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Mehr als Spekulation Nicht-monetäre NFTs: Warum es nicht immer ums Geld geht

Non-fungible Token, kurz NFTs, sind aktuell vor allem Spekulation. Die Aussicht auf schnelles Geld hat die digitalen Besitzzertifikate einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Der größte Mehrwert von NFTs dürfte allerdings überhaupt nicht in Preisen auszudrücken sein. NFTs ohne einen monetären Wert könnten in schon wenigen Jahren unseren Alltag dominieren. Worin sich diese NFTs unterscheiden und welche Anwendungsfälle es für sie gibt.

Sven Wagenknecht
 |  Lesezeit: 5 Minuten
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NFT und US-Dollar-Geldschein

Quelle: Shutterstock

Man kann NFTs auf verschiedene Arten denken. Die eine ist es, digitale Knappheit und Handelbarkeit zu kreieren, um dann durch ebendiese Verknappung einen monetären Gegenwert zu erzeugen. Auf NFT-Marktplätzen wiederum kann anschließend durch das Zustandekommen von Angebot und Nachfrage ein Preis für das NFT entstehen. Dieses Prinzip wenden wir bei praktisch allen gegenwärtigen NFTs, von CryptoPunks, über ETH.-Domains oder Grundstücken im Metaverse, an. Wir neigen dazu jedem NFT ein Preisschild umzuhängen, als eine handelbare digitale Ware. So weit nichts Neues.

Nicht-monetäre NFTs

Die (gewagte) Prognose lautet nun, dass langfristig – fünf Jahre Plus – diese Form der NFTs, nennen wir sie monetäre NFTs, gemessen an der Gesamtmenge aller existierender NFTs, nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Oder anders formuliert: Es wird mehr nicht-monetäre NFTs geben als NFTs mit einem Preis, der in Geldeinheiten, ganz gleich, ob US-Dollar oder Ether, ausgedrückt wird.

Dieser andere Ansatz besteht nun darin, NFTs als digitale Beweis-, Ursprungs- oder Identitätszertifikate zu nutzen. Man würde sie verwenden, um Ereignisse und Sachverhalte aus der analogen wie digitalen Welt zu etikettieren und festzuhalten. Aussehen könnte dies wie folgt:

3 Kurzbeispiele: TÜV-Siegel, Credit Points und Übergabeprotokoll

NFTs können wie Schlüssel zu bestimmten Datenbanken fungieren und damit den Zugang zu Informationen kontrollieren. Im einfachsten Fall dokumentieren nicht-monetäre NFTs, was durch wen, zu einer bestimmten Zeit, passiert ist. Die Anwendungsfälle sind nahezu unendlich und können alle Lebensbereiche betreffen, wie zum Beispiel:

NFT als TÜV-Siegel für das Auto

Wer beispielsweise sein Auto zur Werkstatt bringt, um es reparieren oder eine TÜV-Prüfung durchführen zu lassen, würde im Anschluss vom Werkstattpersonal einen NFT erhalten. Das digitale Fahrtenbuch würde als Wallet fungieren, indem alle Maßnahmen vermerkt sind. Ein möglicher Vorteil hierbei wäre, dass man Versicherungsbetrug eher aufdecken kann und Käufer eines Gebrauchtwagens von einer größeren Transparenz und Richtigkeit der tatsächlichen Maßnahmen profitieren. Ein erster Proof-of-Concept-Versuch existiert bereits auf GitHub.

Stressfreies Auslandssemester mit NFT-Zeugnissen

Die meisten Zeugnisse sind einmalig und personalisiert. Nach wie vor ist es ein Problem, Credit-Points oder ganze Hochschulzeugnisse von anderen Universitäten, zum Beispiel bei einem Auslandssemester, anerkennen zu lassen. Gleichzeitig besteht nach wie vor die Angst vor Fälschungen bei Seiten der Institutionen sowie Arbeitgeber. Würde man zu jedem offiziellen Dokument ein NFT erstellen, dann könnten Interessierte mit einem berechtigten Interesse durch Erhalt des NFTs Einsicht in das Dokument bei gleichzeitiger Prüfung auf Richtigkeit erhalten. Die südkoreanische Hoseo University hat dies bereits mit den Zeugnissen des Jahrganges 2021 gemacht.

Endlich die Mietkaution zurückerhalten

Wer kennt es nicht, man zieht aus und der Vermieter möchte nicht die ganze Kaution erstatten, weil Mängel nicht klar gekennzeichnet wurden und man sich letztlich auch nicht mehr an die Übergabe erinnern kann. Der NFT-Anwendungsfall wäre hier für jede Wohnung ein NFT zu erstellen, der als digitaler Zwilling Zugang zu allen wohnungsrelevanten Informationen bietet. Die Automatisierung von Verwaltungsvorgängen mithilfe von Smart Contracts sowie die vollständige Dokumentation aller Maßnahmen würden auch hier Kosten und Missbrauch reduzieren können. Jeder Handwerkereingriff könnte durch Ausgabe nicht-fungibler Token einen einzigartigen Zeitstempel bei dem digitalen Wohnungszwilling hinterlassen. Erste Gehversuche in diese Richtung hat die Immobilien-Plattform Propy unternommen.

Digitale Sachbearbeiter brauchen nicht-monetäre NFTs

Im besten Sinne ist ein NFT ein langweiliges digitales Prüfzertifikat, das uns mehr Sicherheit im Alltag und bei der Arbeit gibt, und noch viel wichtiger: auch in automatisierbaren und rein digitalen Infrastrukturen funktioniert. Schließlich kann man viele verwaltungstechnische Standards als nicht mehr zeitgemäß erachten. So arbeiten beispielsweise bis heute noch einige Behörden mit Faxgeräten.

Mit Zunahme von KI-Software dürfte ein Groß der Sachbearbeiterstellen, z.B. bei Versicherungen und Banken, in den nächsten Jahren wegfallen. Gerade dann, durch den Wegfall des Menschen, dürften derartige NFTs an Relevanz hinzugewinnen.

Ausblick der nicht-monetären NFTs

Einige Blockchain Start-ups arbeiten bereits an ähnlichen Anwendungsfällen, wie in diesem Artikel beispielhaft skizziert. Wie sich die Etablierungs der nicht-monetären NFTs in fünf oder zehn Jahren gestaltet, ist aktuell noch nicht abzusehen. Wie dezentral sind die Lösungen? Werden je nach Sachverhalt immer mehrere NFTs erstellt? Können sich ggf. doch Monetarisierungs-Anwendungen an die nicht-monetären NFTs anschließen? Viele Fragen, die Raum für viel Erfinder-, Investoren- und Unternehmergeist bietet.

In der Praxis dürfte die Anwendung nicht anders ablaufen, wie das geübte Vorzeigen des Impfnachweises in der Corona-App. Schließlich sind am Ende NFTs nichts anderes als digitale Zertifikate. Entscheidender Unterschied zum digitalen Covid-Zertifikat ist allerdings, dass NFTs in programmierbare Infrastrukturen integriert und zwischen Wallets übertragen werden können. Höhere Sicherheitsstandards, mehr Automatisierung und letztlich viel mehr Möglichkeiten könnten das Ergebnis sein.

Schlussendlich darf man bei dieser Betrachtungsweise aber nicht vergessen, dass diese Form der NFT-Weiterentwicklung den Katzen- und Affenbildern für Millionen von US-Dollar zu verdanken ist. Ohne die Spekulation und die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema, wäre nicht das Geld vorhanden, um auch langweilige, aber sinnvolle NFT-Projekte, entschlossen genug voranzutreiben.

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