Ethereum Upgrade Warum Ethereum dank EIP-1559 wertvoller werden könnte als Bitcoin
Leon Waidmann

von Leon Waidmann

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Ethereum

Quelle: Shutterstock

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EIP-1559 wird Ethereum grundlegend verändern.

Aber was genau steckt eigentlich hinter dem Upgrade und warum könnte Ethereum zu einer deflationären und potenziell wertvolleren Kryptowährung als Bitcoin werden?

Was ist ein EIP?

EIP steht für Ethereum Improvement Proposal. Da Ethereum ein Open-Source-Programm ist, kann jeder einen Verbesserungsvorschlag über GitHub einreichen. Aber damit der neue Code auch auf dem ETH Mainnet integriert wird, muss er zunächst einen Genehmigungsprozess durchlaufen. Zudem müssen die Ethereum-Kernentwickler, die das GitHub von Ethereum verwalten, den Verbesserungsvorschlag am Ende des Prozesses bestätigen.


Man kann sich die Verabschiedung eines EIPs daher wie die Verabschiedung eines Gesetzes durch ein Parlament oder einen Kongress vorstellen. Ein EIP ist erst implementierbar, wenn es einen bestimmten Genehmigungsprozess durchlaufen hat. Zunächst muss jemand einen EIP vorschlagen, dann muss dieser von Entwicklern genehmigt werden und schließlich muss der Vorschlag getestet werden, bevor er vollständig auf dem Mainnet implementiert wird.

Warum ist EIP-1559 so besonders?

Der EIP-1559 unterscheidet sich von allen bisherigen EIPs von Ethereum. Das Upgrade will nämlich nicht nur das Problem der hohen Transaktionskosten verringern, sondern auch die Geldpolitik von Ethereum grundlegend verändern. Ethereum könnte durch das Upgrade sogar ein knapperes Gut werden als Bitcoin. Darüber hinaus hoffen vor allem Kleinanleger, dass der EIP-1559 die in den letzten Monaten extrem stark gestiegenen ETH-Transaktionskosten senkt.

Ethereum Network Transaction Fee Chart
Quelle: Etherscan.io

Die Grafik von Etherscan zeigt, dass sich die Ethereum-Transaktionskosten seit geraumer Zeit auf einem äußerst hohen Niveau eingependelt haben. Wale können sich die hohen Transaktionskosten zwar immer noch leisten, aber für einen Großteil der Nutzer ist Ethereum derzeit nicht verwendbar.

Aus diesem Grund setzen derzeit viele Investoren auf Smart-Contract-Plattformen wie Cardano (ADA), Polkadot (DOT) oder die Binance Smart Chain (BSC). Vor allem die BSC konnte in den vergangenen Monaten einen beachtlichen Teil des Kapitals und der Nutzer des Ethereum Decentralized Finance (DeFi) Space für sich gewinnen. Mittlerweile übertrifft der Umsatz einiger Decentralized-Finance (DeFi)-Projekte auf der BSC sogar jenes vieler großer Ethereum-DeFi-Projekte.

Jede dieser Ethereum-Alternativen führt dazu, dass Nutzer von Ethereum abwandern. Zwar erwarten viele, dass das Ethereum 2.0 Upgrade dieses Problem löst, aber derzeit ist noch nicht klar, wann genau das der Fall sein wird.

Einige Experten glauben, dass es noch mehrere Jahre dauern wird, bis ETH 2.0 vollständig implementiert ist. Aus diesem Grund braucht die Ethereum-Community so schnell wie möglich eine Zwischenlösung, und genau dabei soll der EIP-1559 helfen.

Wie kommt der Preis von Ethereum-Transaktionen derzeit zustande?

Bisher werden Transaktionen auf Ethereum mit dem sogenannten “First-Price-Auktion-Mechanismus” durchgeführt. Bei diesem Mechanismus überbieten Nutzer sich gegenseitig, damit Miner ihre Transaktion in den nächsten Block aufnehmen.

Die kompetitive Natur dieses Mechanismus führt dazu, dass die Ethereum-Transaktionskosten in die Höhe getrieben werden. Gleichzeitig bewirkt er, dass Einige am Ende oft unnötigerweise mehr bezahlen müssen als anderen, obwohl sich die Transaktionen im selben Block befinden. Daher ist dieser Mechanismus alles andere als fair oder effizient.

