Der neue europäische Krypto-Wettbewerb 

OKX-Europe-Chef: “Bis 2028 wollen wir in Europa Nummer eins sein”

OKX-Europa-CEO Erald Ghoos berichtet im BTC-ECHO-Interview von Rekord-Zuflüssen rund um die MiCA-Deadline und erklärt, warum OKX über die klassische Rolle einer Krypto-Börse hinauswachsen soll.

Sven Wagenknecht
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Zwei Männer sitzen auf einer Couch im Grünen und diskutieren.

Beitragsbild: BTC-ECHO

| Das OKX-Management traf sich auf Ibiza mit Branchenvertretern zum Austausch. Europa-Chef Erald Ghoos (links) im Gespräch mit BTC-ECHO Chefredakteur Sven Wagenknecht

Der Krypto-Markt bewegt sich seit Monaten in einer schwachen Seitwärtsphase. Handelsvolumina sind zurückgegangen, mehrere Anbieter haben Stellen abgebaut oder ihr Geschäft ganz eingestellt, wie beispielsweise BitMEX oder BitMart. In diesem Umfeld berichtet der Europa-Chef einer der größten Krypto-Börsen weltweit von deutlichen Kundenzuwächsen.

“In fast zehn Jahren Krypto habe ich so ein Wachstum und einen derart hyperbolischen Anstieg noch nie gesehen”, sagt Erald Ghoos, CEO von OKX Europe, im Gespräch mit BTC-ECHO. Ghoos war zuvor bei Binance und Crypto.com und kennt Wachstumsphasen aus mehreren Zyklen.

Zuflüsse rund um die MiCA-Deadline

Mit ausschlaggebend sei dafür die MiCA-Übergangsfrist gewesen, die am 1. Juli 2026 ausgelaufen ist. Krypto-Dienstleister ohne CASP-Lizenz eines EU-Mitgliedsstaats dürfen seitdem keine regulierten Krypto-Dienste mehr im EWR anbieten. OKX hatte seine Lizenz bereits am 27. Januar 2025 über die maltesische MFSA erhalten.

Ghoos beschreibt die Wochen vor und nach dem 1. Juli so: “Wir haben Rekordzahlen beim Kunden-Zufluss gesehen. Es war graduell, jeden Tag mehr Nutzer auf unserer Plattform, die KYC durchlaufen haben. Die Einzahlungen sind sowohl auf Fiat- als auch auf Krypto-Seite durch die Decke gegangen.” Zeitweise habe er sich Sorgen um die eigenen Systeme gemacht: “Ich habe ehrlich angefangen, mir Sorgen zu machen, dass unser System irgendwo einen Aussetzer haben könnte oder Backlogs entstehen würden.”

OKX setzt auf Automatisierung

Dass operativ dennoch alles gut funktioniert hat, liegt für ihn auch an der verbesserten IT-Infrastruktur und KI-Nutzung. “Wenn wir jetzt noch die gleichen Systeme hätten, die OKX vor zwei Jahren im Einsatz hatte, bevor KI kam, wäre es sicherlich zu Rückständen gekommen. Vieles hätte noch manuell abgewickelt werden müssen, wie händische Prüfung beim Onboarding, KYC, Adressnachweise. Das hätte uns ziemlich ausgebremst.”

Transaktionsüberwachung, AML-Kontrollen und Betrugsprävention seien ebenfalls ohne größere Störungen durchgelaufen. Wer solche Prozesse nicht automatisiert hat, kommt in Migrationswellen wie dieser schneller an Grenzen als in ruhigen Marktphasen.

Zur Wettbewerbssituation gibt Ghoos selbstbewusst die Rückmeldung seiner Affiliate-Partner vom ersten OKX-Summit in Ibiza wieder: Aktuell gebe es in Europa keinen ernst zu nehmenden Wettbewerber zur OKX-Plattform. Zumal laut Ghoos die Zahl der CASPs mit vollem MiCA-Umfang, MiFID II und Payment-Institution-Lizenz in Europa recht überschaubar ist.

