USDT Stablecoin 

Stunde der Wahrheit: Tether lässt sich von KPMG prüfen

Tether will mit KPMG und PwC mehr Transparenz schaffen. Warum die angekündigte Wirtschaftsprüfung für USDT ein heikler Härtetest wird.

Timur Yildiz
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Zu sehen ist Paolo Ardoino, der CEO von Tether

Beitragsbild: picture alliance

| Tether hat ein umfassendes Audit angekündigt

Tether wagt einen neuen Anlauf in der Transparenzdebatte. Der Herausgeber des Stablecoins USDT soll mit KPMG eine Big-Four-Prüfungsgesellschaft für seine erste vollständige und unabhängige Wirtschaftsprüfung beauftragt haben. Zusätzlich soll PwC die internen Systeme des Unternehmens auf die Prüfung vorbereiten. Tether selbst hatte zwar bereits ein Big-Four-Mandat verkündet, den Namen der Prüfungsgesellschaft in seiner Mitteilung vom 24. März aber offengelassen. Eine Anfrage von BTC-ECHO an Tether blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Tether verspricht mehr als eine weitere Attestierung

Bislang veröffentlichte das Unternehmen vor allem Attestierungen. Diese bestätigen vereinfacht gesagt bestimmte Angaben zu einem Stichtag. Ein vollständiges Audit greift weiter und setzt bei den Finanzberichten selbst an. Für Anleger und Marktteilnehmer ist das ein entscheidender Unterschied, weil so nicht nur einzelne Reserveangaben, sondern das gesamte Finanzbild deutlich tiefer geprüft würde. Tether selbst hatte den Schritt in seiner Mitteilung als historische Zäsur beschrieben und sogar vom “größten Eröffnungsaudit aller Zeiten in der Geschichte der Finanzmärkte” gesprochen.

Beim Zeitrahmen bleibt das Unternehmen vage. Damit steht weiter nicht fest, wann der versprochene Transparenzgewinn tatsächlich schwarz auf weiß vorliegt. Laut Tether wurde das Onboarding bereits vor einigen Wochen abgeschlossen. Zudem hätten die Prüfungsgesellschaften Systeme, interne Kontrollen und die Finanzberichterstattung des Unternehmens begutachtet.

Die Skepsis kommt nicht aus dem Nichts

USDT ist der größte Stablecoin des Marktes und eine zentrale Liquiditätsquelle im Krypto-Handel. Tether selbst verweist auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 184 Milliarden US-Dollar und auf weltweit über 550 Millionen Nutzer. Laut dem jüngsten Quartalsbericht entfiel ein großer Teil der Reserven auf US-Staatsanleihen. Hinzu kamen unter anderem Gold und Bitcoin. Schon deshalb ist Transparenz bei den Reserven mehr als ein Reputationsproblem. Für viele Marktteilnehmer geht es um Vertrauen in einen der wichtigsten Bausteine des gesamten Krypto-Ökosystems.

Tether trägt eine lange Vertrauenshypothek mit sich. Die ältere Kritik aus den USA wirkt bis heute nach. So warf die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft Tether und Bitfinex 2021 vor, Kunden und den Markt über die Deckung von USDT in die Irre geführt zu haben. Die CFTC erklärte im selben Jahr, Tether habe unzutreffende oder irreführende Aussagen zur Dollar-Deckung gemacht. Tether zahlte damals 41 Millionen US-Dollar, ohne die Vorwürfe anzuerkennen. Genau deshalb wird die neue Ankündigung zur Wirtschaftsprüfung nun besonders streng gelesen.

Warum Tether gerade jetzt vorprescht

Der Schritt kommt kaum zufällig. Spätestens seit dem Start der MiCA-Regeln für Stablecoins in der EU und dem GENIUS Act in den USA steht das Geschäft mit Stablecoins regulatorisch deutlich stärker unter Druck. In Europa setzt MiCA auf einheitliche Regeln für Krypto-Assets und erfasst auch Stablecoins über Vorgaben zu Zulassung, Transparenz und Aufsicht. In den USA gilt seit Juli 2025 mit dem GENIUS Act ebenfalls ein neues Stablecoin-Regime. Für Emittenten wächst damit auf beiden Seiten des Atlantiks der Druck, belastbarere Standards zu liefern.

Ganz neu ist das Vorhaben nicht. Mit der Ernennung des neuen CFO Simon McWilliams im März 2025 hatte Tether eine vollständige und unabhängige Wirtschaftsprüfung bereits als Ziel ausgegeben. Circle verweist seit Jahren offensiv auf seinen Prüfer. Auf der eigenen Transparenzseite nennt das Unternehmen Deloitte als unabhängigen Auditor, der die Finanzberichte seit dem Geschäftsjahr 2022 prüft. Tether versucht nun offenkundig, bei genau diesem Vertrauenspunkt aufzuholen.

Hinzu kommt ein finanzieller Treiber. Bei einer Kapitalaufnahme von 15 bis 20 Milliarden US-Dollar zu einer Bewertung von 500 Milliarden US-Dollar soll Tether auf Zurückhaltung potenzieller Investoren gestoßen sein. Als Risiken standen demnach die hohe Bewertung und frühere Konflikte mit Aufsichtsbehörden im Raum. Ein abgeschlossenes Audit könnte Tether also nicht nur regulatorisch helfen, sondern auch bei US-Expansion und Kapitalaufnahme.

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