kaul hat Neuere Deutsche Literatur in Göttingen studiert. Seit März 2018 schreibt er als freier Redakteur für BTC-ECHO. Sein Hauptinteresse gilt den Chancen und Risiken, die sich aus dem Themenkomplex Blockchains und Kryptowährungen für die Gesellschaft ergeben.

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