Das änder sich mit dem EIP-1559

Der EIP-1559 wird nicht alle Probleme des Ethereum-Netzwerks lösen können, aber er wird ein Anfang sein. Indem der EIP-1559 eine Basisgebühr einführt, lässt sich der Marktpreis für Transaktionen pro Transaktionsblock festlegen und Blockweise anpassen (je nachdem, wie voll einzelne Ethereum-Transaktionsblöcke sind). Wenn also die Mehrheit der Blöcke zu über 50 Prozent gefüllt sind, steigen die Transaktionskosten und wenn sie weniger als 50 Prozent gefüllt sind, sinken sie.

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Aus diesem Grund kann die Basisgebühr zwischen dem Zeitpunkt, an dem ein Nutzer eine Transaktion sendet und dem Zeitpunkt, an dem ein Miner sie in einen Block aufnimmt, schwanken. Um dem entgegenzuwirken, können Nutzer einen Maximalbetrag (Fee Cap) festlegen. Diese entspricht dem Höchstbetrag, den ein Nutzer bereits ist für eine Transaktion zu zahlen.

Nach der Aufnahme in einen Transaktionsblock erhält man dann die Differenz zwischen der endgültigen Basisgebühr und dem festgelegten Maximalbetrag zurück. Wallets können diesen Wert standardmäßig einstellen, sodass man diesen nicht jedes Mal manuell einstellen muss. Der Vorteil davon ist, dass Nutzer nicht mehr raten müssen, welche Transaktionskosten sie wählen müssen.

Durch diese neuen Mechanismen sind ETH-Transaktionen effektiver, da die eingebaute Flexibilität für mehr Transaktionskapazitäten sorgt.

Screenshot MetaMask

Darüber hinaus führt der EIP-1559 eine neue Option ein, die es möglich macht, dass man Minern ein Trinkgeld geben kann. Dieses Trinkgeld soll Miner motivieren, damit sie Transaktionen schneller ausführen.

EIP-1559: “Ein Segen für Ethereum-Hodler”

Der EIP-1559 hat gravierende Auswirkungen auf die Geldpolitik von Ethereum. ETH könnte durch das Upgrade zu einer der knappsten Kryptowährungen des gesamten Marktes werden. Das liegt daran, dass die gesamte Basisgebühr, also die Gebühr, die jeder für das Ausführen von Transaktionen auf Ethereum bezahlen muss, dauerhaft verschwindet.

Aufgrund dessen, dass diese Gebühr in ETH bezahlt wird, wird mehr ETH verbrannt, wenn mehr Transaktionen stattfinden. Daher besteht die Möglichkeit, dass die Gebührenverbrennungen einer zukünftigen Inflation des ETH-Angebots massiv entgegenwirkt.

Einige Beiträge aus der ETH Community gehen sogar davon aus, dass Ethereum durch den EIP-1559 langfristig zu einem deflationären Vermögenswert werden könnte, wenn das ETH-Transaktionsvolumen weiter ansteigt.

In einer neuen Podcastfolge von Uncommon Core entwerfen die drei Krypto-Experten Hasu, CryptoCobain und Zhu Su, CEO und Gründer des Investmentunternehmens Three Arrows Capital, sogar ein Szenario, in dem der EIP-1559 Ethereum dabei helfen könnte, Bitcoin in den nächsten Jahren zu überholen.

Die Experten halten es für möglich, dass Ethereum durch den EIP-1559 zu einer deflationären Kryptowährung wird, die sich einer stark wachsenden ETH-Nachfrage entgegenstellt. Der Grund für diese Annahme basiert darauf, dass DeFi-Anwendungen und NFT auf Ethereum in den nächsten Jahren massiv wachsen könnten. Das wiederum würde dazu führen, dass es zu einer erhöhten Nachfrage nach ETH kommt. Darüber hinaus halten sie es für möglich, dass sich Ethereum aufgrund seiner deflationären Eigenschaft zu einem “Safe Haven Asset” entwickeln könnte, dass Bitcoin den Rang abläuft.

Ethereum HODL?
Quelle: Shutterstock

Wenn es nach den drei Krypto-Experten geht, dann sollte man Ethereum auf jeden Fall hodln. Trotzdem sollte man bedenken, dass der EIP-1559 nicht das Allheilmittel für alle Probleme ist, die das Ethereum-Netzwerk hat. Obwohl das Upgrade enorme Verbesserungen mit sich bringt, ist schon jetzt klar, dass das Skalierungsproblem von Ethereum dadurch noch nicht vollständig gelöst werden kann.


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