DarkNet, „Paranoia und Depressionen“: Ein DarkNet-Händler packt aus

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„Paranoia und Depressionen“: Ein DarkNet-Händler packt aus

Bitcoin als Schattenwährung: Die Kryptowährung wurde in der Vergangenheit immer wieder auf Online-Schwarzmärkten im DarkNet verwendet. Nun meldet sich ein ehemaliger Händler zu Wort.

Bitcoin, eine Schattenwährung

Mit der Verwendung als Bezahlmöglichkeiten in DarkNet-Schwarzmärkten wie der Silk Road brachten es Bitcoin und andere Kryptowährungen in der Vergangenheit immer wieder zu fragwürdiger Berühmtheit. Den Ruf als Schwarzmarkt-Währung konnte Bitcoin nach wie vor nicht ablegen, wie zuletzt etwa der Bitcoin-Bericht in einer chinesischen Lokalzeitung zeigte.

Dass die Kryptowährung aufgrund der Transparenz der Blockchain für Aktionen, die im Verborgenen stattfinden sollen, jedoch weniger gut geeignet ist, fällt dabei oft unter den Tisch.  So konnten etwa US-Behörden im Oktober diesen Jahres den nach Volumen bislang größten Ring für Kinderpornorgraphie nur sprengen, weil sie Bitcoin-Zahlungen auf der Blockchain nachverfolgen konnten.

Undercover-Aktion: Ermittler nahmen 35 Händler fest

Diese Transparenz wurde Kriminellen nicht zum ersten Mal zum Verhängnis. So verkündete das Justizministerium der Vereinigten Staaten am 26. Juni 2018 in einer Pressemitteilung einen gelungenen Schlag gegen einen DarkNet-Schwarzmarkt. Dabei gelang es den Behörden, insgesamt 35 Individuen festzunehmen, die Waffen und Drogen im Internet verkauft hatten und sich dafür in Bitcoin und anderen Kryptowährungen bezahlen hatten lassen. Die Behörden hatten dabei laut Mitteilung über 23 Millionen US-Dollar sowie Drogen und Waffen sichergestellt.


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Bei der ersten „nationalen Undercover-Aktion, die auf Verkäufer von illegalen Waren im DarkNet“ abzielten, hatten US-Behörden demnach ein Jahr lang zusammengearbeitet, um die Schuldigen zu Fall zu bringen. Spezial-Agenten von Homeland Security traten dabei als Geldwäscher auf und konnten durch den gezielten Tausch von Kryptowährungen in US-Dollar 35 Schwarzmarkt-Händler festsetzen.

Massenweise Illegales

Dabei konfiszierten die Behörden folgende illegalen Waren:

  • Illegale Betäubungsmittel (333 Flaschen Synthetische Opioide, 100.000 Tramadol-Pillen, 100 Gramm Fentanyl, über 24 Kilogramm Xanax, sowie Oxycodon, MDMA, Kokmain, LSD, Marijuana sowie psychedelische Pilze und Pillenpressen
  • Über 100 Feuerwaffen, darunter Pistolen, Scharfschützengewehre und einen Granatwerfer
  • Fünf Fahrzeuge, die durch illegale Aktivitäten bezahlt wurden
  • über 3,6 Millionen US-Dollar in Bargeld und Goldbarren
  • An die 2.000 Bitcoin und andere Kryptowährungen im (damaligen) Gesamtwert von über 20 Millionen US-Dollar
  • Bitcoin Mining Equipment, Computer Equipment und Vakuumier-Geräte.

In einem – inzwischen verifizierten – Reddit-Ask-me-Anything meldet sich einer der Schwarzmarkt-Händler nun unter dem Namen Kick8ack zu Wort.

