Eine Woche nach Ende der Übergangs-Deadline der europäischen Krypto-Verordnung MiCA in allen 27 EU-Mitgliedstaaten zeigt sich nach Einschätzung von Patrick Hansen, Senior Director EU Strategy & Policy bei Circle, ein gemischtes, aber insgesamt positives Bild. Laut dem aktuellen ESMA-Zwischenregister gibt es inzwischen 21 zugelassene Emittenten von E-Geld-Token, kurz EMTs. Im März 2026 waren es noch 19.
Auch die Zahl der beteiligten Länder ist gestiegen. Inzwischen kommen die regulierten EMT-Emittenten aus zwölf Staaten. Frankreich führt die Liste mit sechs zugelassenen Anbietern klar an. Dahinter folgen die Niederlande, Malta, Litauen und Luxemburg mit jeweils zwei Emittenten. Deutschland ist mit einem Emittenten vertreten.
Insgesamt wurden laut Hansen bislang 35 EMTs von 21 Emittenten ausgegeben. Der Schwerpunkt liegt klar auf Euro-Stablecoins. 19 der registrierten EMTs sind in Euro denominiert, neun in US-Dollar. Hinzu kommen Stablecoins auf Basis von Pfund, tschechischer Krone, Schweizer Franken, polnischem Złoty, schwedischer Krone und rumänischem Leu. Damit deckt der regulierte MiCA-Stablecoin-Markt inzwischen acht Währungen ab. Im März waren es laut Hansen noch fünf.
Frankreich wird zum Stablecoin-Hub
Für Hansen ist die Entwicklung ein Hinweis darauf, dass MiCA grundsätzlich funktioniert. Mehr regulierte Emittenten, mehr zugelassene Token und eine breitere Länderbasis sprächen für eine zunehmende Umsetzung der Regeln. Besonders Frankreich baut seine Rolle als europäischer Stablecoin-Standort weiter aus. Mit sechs regulierten Emittenten unter Aufsicht der ACPR liegt das Land deutlich vor anderen EU-Mitgliedstaaten. Zuletzt kam laut Hansen CACEIS Bank hinzu.
Trotzdem sieht Hansen weiterhin erheblichen Nachholbedarf. Unter den 50 größten Stablecoins nach Marktkapitalisierung seien demnach bislang nur USDC, USDG und EURC MiCA-konform. Aus seiner Sicht sollte es das Ziel der EU sein, mehr globale Stablecoin-Liquidität in den europäischen Regulierungsrahmen zu bringen, statt sich nur auf neu ausgegebene lokale EMTs zu konzentrieren.
Auffällig bleibt zudem die fehlende Nutzung der ART-Kategorie. Asset-referenced Tokens, also Stablecoins, die etwa durch Körbe aus Währungen, Vermögenswerten oder einzelne Nicht-Währungswerte wie Gold gedeckt sind, spielen im MiCA-Rahmen eine wichtige Rolle. Dennoch gibt es laut Hansen mehr als zwei Jahre nach Inkrafttreten der Stablecoin-Regeln weiterhin keinen einzigen zugelassenen ART. Das deute auf strukturelle Hürden hin, die im Rahmen der kommenden MiCA-Überprüfung adressiert werden müssten.
Deutlich positiver fällt das Bild bei den Krypto-Dienstleistern aus. Inzwischen gebe es mehr als 270 regulierte Crypto-Asset Service Provider, kurz CASPs, unter MiCA. Hansen wertet das als regulatorischen Erfolg und wichtigen Schritt hin zu einem harmonisierten europäischen Krypto-Markt. Die zentrale Frage bleibe nun, wie die EU noch mehr globale Handelsaktivität und Liquidität in diesen Rahmen holen kann.
Während MiCA also für eine Neugestaltung des europäischen Krypto-Markts sorgt, wird der Sektor in Deutschland von der anstehenden Abschaffung der Krypto-Haltefrist dominiert. Jüngst bestätigte Lars Klingbeil, dass Bitcoin und Co. ab 2027 steuerlich wie Kapitaleinkünfte behandelt werden sollen.
