Die meisten Menschen lagern ihre Kryptowerte direkt bei den Plattformen, auf denen sie diese auch handeln. Doch auch zwei Lösungen zur Selbstverwahrung schaffen es in die Top Ten. Klassische Finanzinstitute sind dagegen bis auf eine Ausnahme nicht vertreten. Das zeigt die aktuelle Krypto-Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint.
Dieser Gastbeitrag stammt von Dr. Robert Bosch und Ralph Bärligea von der Management- und Technologieberatung BearingPoint. Grundlage der Analyse ist die aktuelle Krypto-Umfrage des Unternehmens.
Die seit 2016 jährlich in Deutschland durchgeführte Befragung hat 2026 erstmals auch die beliebtesten Krypto-Verwahrlösungen untersucht. In einem ersten Teil hatten wir bereits die Top Ten der Handelsplattformen betrachtet, nun folgt der Blick auf die Verwahrung.
Trade Republic und Coinbase führen das Ranking an
Trade Republic führt das Ranking mit 15 Prozent der Nennungen knapp vor Coinbase mit 14 Prozent an. Dahinter folgen Binance mit elf, Bitpanda mit acht und Bison mit sieben Prozent. MetaMask, Bitvavo, Ledger, Kraken und eToro kommen jeweils auf vier Prozent. Von den übrigen Anbietern erreicht lediglich Trust Wallet mit drei Prozent einen höheren Wert als zwei Prozent.
Für die Studie wurden vom 18. bis 22. Juni 2026 insgesamt 2.031 Erwachsene aus einem soziodemografisch repräsentativen Bevölkerungsteil über das YouGov-Panel befragt. Das Ranking der Verwahrlösungen basiert allerdings auf 136 Befragten, die eine verwertbare Antwort auf die entsprechende Frage geben konnten. Insgesamt gaben 161 Teilnehmer beziehungsweise rund acht Prozent an, sich mit Kryptowährungen auszukennen und diese zu nutzen.
Handel und Verwahrung gehen Hand in Hand
Auffällig ist die große Überschneidung zwischen Handel und Verwahrung. Acht der zehn beliebtesten Verwahrlösungen finden sich auch unter den zehn meistgenannten Handelsplattformen, selbst an der Reihenfolge ändert sich wenig.
Das ist nicht überraschend: Einerseits müssen Kryptowerte zumindest kurzfristig dort verfügbar sein, wo sie gehandelt werden. Andererseits dürften viele Anleger ihre Bestände aus Bequemlichkeit auch längerfristig auf der Plattform belassen, auf der sie diese gekauft haben.
Selbstverwahrung fällt nicht ganz unter den Tisch
Mit der überwiegenden Nutzung zentraler Plattformen tritt der ursprüngliche Gedanke der selbstsouveränen Verwahrung von Krypto-Assets in den Hintergrund. Bei der Self-Custody kontrollieren Nutzer ihre privaten Schlüssel selbst und können damit unmittelbar auf ihre Kryptowerte im jeweiligen Blockchain-Netzwerk zugreifen. Bei zentralen Plattformen werden die Schlüssel dagegen vom Anbieter verwaltet.
Ganz verschwunden ist die Selbstverwahrung dennoch nicht. Mit MetaMask und Ledger schaffen es zwei entsprechende Lösungen in die Top Ten. Private Keys können dabei beispielsweise über eine Hardware-Wallet wie Ledger oder eine Software-Wallet wie MetaMask verwaltet werden. Auch Self-Custody birgt Risiken: Wer selbst für seine Schlüssel verantwortlich ist, muss sie entsprechend vor Verlust und unbefugtem Zugriff schützen.
Heimatpräferenz auch bei der Verwahrung
Da überwiegend dieselben Plattformen für Handel und Verwahrung genutzt werden, zeigt sich auch hier eine Präferenz für heimische Anbieter. Denkbar ist zudem der umgekehrte Zusammenhang: Das Sicherheitsgefühl bei einem heimischen Anbieter könnte dazu beitragen, dass Nutzer dort nicht nur verwahren, sondern auch handeln.
30 Prozent der Nennungen innerhalb der Top Ten entfallen laut BearingPoint auf deutschsprachige Verwahrlösungen. Die Autoren rechnen zusätzlich Ledger mit vier Prozent hinzu, sofern die Hardware-Wallets in Deutschland aufbewahrt werden, und kommen damit auf 34 Prozent. Ledger selbst wird allerdings in Frankreich entwickelt und hergestellt.
Klassische Finanzinstitute bislang kaum vertreten
Mit der Börse Stuttgart beziehungsweise ihrer Krypto-Plattform Bison findet sich unter den Top Ten für private Endkunden bislang nur ein Anbieter aus dem klassischen Finanzsektor. Sparkassen und Volksbanken planen jedoch eigene Krypto-Angebote und dürften dabei teilweise ebenfalls mit der Börse Stuttgart zusammenarbeiten. Auch in anderen Teilen des deutschen Bankensektors wird über eigene Verwahrlösungen diskutiert.
Aufgrund von Skalen- und Netzwerkeffekten könnte sich der Markt langfristig auf wenige zentrale Verwahrlösungen konzentrieren. Aus Sicht der Autoren wäre es dennoch sinnvoll, wenn die drei Säulen des deutschen Bankensystems – private, genossenschaftliche und öffentlich-rechtliche Institute – jeweils über eigene Kompetenzen bei der Kryptoverwahrung verfügen. Dies könnte zur Diversifikation der Risiken beitragen.
Fazit für Banken
Banken, die am wachsenden Markt für Krypto-Finanzdienstleistungen teilhaben wollen, benötigen entweder eine eigene Verwahrlösung oder eine in das bestehende Finanzsystem integrierte Kooperation mit einem lizenzierten Krypto-Verwahrer.
Die Umfrage deutet darauf hin, dass Nutzer ihre Kryptowerte bevorzugt dort verwahren, wo sie diese auch handeln. Heimatpräferenz, Sicherheitsbedürfnis und die begrenzte Bereitschaft zur Selbstverwahrung könnten heimischen Anbietern dabei zugutekommen. Gleichzeitig erwarten die Autoren aufgrund von Skalen- und Netzwerkeffekten eine Konzentration auf wenige Anbieter. Als Vergleich führen sie den traditionellen Wertpapiermarkt an, in dem deutsche Aktien überwiegend über Clearstream verwahrt werden. Wer sich im deutschen oder europäischen Kryptoverwahrmarkt positionieren will, sollte daher frühzeitig entsprechende Kompetenzen aufbauen.
Über die Autoren
Dr. Robert Bosch leitet den Bereich Financial Services bei der Management- und Technologieberatung BearingPoint und berät Finanzinstitute bei der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle.
Ralph Bärligea ist Business Advisor bei BearingPoint im Bereich Zahlungsverkehr. Seine Schwerpunkte liegen auf Blockchain-Technologie, digitalem Geld, Datenschutz, Informationssicherheit und Finanzmarktregulierung.