Bitcoin gegen Bargeld – ein schlechter Tausch für „Kick8ack“

Kick8ack zählt sich zu den Krypto-Pionieren. Auf die Frage, ob er zuerst mit Kryptowährungen oder dem DarkNet involviert gewesen sei, antwortet er:

Das war irgendwie zur gleichen Zeit. Ich war schon dabei, als Bitcoin bei 100-200 Bucks [US-Dollar] war.

Ferner sei sein Krypto-Enthusiasmus nach wie vor ungeschlagen. Er würde „niemals aufhören, in Krypto involviert zu sein“, plane allerdings nicht, weitere illegale Krypto-Aktivitäten zu verfolgen. Auf die Frage hin, was er mit seinen erwirtschafteten Bitcoin getan habe, antwortet Kick8ack:

Ich habe [sie] zu nem Typen im Dark Web gesendet, der Bargeld hatte. Er schickte es mir dann per Post. Bei ihm konnte man bis zu 300.000 [US-Dollar] auf einmal auscashen. Ich war aber auch in ICOs [Initial Coin Offerings] involviert.

Letztendlich habe ihm genau dieses „Auscashen“ und der Bargeld-Versand per Post das Genick gebrochen. So bestätigte er an anderer Stelle, dass er auch die Verbindung zur analogen Welt, sprich Versandadresse ,als große Schwachstelle in seinem System sieht. Letzten Endes sei er an schlechten Sicherheitsmaßnahmen gescheitert – ein DarkNet-Geldwäscher habe mehrere seiner Adressen verraten.

Kick8back und die „Low-Level-Substanzen“

Nach seiner Festnahme habe sich Kick8ack jedoch kooperativ gezeigt. Da er den Zugang zu seinen Bitcoin in Form der Private Keys verraten habe, so seine Vermutung, habe er schlimmere Strafen vermeiden können, so musste er „nur“ 24 Monate absitzen. Außerdem habe er „weniger starke Substanzen“ verkauft, wodurch seine Strafe im Vergleich zu anderen DarkNet-Verkäufern geringer ausgefallen sei:

Ich habe mit Low-Level-Substanzen gehandelt. Ich habe auch genug davon zugegeben. Das FBI kann tun, was immer es will. Sie [können dich] mit allem belasten, was sie wollen. Sie machen die Regeln.

Dabei habe er die Substanzen – Beruhigungsmittel („Xanax“) und Steroide – selbst aus China importiert und dann weiterverkauft. Die Behörden haben dann offenbar die Transparenz der Blockchain genutzt, um die Zahlungsströme beziehungsweise Bitcoin-Bewegungen nachzuvollziehen.

Auf die Frage hin, warum er Bitcoin und nicht privatere Optionen wie etwa Monero (XMR) verwendet hatte, antwortete Kick8ack lediglich:

Bitcoin war zu diesem Zeitpunkt die wichtigste Option. Ich denke, sie ist es immer noch.

Paranoia, Ängstlichkeit und Depressionen

Da die Behörden Kick8ack jedoch über einen langen Zeitraum überwacht hatten, hat er laut eigenen Angaben keinen Sinn darin gesehen, seine Taten zu leugnen. Schließlich habe der DarkNet-Händler alles gestanden:

Ich litt schon unter Paranoia, Ängstlichkeit und Depressionen, bevor sie [die Behörden] überhaupt nach all den Jahren des Über-die-Schulter-Schauens kamen, das spielt immer eine Rolle für dich. Sie hatten um einiges mehr gegen mich in der Hand, als sie mir zeigten […]. Ich wusste, ich bin erledigt.

Letzten Endes, so Kick8back, sei der Tradeoff zwischen Geld und geistiger Gesundheit es nicht wert gewesen. Wie er im Reddit-AMA wiederholt betont, will er sich künftig legaleren Dingen widmen. Dennoch blicke er optimistisch in die Zukunft. Auf die Frage hin, ob Bitcoin neue Höchsthöhen erreichen würde, antwortete er:

Tolle Frage. JA, ich weiß, dass er es wird!

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