QuadrigaCX: 650.000 Ether-Token (ETH) aufgespürt, Kraken lobt Belohnung aus

Christopher Klee

von Christopher Klee

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Christopher Klee

Christopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

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Von wegen „Cold Wallet“: Offenbar hat Gerry Cotten, der im Dezember 2018 verstorbene Gründer der Bitcoin-Börse QuadrigaCX, die Einlagen seiner Kunden auf diversen anderen Exchanges verwahrt. Ein Bericht von zerononcense legt nahe, dass Cotten über 600.000 Ether (ETH) an Depot-Accounts der Konkurrenz überwiesen hat.


Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 10. Juli 2019 01:07 Uhr von Andre Winterberg

Kunden der insolventen Bitcoin-Börse QuadrigaCX können neue Hoffnung schöpfen. Wie der Krypto-Blog zerononcense herausgefunden haben will, gibt es eine heiße Spur zu knapp 650.000 ETH-Token, die seit dem Tod des Börsengründers Cotten als verschollen galten. Offenbar hatte dieser, anders als ursprünglich angenommen, die Einlagen seiner Kunden nicht auf einer oder mehreren Cold Wallets gelagert, sondern bei der Konkurrenz verwahrt. Namentlich geht es dabei vor allem um die Bitcoin-Börsen Kraken, Bitfinex und Poloniex. Die Transparenz der Ethereum-Blockchain erlaubte das Nachspüren von größeren Ether-Transaktionen auf Depot- und Hot Wallets, die Gerry Cotten getätigt haben soll.

Eindeutige Spuren

Demnach können folgende Adressen eindeutig QuadrigaCX zugeordnet werden:

  1. 0x0ee4e2d09aec35bdf08083b649033ac0a41aa75e
  2. 0xd72709b353ded6c8068cc78988613587a4cae8de
  3. 0xb6aac3b56ff818496b747ea57fcbe42a9aae6218 (aktuelle Hot Wallet)
  4. 0x027beefcbad782faf69fad12dee97ed894c68549 (ehemalige Hot Wallet)
  5. 0x45cab8d124fce8663581172c614f2ee08d01d48e
  6. 0x696dd748a2edd9692ed93bd592dd2f293483eada
  7. 0x0247bc4e03142079cfa2e3daf500722ed0f9a6b2
  8. 0xd543154fb94528c4fc54b9c27128c2d86c6322be
  9. 0x67fC93fD01A15D9FB02a80D0AE6207fB45625be4
  10. 0xb90a82ec61627885eab72f4253939285ba40c91d
  11. 0x79855af491352646e73bd12d7b92d6c814e71b4c
  12. 0x57b727dc48b5d9261958e0fb9f94fa02dc328bf6

So wanderten etwa tausende ETH von der QuadrigaCX Hot Wallet (3.) auf Depot-Adressen sowie Hot Wallets bei Bitfinex, Poloniex und Kraken. Insgesamt verteilen sich die Ethereum-Token laut zerononcence wie folgt:

  1. Btifinex: 239.240 Ether (über 85 Millionen US-Dollar zum damaligen Zeitpunkt)
  2. Kraken: 84.248 Ether (über 16 Millionen US-Dollar)
  3. Poloniex: 326.220 Ether (über 27 Millionen US-Dollar)

Die 115.000 betroffenen Anleger haben nun Grund zur Hoffnung, zumindest einen Teil ihres Geldes wiederzusehen. Schließlich bedeutet der Umstand, dass Cotten die Kundengelder offenbar nicht auf Cold Wallets, sondern auf anderen Exchanges verwahrte, dass nicht er, sondern die Börsen Zugang zu den Funds gewähren können. Sprich: Die Suche nach den Private Keys eines toten Mannes hat sich anscheinend erübrigt. Der Verdacht, dass es sich bei der Causa QuadrigaCX um einen Inside-Job handelte, erhärtet sich durch die Untersuchungsergebnisse nicht. Ebensowenig deuten sie darauf hin, dass Cottens Witwe in ihrer letzen Eidesstattlichen Erklärung gelogen hat.

Bringschuld der Bitcoin-Börsen

Dafür sind nun die Börsen am Zug. Es ist ihre Aufgabe, den betroffenen Geldern nachzuspüren. Diese befinden sich freilich nicht mehr in den Depot-Accounts. Stattdessen haben sie längst ihren Weg auf die Hot Wallets der jeweiligen Börsen gefunden; ein üblicher Vorgang bei Krypto-Börsen. Da die Exchanges Abhebungsaufträge der Kunden über ihre Hot Wallets abwickeln, sind die Gelder der QuadrigaCX-Kunden nun in alle Himmelsrichtungen verteilt.

Für Hinweise, die zum Auffinden der verlorenen Funds beitragen, hat Kraken-Gründer Jesse Powell nun insgesamt 100.000 US-Dollar Belohnung ausgesetzt.

Dabei treibt den Börsen-Chef vermutlich weniger der Altruismus als der Umstand, dass die Ermittler in der Causa Quadriga sowie die Auditoren von Ernst and Young es sich nicht nehmen lassen werden, entsprechende Forderungen an die Börsen zu richten. Verglichen mit den 16 Millionen US-Dollar, die etwa an Kraken geflossen sein sollen, nimmt sich die von Powell ausgelobte Belohnung dann gar nicht mehr so spendabel aus.

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