Mining vs. Zocken Nvidia: Gefangen zwischen zwei Welten
Paol Hergert

von Paol Hergert

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Nvidia

Quelle: Nvidia

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Der Grafikkartenhersteller Nvidia hat sich zum unverhofften Star der Krypto-Szene gemausert, was ihm seine Kernkund:innenschaft immer übler zu nehmen scheint. Warum sich die Aktie als Schutz gegen die aktuelle Korrektur eignen könnte.

Irgendwo da, wo sich die Gaming- mit der Krypto-Szene überschneidet, sitzt Nvidia – eingeklemmt, zwischen Baum und Borke. Der kalifornische Grafikkartenhersteller kann es niemandem so wirklich recht machen: Krypto-Miner kaufen seit Monaten jede verfügbare Grafikkarte vom Markt, was die Preise in die Maßlosigkeit treibt – die eigentliche Kernkund:innenschaft geht leer aus. Auch Versuche, die Grafikkarten gegen Mining umzurüsten, mal Software-, mal Hardware-seitig, scheitern. Die Anleger verübeln das dem Unternehmen jedoch nicht: Der Aktienkurs kann einen Rekord nach dem anderen feiern, scheint auch vom aktuellen Miner-Crash unbeeindruckt.


Quelle: Nvidia

Als Nvidia im September 2020 die aktuelle RTX-30-Serie vorstellte, war die Freude in der Gaming-Szene groß. Viel günstiger sollten sie werden, dabei die Leistung der vorherigen 20er-Serie deutlich überschreiten – Raytracing und 8K-Gaming dank bis zu 24 Gigabyte VRAM und über 10.000 CUDA. Und all das für Preise ab 499 Euro. Für die Spieler:innnen klang all das zu gut, um wahr zu sein. Mittlerweile weiß die Szene: Das war es auch. Denn zwar halten die Grafikkarten tatsächlich, was sie versprechen, ihre enorme Leistung zu verhältnismäßig günstigen Preisen lockte jedoch ein für Nvidia unverhofftes Klientel an: Krypto-Miner. Wieder einmal, muss man sagen. Denn die sind nicht erst seit dem vergangenen Herbst auf die Idee gekommen, Gaming-Grafikkarten für die Errechnung von Hashwerten zu zweckentfremden. Dank der neuen Grafikkarten-Generation lohnt es sich jedoch wieder. Diese Erkenntnis hat sich herumgesprochen im Krypto-Space, was wiederum für eine enorme Nachfrage bei gleichbleibendem Angebot sorgte – explodierende Preise waren die Folge. Und so fristet ein großer Teil der derzeit leistungsfähigsten Grafikkarten der Welt ein Dasein in den Mining Rigs von (überwiegend) Ethereum-Schürfer:innen. Ein Zustand, der Nvidia seit Jahren steigende Aktienkurse einbringt. Und dem Unternehmen dennoch sauer aufstößt.

Nvidia: Mining statt Zocken

1993 von den ITlern Jen-Hsun Huang, Curtis Priem und Chris Malachowsky gegründet, waren die ersten Jahre in der Unternehmensgeschichte nicht von großem Erfolg gekrönt. Spätestens seit 1999, als die Kalifornier mit der GeForce-256-Grafikkarte die erfolgreichste GPU-Serie aller Zeiten begründete, hat sich das geändert. 10 Jahre bevor die ersten Satoshis das Licht der digitalen Welt erblicken, drängen hunderttausende Gamer mittels dieser ersten GeForce-Grafikkarte in die Sphäre der (pixeligen) virtuellen Welten ein – blicken durch Röhrenbildschirme in die ersten Iterationen von Deus Ex, Counter-Strike, Die Sims und Hitman

Ebenfalls 1999 betritt das damals sechsjährige Unternehmen das Börsenparkett, wird auf der Technologiebörse NASDAQ gelistet – zu einem damaligen Kurs von 12 US-Dollar pro Aktie. Auch dank Kooperationen mit Sony, das seine Konsolen mit Grafikchips von Nvidia bestückt, und einem generellen Boom im Gaming-Bereich verkauft das Unternehmen bereits 2002 seinen 100-Millionsten Grafikchip. An Möglichkeiten außerhalb der Welt der Polygone denkt damals wohl noch niemand. Das soll sich 2010 ändern, als Laszlo Hanyecz eine bahnbrechende Idee hat. 

