Oraclize: digitale Staatsbürgerschaft & Ethereum-Wallet

Businesswoman pressing  scan bar code high technology.

Ein Land im Baltikum mit knapp 1,3 Millionen Einwohnern besitzt die modernste Verwaltungstechnik der Welt. Es geht um Estland und sein ambitioniertes e-Residency-Projekt. Die e-Residency ist für jeden Bürger weltweit verfügbar – und wird jetzt sogar mit Ethereum-Technologie aufgewertet.



e-Residency

Der Wert einer Identität dürfte nie so groß gewesen sein wie in unserer heutigen Zeit. In Zeiten von Flüchtlingskrisen und Abhörmaßnahmen durch Nachrichtendienste wird einem schnell klar, dass der Umgang mit der eigenen Identität alle Bereiche des Lebens umfasst.

Das e-Residency-Projekt der Estnischen Republik verbindet eine Smart Card mit der eigenen Identität: Eine verschlüsselte Karte (unten zu sehen) ermöglicht zunächst die Absicherung der eigenen Identität durch die Erlangung einer sogenannten digitalen Identität. Mit dieser digitalen Identität kann man nun u.a. weltweit online ein Unternehmen gründen. Gleichzeitig werden vertraute Dienste an die Plattform gebunden, sodass man beispielsweise PayPal (und viele andere Dienste) direkt mit seinem neuen Unternehmen verknüpfen kann.

Hinter der e-Residency steht Estlands moderne Verwaltungs-Infrastruktur. Das Hin- und Hersenden geschieht nicht wie hier in Deutschland über den Postweg – es funktioniert alles elektronisch durch Blockchain-Technologie. Kein Papierkram, keine übertriebene Bürokratie.

e-ID

Das britische Startup Oraclize hat angekündigt, dass es sein sogenanntes e-ID-Projekt auf den Markt gebracht hat. Oraclize arbeitet an der Verbindung von Smart Contracts auf Ethereum und Daten des Internets. So konnte „Max Mustermann“ bisher seine Identität und sein Unternehmen auf der Smart Card abspeichern, doch jetzt kann er zusätzlich auch eine Ethereum-Adresse mit seiner digitalen Identität verbinden.

So kann man in Zukunft einer bestimmten Person Ether, oder andere Tokens auf Ethereum-basis, schicken, indem man nur den Namen auf der e-ID kennt.

Ein Verlust der Karte ist kein Weltuntergang: die Daten sind auf der Blockchain abgespeichert, eine neue Karte kann von der estnischen Regierung ausgestellt werden.

Unterdessen wurde dieses Projekt mehrfach ausgezeichnet und erhielt ein Preisgeld der Wanxian Blockchain Labs. Dieses Projekt könnte die Identitätshoheit von Regierungen auf Individuen übertragen. Kryptographie würde die Daten beschützen, Blockchain würde den Zugriff vor autoritären Staatsorganen schützen.

Nach diesem Meilenstein wird der nächste Fokus von Oraclize auf der Privatsphäre der Applikation liegen. Die „digitale Nation“ zählt bereits 20031 Bürger aus 138 verschiedenen Ländern. 3070 Unternehmen wurden schon von den digitalen Bürgern gegründet. Weitere Informationen finden sich hier (bisher nur auf englisch).

BTC-ECHO

Über Danny de Boer

Danny de BoerAls Informatiker schaut Danny de Boer kritisch auf die Blockchain-Entwicklung und Kryptographie. Zwischen Komplexität und Hype erklärt er allgemeinverständlich und anwendungsbezogen. Seit 2014 berichtet er für BTC-ECHO aus der Krypto-Szene.

Bildquellen

  • Businesswoman pressing scan bar code high technology.: © jayzynism - Fotolia.com

Ähnliche Artikel

Ethereum (ETH) – Kursanalyse KW21 – Bruch des Handles

Seit dem 16. Mai hat sich der Kurs lediglich seitwärts bewegt, bis er dann bei einem Wert von 600 Euro am 21. Mai in einen Abwärtstrend kam. Damit zeigt Ethereum einen ähnlichen Verlauf wie alle anderen Kryptowährungen. Das Cup-and-Handle-Pattern aus der vergangenen Kursanalyse wurde negativ durchbrochen. Zusammenfassung Der Ethereum-Kurs ist in dieser Woche gefallen. Ab dem 21. […]

BTC-ECHO Wochenrückblick KW 21/18

In der 21. Kalenderwoche des Jahres 2018 nahmen die Kurse der Kryptowährungen wieder einmal etwas ab. Alle Kursentwicklungen findet ihr im Preisindex.  8. Bitcoin Pizza Day Doch während die Kurse in keiner guten Stimmung waren, feierte die Bitcoin-Community den 8. Jahrestag des ersten Kaufs mit Bitcoin: Am 22. Mai 2010 hatte Laszlo Hanyec für 10.000 BTC […]

Preismanipulation bei Bitcoin? USA beginnt Ermittlungen

Das Justizministerium der Vereinigten Staaten hat ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannte eingeleitet. Demnach wolle man eine mögliche Preismanipulation beim Bitcoin-Trading untersuchen. Die Praktiken, die hinter den Bewegungen im Bitcoin-Kurs vermutet werden, nennen sich Spoofing und Washing. Da stimmt doch was nicht!? Wenn man sich den Verlauf des Bitcoin-Kurses und von anderen Kryptowährungen teilweise anschaut, liegt es […]

Revolut hat jetzt auch Ripple und Bitcoin Cash im Sortiment

Der britische Zahlungsdienstleister Revolut hat kürzlich die Kryptowährungen XRP (Ripple) und Bitcoin Cash hinzugefügt. Damit stellt sich die Bankenalternative im Kryptobereich breiter auf. Eben erst hatte das Start-up eine Series-C-Runde von Investments beendet, die insgesamt 250 Millionen US-Dollar in die Kassen spülte. Das Fintech-Start-up mit Sitz in London bietet seit einiger Zeit verschiedene Zahlungsdienstleistungen an. […]