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Tonträger lassen grüßen  Token-Ökonomie: Warum die Entmaterialisierung unaufhaltsam ist

Die Entmaterialisierung hat schon einige Branchen erfasst. Was unseren Schallplatten und CDs widerfahren ist, geschieht nun mit unseren Geldscheinen, Wertpapierurkunden und Identitätsdokumenten. Warum der Siegeszug der Token nicht zu stoppen ist. Ein Auszug aus dem Buch: Geld – Die nächsten 10 Jahre.

Sven Wagenknecht
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Beitragsbild: Shutterstock

| Mithilfe von Token können wir immer öfter physische Limitationen überkommen

Die Wertschöpfung in der Musikindustrie war in den letzten Jahrzehnten mit dem Wechsel der Tonträgermedien beständigen Veränderungen unterworfen. Der Wechsel von der Schallplatte zur CD funktionierte noch recht simpel. So war die CD in der Lage, deutlich platzsparender mehr Musikdateien abzuspeichern. Ein effizienteres Trägermedium löste also ein weniger effizientes ab. Wirklich spannend wurde es allerdings, als man eine Entmaterialisierung von Tonträgern durchführte. Mithilfe bestimmter Hardware wie MP3-Playern oder Computersystemen war man in der Lage, ganz ohne physisches Trägermedium Musik zu speichern, abzuspielen und über das Internet zu versenden.

Die Wertschöpfung hatte sich von physischen Limitationen entkoppelt. Die Kosten, einen Song zu vervielfältigen und um die Welt zu senden, tendierten plötzlich gegen null. Inzwischen befinden sich unsere entmaterialisierten Musikdateien nicht mal mehr auf unserer Festplatte, sondern immer häufiger in der Cloud bei Streamingdiensten wie Spotify. Musik kann damit beliebig in sämtliche digitale Infrastrukturen eingebettet beziehungsweise programmiert werden.

Entmaterialisierung durch Token

Die skizzierte Wandlung des Tonträgers im Laufe der Jahre lässt sich in vielerlei Hinsicht auch auf das Medium Token anwenden. Token fungieren als digitale Platzhalter innerhalb einer Datenbank oder einer Blockchain. Anstelle von Tonträgern geht es bei Token aber um Werteträger, die entsprechende Eigentumsansprüche und Rechte verbriefen. Äquivalent zu Schallplatten und CDs stellen urkundliche Wertpapierverbriefungen und elektronisches Buchgeld ein Beispiel für die Disruption durch das neue Medium Token dar. Die Aufbewahrung und Transferierung von Werten beziehungsweise Vermögen kann durch das Internet of Value und Token weiter automatisiert werden.

In der Folge stellt sich also die Frage: Wo benötigt man noch Bankmitarbeiterinnen und Bankmitarbeiter und was kann kluge Software, kombiniert mit einer vertragsrechtlich sicheren Infrastruktur, deutlich besser? So sieht der Job-Futuromat – ein Kooperationsprojekt der Bundesagentur für Arbeit und der ARD – für den Beruf des Bankkaufmannes schwarz. Die Digitalisierbarkeit beziffert man auf 88 Prozent – sieben von acht Tätigkeiten stuft man als substituierbar ein. Ebenjener Automatisierungsprozess wird allerdings stark durch die teils veraltete IT-Infrastruktur und regulatorische Auflagen gebremst. Viele Handgriffe muss der Mensch noch manuell durchführen, wenn es um die Verwaltung der Finanzangelegenheiten geht.

Bislang, so scheint es, kann sich das disruptive Potenzial der Digitalisierung nur mühsam im Finanzsektor ausbreiten. Was nützen die klügsten Algorithmen, wenn beispielsweise Kreditverträge, Versicherungen, Euro-Guthaben und Wertpapiere nicht programmierbar sind? Um Prozesse weiter zu automatisieren, müssen auch Vermögenswerte in Programmcode eingebettet und damit smart-contracts-fähig gemacht werden. Dies wird umso wichtiger, wenn es immer seltener die Menschen selbst sind, die Transaktionen ausführen, sondern Maschinen respektive Software. Die drei Eigenschaften Vernetzung, Automatisierung und Autonomie prägen dabei maßgeblich unsere zukünftige Wertschöpfung.

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