Die heute veröffentlichten US-Inflationsdaten geben dem Markt am Donnerstagnachmittag einen wichtigen Makro-Check. Der von der US-Notenbank (Fed) besonders beachtete PCE-Preisindex lag im Februar bei 2,8 Prozent zum Vorjahr. Gleichzeitig wurde das US-Wirtschaftswachstum für das vierte Quartal 2025 in der dritten Schätzung von 0,7 auf 0,5 Prozent nach unten revidiert.
Für Bitcoin sind die Daten kurzfristig eher entlastend, aber kein echter Befreiungsschlag. Die Inflation fällt nicht höher aus als erwartet, das Wachstum wirkt zugleich etwas schwächer. Das gibt der US-Notenbank vorerst keinen zusätzlichen Grund für einen noch härteren Kurs. Wirklich positiv für Risikoanlagen wäre das Umfeld aber erst dann, wenn die Inflation klarer sinkt und Zinssenkungen näher rücken.
Öl-Kurs bleibt die zentrale Variable
Der eigentliche Makrotreiber bleibt der Ölmarkt und damit die Lage rund um die Straße von Hormus, die trotz Waffenruhe weiter gestört ist. Laut New York Times und den dort zitierten Kpler-Daten hatten selbst nach Inkrafttreten der Waffenruhe zunächst keine Öl- oder Gastanker die Meerenge durchquert.
Nach den jüngsten Schlagzeilen über eine befristete Waffenruhe zwischen den USA und Iran gaben Öl und US-Dollar zunächst nach. Das nahm Risikoanlagen kurzfristig Druck. Auch Bitcoin konnte davon profitieren. Aus Makrosicht ist das aber erst einmal nur eine kurze Erholungsphase in einem weiter fragilen Umfeld. Denn ein Waffenstillstand beseitigt Lieferengpässe nicht sofort. Energiepreise normalisieren sich meist langsamer als die Schlagzeilen.
Die Ruhe vor dem nächsten Sturm?
Der kurzfristige Rückgang beim Ölpreis gibt jedenfalls noch keine Entwarnung. Das passt auch zu einer aktuellen Einordnung von Binance Research. Dort heißt es, dass die Märkte wegen der Inflationsrisiken aus gestörten Öl-Lieferungen ihre Zinserwartungen massiv nach oben verschoben haben.
Seit Ausbruch des Iran-Konflikts seien aus zwei erwarteten Fed-Senkungen in diesem Jahr null geworden. Auch bei EZB und Bank of England werde inzwischen deutlich hawkisher gepreist. Gleichzeitig argumentiert die Studie, dass der Markt den geldpolitischen Schock womöglich überzeichnet, weil Notenbanken bei schwächerem Wachstum historisch oft doch wieder stärker auf Stabilisierung und Wachstum setzten.
Für Risikoanlagen wäre die unangenehmste Kombination ein erneuter Inflationsanstieg bei gleichzeitig robusten Konjunkturdaten. Denn genau dann hätte die Fed am wenigsten Grund, die Zinsen bald zu senken. Die heutigen Daten sprechen eher für leichte Entlastung als für einen neuen Schock. Trotzdem bleibt das Bild anfällig, weil der volle Effekt des jüngsten Öl-Anstiegs in diesen Zahlen noch gar nicht vollständig sichtbar sein muss.
Bitcoin erholt sich – vorerst
Bitcoin handelt zwar wieder in die Zone zwischen 72.000 und 80.000 US-Dollar hinein. Aus struktureller Sicht bleibt dieser Bereich aber vorerst eher ein mögliches Lower-High-Territorium als ein bestätigter Ausbruch. Solange sich BTC dort nur zurück in Widerstand hineinbewegt, ohne die übergeordnete Struktur klar zu drehen, wirkt die jüngste Stärke eher wie eine Erholung innerhalb eines fragilen Makroumfelds.
Auch der Blick auf die Onchain-Daten mahnt zur Vorsicht. Der Anteil des BTC-Angebots, das aktuell im Verlust liegt, ist zuletzt auf rund 45 Prozent gestiegen. Historisch waren solche Phasen zwar oft ein Hinweis darauf, dass sich Bitcoin langfristig in Richtung attraktiverer Bewertungszonen bewegt. Sie schließen aber weitere Abwärtsbewegungen nicht aus. Tiefere Marktbereinigungen waren in früheren Zyklen häufig erst dann sichtbar, wenn deutlich mehr als die Hälfte des Angebots unter Wasser lag.
Dazu kommt der relative Blick auf andere Anlageklassen. Gegenüber dem S&P 500 und auch gegenüber Gold zeigt Bitcoin trotz jüngster Stabilisierung weiter eine angeschlagene Makrostruktur. Kurzfristig ist noch Raum für eine Aufwärtsbewegung, vor allem wenn BTC tiefer in die Zone bis 80.000 US-Dollar läuft. Im größeren Bild bleibt die relative Schwäche gegenüber Aktien und Gold aber bestehen. Das spricht eher für eine laufende Bodenbildungsphase als für einen sauberen Trendwechsel.
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