Als begeisterter Bitcoiner der ersten Stunde will Hanyecz zu einem Zeitpunkt, als die Krypto-Szene sich aus einer überschaubaren Computer Nerds beschränkt, die ihre CPUs zum Minen der damals praktisch wertlosen Coins nutzen, mehr Mining Power aus seinem heimischen MacBook herauskitzeln. Er hat die Idee, dafür statt der CPU die GPU zu nutzen. In einem Interview mit dem US-amerikanischen Bitcoin Magazine beschreibt er seinen Denkprozess: “GPUs, was sie gut können, ist, dass sie eine Menge Dinge parallel machen können, aber es müssen sehr einfache Dinge sein und es müssen die gleichen Dinge sein.” Mit Grafikchips könne man also “10 bis 1.000 verschiedene Zahlen gleichzeitig addieren”, so der ITler. Zwar seien reguläre CPUs viel flexibler, könnten eine Menge verschiedene, auch komplexere, Dinge tun, müssten diese allerdings immer hintereinander angehen. Daher kam er zu dem Schluss, dass “das Mining-Problem sich perfekt für GPUs” eignete. 

Und er sollte Recht behalten, denn sein 2010er MacBook, versehen mit einem Nvidia GeForce 320 Chip, war dank seines neuen Codes tatsächlich in der Lage, in kürzerer Zeit mit weniger Energieverbrauch deutlich mehr Blöcke zu schürfen, als dass mit CPUs möglich war: GPU-Mining war geboren. Zwar ist Hanyecz mittlerweile eher bekannt dafür, 10.000 Bitcoin für zwei Pizzen ausgegeben zu haben – und damit den ersten Kauf mittels BTC getätigt zu haben – deutlich größere Auswirkungen auf den Krypto-Space dürfte jedoch sein GPU-Geistesblitz gehabt haben.


Quelle: Alternate.de

GPU-Farming nimmt Gamer in die Mangel

Die frühen Krypto-Tage sind mittlerweile gezählt. Hätte Hanyecz seine Bitcoin behalten, wäre er heute Multimilliardär und auch ein MacBook reicht bei weitem nicht mehr aus, um profitabel Bitcoin zu Minen. Ein Großteil der Hashpower wird heute in gigantischen Mining Farmen an den Orten der Welt erbracht, die über günstigen Strom (und wohlwollende Politik) verfügen. Um zu Hause Bitcoin zu minen, müssen Krypto-Enthusiast:innen seit Jahren auf andere Coins umsteigen.

Und hier kommt Ethereum – und, wieder einmal, Nvidia – ins Spiel. Beim derzeitigen ETH-Kurs von rund 2.700 US-Dollar kann eine einzige GeForce RTX 3090 am Tag mehr 10 US-Dollar erwirtschaften – Strompreis inklusive. Bei einem Preis von 1.399 US-Dollar (UVP) lohnt sich die Anschaffung also nach 140 Tagen (Daten: minerstat.com). Das Problem: Der Ruf des Geldes hat so viele Miner auf den Plan gerufen, dass die Grafikkarten auf regulären Wegen praktisch immer ausverkauft sind. Bei Zwischenhändlern müssen Miner und Spieler:innen oft ein Vielfaches der unverbindlichen Preisempfehlung zahlen.

Kein Wunder, dass das den Spieler:innen missfällt. Und obwohl Nvidia auch dank der Miner seit Jahren Kursrekorde schreibt, beweist das Unternehmen, dass es seine Kernkund:innenschaft der Gamer nicht aus den Augen verliert. So versucht das Unternehmen immer wieder, seine Grafikkarten mit Software- und sogar Hardware-Updates zu versehen, die deren Nutzung zum Minen verunmöglichen sollen. Weil diese Herangehensweise jedoch bislang ohne Erfolg blieb, bietet Nvidia nun die Nvidia CMP Chipreihe an, die speziell für Miner entwickelt wurde.

Damit könnten die Grafikchips der GeForce-Reihe über zehn Jahre, nachdem Laszlo Hanyecz sie für das GPU-Mining zweckentfremdete, schlussendlich wieder denen gehören, für die das kalifornische Unternehmen sie einst konzipierte: die Gamer.

Disclaimer

Dieser Artikel wurde geprüft und aktualisiert und wurde zuerst in der Juli-Ausgabe unseres monatlich erscheinenden Magazins Kryptokompass veröffentlicht. Für Informationen rundum ein Abonnement geht es hier entlang.


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