Interview: Daud Zulfacar “Wir sind im Hinblick auf NFT in einer absoluten Blase”
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Daud Zulfacar

Quelle: license.rocks, Daud Zulfacar

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Das Start-up license.rocks konnte bereits mehrere Wettbewerbe, wie unter anderem den Berliner Deep Tech Award 2020, für sich entscheiden. Das Blockchain-Start-up hat sich auf das Themenfeld der Lizenzierung konzentriert. Mit der Handelbarmachung von Software-Lizenzen sind sie gestartet, um sich nun seit einiger Zeit auf das Lizenzmanagement von Non-fungible Token (NFT) zu konzentrieren. Wie nachhaltig der NFT-Hype ist, warum insbesondere Musiker von NFT profitieren können und wieso die Ethereum Blockchain nicht die erste Wahl sein muss, wenn es um die Erstellung von NFT geht.

Dieses Interview erschien zunächst in der Juni-Ausgabe des Kryptokompass, dem Magazin für alles rund ums Thema Blockchain. Ihr wollt mehr darüber erfahren? Dann klickt auf diesen Button:


BTC-ECHO: Ihr seid mit dem Handel von Softwarelizenzen gestartet und bietet nun Whitelabel-Lösungen zur NFT-Erstellung an. Kannst du uns kurz erläutern, wie es dazu kam und worum es dabei konkret geht?

Daud Zulfacar: Unsere Vision war immer, Nutzungsrechte für jedwede digitalen Güter anzubieten. Im Zuge der Corona-Krise haben wir das Modell aber überdacht. Uns ist klar geworden, dass unsere erste Lösung nicht für jedes digitale Gut geeignet ist. Wir haben uns auf eine komplett neue ganze Produkt Suite rund um das Thema NFT konzentriert. Dabei haben wir ganz viele verschiedene Interviews gemacht und dabei festgestellt, dass die Bereiche Musik und Kunst am spannendsten sind im NFT-Bereich.

BTC-ECHO: Hand aufs Herz: Befinden wir uns nicht in einer NFT-Blase, bei der zahlreiche digitale Kunstwerke zu viel zu hohen Preisen gehandelt werden?

Daud Zulfacar: Wir sind im Hinblick auf NFT in einer absoluten Blase. Das Problem ist, NFT sind kein regulierter Markt und man kann relativ einfach Preise nach oben treiben. Solange es Käufer gibt, die in den Glauben sind, dass sie jemanden finden, der ihr NFT für einen höheren Preis kaufen wird, werden die Preise steigen.

Die Rechtslage von NFT

BTC-ECHO: Ihr seid Lizenz-Spezialisten: Wie ist es denn um die Rechtslage von NFT bestellt? Wie sicher kann ich mir als NFT-Besitzer oder Käufer sein, dass meine Eigentumsrechte gewahrt bleiben?

Daud Zulfacar: Urheberrechte beispielsweise können nicht übertragen werden. Einzig Nutzungsrechte, die auch genau festgelegt werden müssen, können erworben werden. Bei fast allen NFT steht diesbezüglich aber überhaupt nichts dabei. Da kann man davon ausgehen, dass es sich dabei nur um ein privates Nutzungsrecht handelt. Man muss aber dazusagen, dass ein Großteil der NFT im Musikbereich auch nur im privaten Bereich agieren. Schließlich sind die finalen legalen Rahmenbedingungen noch nicht abschließend geklärt. Wir bereiten aber alles immer so auf, sodass was legal möglich ist, umgesetzt wird und versuchen alles, um bestens auf die rechtliche Zukunft vorbereitet zu sein.

BTC-ECHO: Auf eurer Homepage sprecht ihr von “License as a Token”. Kannst du das bitte einmal erläutern?

Daud Zulfacar: Wir fahren dahingehend verschiedene Ansätze: So eine Lizenz besteht aus einer technischen, einer kommerziellen und einer rechtlichen Komponente. Im digitalen Zeitalter sollte das doch alles irgendwie zusammengefasst werden können und dafür ist ein NFT für uns das optimale Medium. Beim technischen Bereich kann man sich das als Access Token vorstellen. Beim legalen Bereich geht es darum, den ein oder anderen Vertrag an den Token anzuhängen. Im kommerziellen Bereich geht es um Payments – genauer gesagt um Micro Payments, die mit Kryptowährungen gut funktionieren.


Die Use Cases von NFT

BTC-ECHO: Was ist für dich der größte Use Case von NFT?

Daud Zulfacar: NFT sind Repräsentanzen von allen möglichen Produkten, die einmalig sind. Daher gibt es unzählige Use Cases. Selbst für besondere Bauteile, etwa für Maschinen, wo später eine Nachvollziehbarkeit des Produktionsweges gegeben sein muss, ist ein möglicher Anwendungsfall für NFT. Ansonsten liegen die Use Cases natürlich vor allem im Urheberrecht. Stichwort: Creator Economy. Hier wären NFT perfekt, um etwa Solo-Selbstständigen eine neue Möglichkeit der Einkommensgenerierung an die Hand zu geben.

BTC-ECHO: Zusammen mit der Musik-Agentur Roba habt ihr das neue Album von den Rappern Kay One und Stad Ova als NFT tokenisiert. Worum ging es da, welchen Nutzen bringt mir die NFT-Aktion?

Daud Zulfacar: Wer den NFT kauft, erwirbt mehr als das Musikstück. So erhält der Käufer eine Möglichkeit, mit dem Künstler selbst zu interagieren. Das heißt, Kay One hat unter anderem etwa ein Barbecue angeboten für einen der NFT-Käufer, der bis zum 30. Mai gekauft hat. Der Gewinner wird dann mittels Los bestimmt. NFTs sollten idealerweisen auch einen Mehrwert bieten, der sonst nicht frei verkäuflich auf dem Markt zu haben ist. Das kann ein Backstage-Pass sein oder die Teilnahme an einem Musikvideo.

Ethereum als Grundlage von NFT

BTC-ECHO: Wie beurteilst du die Ethereum Blockchain als Grundlage für NFT Token beziehungsweise was hältst du von Alternativen wie die Flow Blockchain von Dapper Labs?

Daud Zulfacar: Flow, Tezos und Algorand bieten auch NFT an. Das liegt aber vor allem daran, dass wir uns aktuell in einer Hype-Phase befinden. Allerdings haben NFT auf Ethereum die längste Tradition. Spätestens seit 2017 beobachten wir den Krypto-Art-Collectible-Bereich, die maßgeblich zum aktuellen NFT Hype beigetragen haben – diese Bewegung kam aus der Ethereum-Ecke. Zudem hat Ethereum die Community und das nötige Ökosystem, um seine Marktstellung in Sachen NFT auszubauen.

BTC-ECHO: Wo soll die Reise bei euch in nächster Zeit noch hingehen?

Daud Zulfacar: Mein Wunsch ist, dass wir immer mehr wachsen und Erfahrung mitnehmen. Am Ende sollte eine Art Nischen-Community für license.rocks entstehen. Zudem würde ich mir wünschen, dass wir unsere Software vollständig Open Source gestalten, sodass sich alle beteiligen können. Dazu braucht man allerdings ein wirklich gutes Token Engineering, soweit sind wir leider noch nicht.



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