Europa: Nummer 1 bis 2028

Auf die Frage nach den relevanten Erfolgskennzahlen wird Ghoos konkret. “Bis Ende 2028 will ich in Europa in allen relevanten Metriken die Nummer eins sein. Diese Metriken sind Neuanmeldungen, Assets under Management, Marktanteil, Volumen, Liquidität.” Realistisch entschieden wird dieser Zeitrahmen weniger am klassischen Krypto-Spot-Geschäft als an den Produkten, die OKX gerade darüber baut.

OKX: Von der Börse zum Finanzkonzern

Denn der strategische Umbau geht über den Krypto-Handel hinaus. “Ich will über die Zeit eine vollwertige Finanzinstitution aufbauen”, sagt Ghoos. Sein Rahmen dafür ist einfach. Ein Mensch habe in seinem Leben drei grundlegende finanzielle Bedürfnisse: “Payments, Vermögen aufbauen, leihen und verleihen.”

Zwei davon deckt OKX bereits ab. Zahlungsverkehr läuft über die OKX-Karte und Transfers zwischen Nutzern, Vermögensaufbau über Spot-Handel, Staking und klassische Krypto-Produkte. Bleibt die Kreditvergabe. Die ist in Europa bislang Kreditinstituten vorbehalten. Doch Ghoos macht auch hier Hoffnung. Die Kreditvergabe und -aufnahme seien “noch fest in der Hand von Banken”, dennoch wolle man zukünftig versuchen, auch den eigenen Nutzern Kreditdienstleistungen anzubieten, damit es “innerhalb von OKX eine vollständige finanzielle Abdeckung gibt”. Ob das über eine Regulierungsanpassung bei MiCA laufen kann, über eine eigene Lizenzstruktur oder über andere Wege, wird die Zukunft zeigen müssen.

Vom Hype profitieren: RWAs und Perps

Konkreter ist der nächste Produktschritt. X-Perps auf die Magnificent-7-Werte, Gold, Silber und Öl unter MiFID- und MiCA-Regime hat OKX bereits gestartet. Echte tokenisierte Aktien sollen in den kommenden Wochen und Monaten folgen. Optionen sind ebenfalls in Vorbereitung.

Ghoos erklärt auch, welche Zielgruppe er damit gewinnen möchte: “Ich glaube, dass ein paar der traditionellen CFD-Broker in Europa über die Zeit signifikante Marktanteile an Anbieter wie uns verlieren werden, weil ihre Gebühren teilweise sehr, sehr hoch sind. Bei Utility, Nutzeroberfläche und Preis werden wir einige der traditionellen CFD-Broker in Europa definitiv schlagen.” In Deutschland konkurriert OKX mit diesem Produktmix vor allem mit Trade Republic, Scalable Capital, eToro und den etablierten CFD-Häusern.

Krypto-Regulierung ist in den Hintergrund getreten

Für Ghoos ist das Thema MiCA-Regulierung vorerst abgeschlossen ist. “Es ist jetzt normal, dass jeder, der keine Lizenz hat, seinen Betrieb einstellt. Damit können wir die Regulierungsdebatte endlich hinter uns lassen und uns voll darauf konzentrieren, die besten Produkte zu bauen.”

Es scheint, dass durch diese strukturellen Veränderungen am Markt – Ablauf MiCA-Übergangsfrist und bärenmarktbedingte Marktbereinigung – eine neue Chance für internationale Player wie OKX erwachsen ist, neue Marktanteile zu gewinnen.

Wer wissen möchte, welches Fazit 44 Brancheninsider zur MiCA-Regulierung ziehen, wie sie das aktuelle Krypto-Geschäftsklima einschätzen und wann sie glauben, dass Bitcoin wieder über die 100.000 US-Dollar-Marke steigt, erfährt dies im BTC-ECHO Insider Report.

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