Vermögenssicherung Profitiert Bitcoin von den Lieferengpässen bei Gold?

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Gold und Bitcoin

Quelle: Shutterstock

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In der Krise stellt sich mehr denn je die Frage, wie man sein Vermögen schützen kann. Aus Angst vor Inflation flüchten viele Anleger in physisches Gold. Welche Auswirkungen die Lieferengpässe bei Gold auf den Bitcoin-Kurs haben, warum auch manche Stable Coins davon betroffen sind und wieso beide Vermögenswerte gerade in der Corona-Krise in keinem Portfolio fehlen dürfen.

Nachdem der Gold-Kurs genau wie der Bitcoin-Kurs während der Corona-Verkaufspanik heftig Federn lassen musste, konnte dieser in der vergangenen Woche wieder deutlich zulegen. Knapp 9 Prozent Plus verbuchte Gold und stellt damit seine Qualitäten als Krisenmetall unter Beweis. Die Corona-Krise hat die Menschen derart verunsichert, dass sich immer mehr Anleger für die vermeintlich sicherste Form des Gold-Investments entscheiden: die physische Aufbewahrung.

Ausverkauf mit Folgen

So gingen diese Woche viele Bilder von Menschenschlangen in den sozialen Medien umher, die bei bekannten Goldhändlern wie Degussa anstanden, um Barren und Münzen zu erwerben. Dies zeigt, wie gering inzwischen das Vertrauen vieler Anleger in die Finanzinstitutionen und deren Verbriefung sowie Lagerung ist. Trotz der wirtschaftlichen Argumente, kein physisches Gold zu erwerben, kann die Nachfrage kaum noch bedient werden.

Die Lieferengpässe haben inzwischen dazu geführt, dass sich der physische Goldkurs vom elektronischen Goldpreis, dem Spotpreis, entkoppelt hat. Die Marktsituation dürfte sich verschlimmern, da teils auch Goldminen in Südafrika von dem Shutdown betroffen sind und zum Erliegen kommen. Gerade für Gold-Terminkontrakte, bei denen eine physische Lieferung möglich ist, ein extrem gefährliches Szenario. Sollten Käufer von entsprechenden Terminkontrakten die physische Auslieferung verlangen, könnten die Preisverzerrungen für Gold noch weiter zunehmen und die Händler in eine gefährliche Bredouille bringen.

Auch Stable Coins betroffen


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Die Auswirkungen des Goldengpasses betreffen nicht nur bestimmte traditionelle Finanzmarktprodukte. Auch Stable Coins, die den Gold-Kurs verbriefen und eine entsprechende Golddeckung vorgeben, stoßen auf Engpässe .

So hat das Unternehmen Tether Limited Schwierigkeiten für eine ausreichende Golddeckung ihrer Gold-Stable-Coins zu sorgen, da die Lagerstätte in der Schweiz dicht ist beziehungsweise man es nicht mehr schafft, noch Gold aufzutreiben. Die Folge ist, dass eine Ausweitung der Gold Stable Coins vorerst eingestellt werden muss. Ohne neue Gold-Quelle, die eine Deckung weiterer Stable-Coin-Einheiten ermöglicht, kann es keine neuen Tether Gold Coins geben.

Das Traumpaar Bitcoin und Gold

Das digitale Gold Bitcoin könnte im Zuge der Gold-Engpässe profitieren. Schließlich suchen verunsicherte Anleger nach Möglichkeiten, unabhängig von Staaten und Finanzinstituten ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen. Viele, die sich bislang nicht getraut haben oder zu große Vorbehalte gegenüber Bitcoin hatten, könnten nun gezwungen werden, sich mit der digitalen Alternative zu Gold auseinanderzusetzen.

Kein anderer traditioneller Vermögenswert ähnelt Bitcoin so sehr wie Gold. Die Knappheit beider Vermögenswerte machen sie im Zuge expansiver Notenbankpolitik besonders attraktiv. Während Euro und US-Dollar durch Geldmengenausweitung auf eine massive Entwertung zusteuern, können Gold und Bitcoin den Kaufkraftverlust kompensieren. Genau diese Mechanik und die Möglichkeit der autonomen Aufbewahrung, ergo politische Unabhängigkeit, sprechen für kurz- wie langfristige Ausweichbewegungen zu Gunsten von Bitcoin.

Die nächsten Monate

War es 2007 Gold, das nach einem kurzzeitigen Einbruch zu einer lang andauernden Rallye ansetzen konnte, dürfte es bei dem jetzigen Crash auch Bitcoin sein, der als antizyklisches Asset von der Krise profitiert. Es wäre allerdings falsch, Gold und Bitcoin eine unmittelbare Korrelation zu unterstellen. In der Vergangenheit war das Verhalten der Assets teils sehr unterschiedlich. Zumal es viele unterschiedliche Einflussfaktoren gibt. Während beispielsweise bei Bitcoin das Halving eine Rolle spielt, das Angebot der Miner oder die „Stable-Coin-Notenbank Tether, spielen bei Gold andere Faktoren in den Kurs mit hinein.

Anleger sollten daher vor allem die langfristige Wertspeicherfunktion beider Assets im Auge haben. Anstatt zu versuchent bestimmte Korrelationen zwischen Gold und Bitcoin hinein zu interpretieren. Die Frage, ob Bitcoin oder Gold, stellt sich nicht. Beide Assets gehören mehr denn je in jedes Portfolio, gerade von konservativen Anlegern. Die kommende Verschuldung und Geldmengenausweitung durch Corona zählt zu den stärksten fundamentalen Argumenten für Gold und Bitcoin.

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