Der schnelle Aufstieg der Robinhood Chain wirft eine unangenehme Frage auf. Was wird aus Base, der L2 des größten Robinhood-Rivalen Coinbase? Noch vor wenigen Jahren galt das Netzwerk als “Place to be” im Ethereum-Ökosystem. Nun greift der Neo-Broker ausgerechnet das Onchain-Geschäft der größten Krypto-Börse der USA an. In diese heikle Phase fällt der Rückzug von Jesse Pollak, der Base maßgeblich aufgebaut hat. Sein Abgang könnte den L2-Wettlauf neu ordnen. Doch auch Robinhoods Bull Case hat einen Riss.
“Ein Schlag ins Gesicht”
Einsicht ist der erste Weg der Besserung. Sowohl Pollak als auch Coinbase-CEO Brian Armstrong räumen ein, Base auf einen widersprüchlichen Kurs gebracht zu haben. Pollak wollte das Netzwerk zunehmend in eine Social-Trading-Plattform verwandeln. NFTs, Memecoins, von Pollak einst als “Creator Coins” vermarktet, und ein Onchain-Twitter-Klon sollten Base zur Heimat hypeaffiner Retail-Trader machen.
Jetzt zieht man nach einem desaströsen ersten Quartal 2026 den Schlussstrich. Es sei ein “Schlag ins Gesicht” gewesen, so Pollak. “Wir haben es verbockt. Es ist Zeit, das Kapitel zu schließen”, schrieb Armstrong auf X.
Robinhood Chain wächst rasant
Robinhood nutzte die Schwäche. Anfang Juli stellte der Neo-Broker seine L2-Strategie samt umfangreicher Onchain-Produktpalette vor. Innerhalb weniger Tage nahm die Robinhood Chain gemessen am Total Value Locked Kurs auf die Top 10.
Nach Daten von DeFi-Llama zählt die L2 bereits zu den fünf größten Blockchains beim DEX-Volumen. Setzt man das Handelsvolumen ins Verhältnis zum TVL, führt Robinhood sogar das Feld an.
“Baut bitte keine Memecoin-Chain”
Im Hype um die Zahlen geht unter, woher die Aktivität stammt. Auf Robinhoods L2 sollen Nutzer über den dYdX-Ableger Arcus vor allem RWAs handeln. Tatsächlich entfallen knapp 99 Prozent des DEX-Volumens aber auf Uniswap, die bevorzugte Spielwiese für Memecoins.
Der Krypto-Markt bleibt sich also treu. Nach einem öffentlichen Aufruf von CEO Vlad Tenev brach auf der L2 prompt die nächste Memecoin-Saison aus.
Diese “Casino-Flows” treiben Aktivität und Gebühren zwar kurzfristig nach oben, sind mittel- bis langfristig jedoch kaum nachhaltig. Davon können Solana und nun auch Base ein Lied singen. Analysten von Artemis warnen daher vor einer strategischen Ausrichtung auf dieses Segment. “Menschen verlieren Geld mit Memecoins, und das zerstört Vertrauen.”
Robinhood könnte damit zudem an der Wall Street anecken. Dort gilt der Neo-Broker ohnehin als Meme-Stock-App für unerfahrene Privatanleger. Eine Memecoin-Manie würde dieses Image zementieren.
Wo Coinbase punktet
Dauerhaftes Wachstum verspricht im Krypto-Sektor vor allem institutionelles Kapital. Ausgerechnet dort könnte Coinbase wieder einen Vorsprung gewinnen.
Denn Brian Armstrong zufolge begann der Richtungswechsel bereits zu Jahresbeginn. Coinbase richtet Base nun auf Trading, Stablecoin-Zahlungen und KI-Agenten aus. Bei Stablecoins und Lending bleibt das Netzwerk führend und besitzt eine belastbare Ausgangsposition. Gelingt Coinbase der schnelle Vorstoß in den RWA-Markt, könnte Base seine Führungsrolle festigen.
Entscheidend wird nun, ob Robinhood den Memecoin-Boom opportunistisch nutzt, ohne sich darin zu verlieren. Trotz der jüngsten Dynamik liegen beide Netzwerke bei ihrem eigentlichen Ziel, dem Ausbau von RWA-Anwendungen, noch dicht beieinander. Wer RWAs zuerst in dauerhaftes Volumen übersetzt, dürfte den L2-Wettlauf für sich entscheiden.
