Vor gut zwei Wochen startete Vitalik Buterin ein ungewöhnliches Experiment. “In letzter Zeit wurde behauptet, dass KI-Textanalysen Anonymität im Internet unmöglich machen werden”, schrieb der Ethereum-Mitgründer auf X. Deshalb wolle er “einen Teil meiner eigenen Anonymität opfern, um ein Experiment zu machen”. So begann die Schnitzeljagd. Seine Community forderte er heraus, einen anonym veröffentlichten Ethereum-Beitrag zu finden, den er irgendwann in den vergangenen Jahren unter einem anderen Namen verfasst hatte.
KI erkennt Buterin
Nun steht fest: Das Spiel hat Buterin verloren. Der Unternehmer Franklyn Wang konnte den anonymen Text mithilfe einer KI korrekt dem Ethereum-Mastermind zuordnen. Nach dessen Angaben handelte es sich um eine Überarbeitung des Ethereum Improvement Proposal (EIP) 7503. Um seine Spuren zu verwischen, hatte Buterin den Text zunächst auf Chinesisch geschrieben, dann ins Englische übersetzen lassen und anschließend noch manuell überarbeitet.
Dennoch erkannte die KI seine Handschrift. “Die stilistischen Hinweise, die seine KI erkannt hat, waren meine intellektuellen Gewohnheiten und die Art, wie ich Mathematik und Algorithmen erkläre”, schrieb Buterin. Seine Strategie, lediglich den Schreibstil zu verschleiern, habe daher offenbar nicht ausgereicht.
Eine Gefahr für Anonymität?
Buterins Experiment greift eine Debatte auf, die in der KI-Forschung seit Längerem hochkocht. Moderne Sprachmodelle erkennen Autoren offenbar zunehmend anhand von Wortwahl und bestimmten Argumentationsmustern. Dahinter steht ein ernstzunehmendes Problem: KI-Modelle, die Sprachmuster immer besser erkennen, stellen Anonymität im Internet grundsätzlich infrage.
Welche Rolle künstliche Intelligenz derzeit rund um Ethereum spielt und warum Buterin das Experiment überhaupt gestartet hat, lest ihr hier: Vitalik Buterin fordert die KI heraus – zerbricht Ethereum?
