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Glücksspiel mit Bitcoin und Co. Krypto-Kasinos: So gefährlich sind sie

Kasinos verpassen nur selten neue Trends. So gab es das erste Online-Kasino bereits in 1994. Nun bieten einige Spielsalons im Internet auch die Möglichkeit, mit Bitcoin zu zocken. Doch der schnelle Traum vom Geld und der Nervenkitzel im Krypto-Spielhaus birgt Gefahren.

Jonas Oppermann
 |  Lesezeit: 5 Minuten
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Krypto Kasino birgt noch mehr Suchtpotenzial.

Quelle: Shutterstock

Vor allem die Pandemie sorgt dafür, dass sich Kasinos zunehmend in den digitalen Raum verschieben. Google spuckt mittlerweile unzählige Krypto-Glücksspielseiten aus, die alle mit den ähnlichen Vorteilen locken wollen: Boni, Freispiele und schnelle Ein- und Auszahlungen ohne Identifikationsnachweis. Schlummert hier das Geheimnis vom schnellen Geld? Wohl eher nicht.

Keine Lizenz zum Spielen

Aufgrund ihrer pseudonymen Natur bieten Kryptowährungen mehr Privatsphäre als Transaktionen mit Visa und Co. Vor allem das lässt sich nicht mit dem 2021 eingeführten Glücksspielstaatsvertrag vereinbaren. Denn in Deutschland darf man sein Online-Kasino nur mit einer Lizenz betreiben. Alle Spieler unterliegen also einer strengen Aufsicht durch den Staat. Möchte man trotz strikter Regeln ein umfassendes Glücksspielerlebnis genießen und seine Kryptowährungen für das Glücksspiel nutzen, müsste man auf ein Kasino ohne Lizenz ausweichen.

Diese nicht-lizenzierten Anbieter bringen ein nahezu uneingeschränktes Spielerlebnis mit sich. Egal ob Blackjack, Baccarat, Jackpot-Spiele oder Roulette – in den unlizenzierten Spielsalons des Internets ist so gut wie alles möglich. Allerdings zahlt man für diese Freiheiten einen großen Preis: die Sicherheit.

Betrügerische Anbieter programmieren Spiele so, dass der Spielspaß bleibt. Was der Spieler allerdings meist nicht merkt, ist, dass er unfairen Praktiken ausgesetzt ist und teilweise einfach nur abgezockt wird. Im schlimmsten Fall sahnen die zwielichtigen Anbieter eingezahlte Coins direkt ab. Den Betrug zu beweisen und somit Recht zu bekommen ist nahezu unmöglich, da die Einzahlung pseudonym erfolgt.

Ist der Krypto-Handel bereits Glücksspiel?

Ein weiteres Problem ist die hohe Volatilität, also die enorme Preisschwankung der Kryptowährungen. Sollte man Gewinne im Kasino erzielen, sind diese an den Kurs der Kryptowährung gekoppelt. Schnell können geglaubte Gewinne rasant schrumpfen. Der volatile Markt macht das Glücksspiel im Krypto-Kasino demnach zusätzlich risikoreich. Man ist damit den klassischen Risiken der Krypto-Börse und zusätzlich den Nachteilen des Glücksspiels ausgesetzt.

Wie an den Krypto-Börsen sind zwar schnelle Gewinne möglich; genauso gut kann man aber auch viel Geld in den Sand setzen. Viele Therapeuten sehen das Handeln mit Kryptowährungen bereits als Spielsucht an, da ähnliche Symptome wie bei der klassischen Kasino- oder Automatenspielsucht auftreten können:

  • Betroffene leihen sich ständig Geld von Familie und Freunden, verpfänden ihr Hab und Gut oder stehlen, um ihre Sucht zu finanzieren.
  • Sie glauben, dass sie bald einen großen Gewinn machen werden, um Verluste auszugleichen.
  • Betroffene erleben Stimmungsschwankungen, Depressionen, Gereiztheit, Unruhe und Hoffnungslosigkeit.
  • Zudem leugnen sie das Problem oder lügen ihre Mitmenschen an.

Tony Marini, leitender Fachtherapeut im britischen Castle Craig Hospital, ist der Ansicht, dass der Krypto-Handel dem Glücksspiel sehr ähnlich ist:

Wenn wir also auf den Aktienmarkt wetten, wetten wir darauf, dass die Aktien steigen oder fallen. Beim Bitcoin ist es ganz ähnlich. Ich meine, alle Märkte dieser Art sind für mich ein Glücksspiel. Manche Leute machen das als Geschäft. Manche Menschen werden zwanghaftes Verhalten entwickeln und verlieren alles, was sie haben. Es gibt so viele Selbstmorde an der Börse. Genauso wie beim Glücksspiel.

Tony Marini, leitender Fachtherapeut im Castle Craig Hospital

In schlimmen Fällen führt der Weg zur Sucht über gelegentlich hohe Gewinne zum Traum vom ganz großem Geld. Genährt vom Dopamin, welches beim Traden freigesetzt wird, kann der Weg weiter zum zwanghaften Verhalten führen, bis hin zur Isolation und letztendlich einer klassischen Sucht.

Anderes Spielverhalten bei Krypto-Kasinos

Die digitale Welt verändert zunehmend das Verhalten der Spieler. Ingo Fielder, Mitgründer des Blockchain Research Labs in Hamburg, forscht seit Jahren an seinen Hauptthemen: Glücksspiel und Blockchain. Gegenüber BTC-ECHO erklärte der Experte:

Onlineglücksspiele gelten tendenziell als suchtgefährlicher als physische Glücksspiele. Dies hat verschiedene Ursachen, vor allem laufen sie in der Regel deutlich schneller ab als physische Glücksspiele. Viele Angebote im Onlinebereich finden zudem noch immer in einem rechtlichen Graubereich statt, so dass die regulatorischen Vorgaben und damit der Spielerschutz geringer ausgeprägt sind.

Ingo Fiedler, Blockchain Research Lab

Auch die Wahl des Zahlungsmittels im Online-Kasino wirkt sich auf das Verhalten der Spieler aus, meint Fielder:

Die Art des Zahlungsmittels – Spielchips, Punkte, Bargeld, elektronisches Geld, Kreditkarte u.a. – wurde in der Glücksspielforschung intensiv untersucht. Je ferner das eingesetzte Zahlungsmittel von dem Gefühl für Geld ist, desto niedriger ist die Hemmschwelle und intensiver ist das Spielverhalten. Entsprechendes wurde bislang noch nicht für Kryptowährungen untersucht, doch ist ein ähnlicher Effekt zu erwarten.

Ingo Fiedler, Blockchain Research Lab

Kein Identifikationsnachweis, kein Selbstausschlussverfahren

Bei Krypto-Kasinos ist eine Überprüfung des Alters schlichtweg unmöglich, da keine persönlichen Daten angegeben werden müssen. So ermöglichen es die Betreiber dieser Kasinos, Minderjährige am Glücksspiel teilhaben zu lassen, die oftmals noch anfälliger für eine Sucht sind.

Des Weiteren können die Kasinos das freiwillige Selbstausschlussverfahren für problematische Spieler, die unter einer Sucht leiden, nicht anwenden. Bei lizenzierten und seriösen Anbietern können sich Süchtige über einen Antrag ganz aus dem Glücksspiel zurückziehen. Antragsteller werden in eine Selbstausschlussliste mit Namen aufgenommen. Sie werden dadurch von allen Betreibern, die sich dem Selbstausschlussprogramm angeschlossen haben, effektiv gesperrt.

Hier bieten Krypto-Kasinos ein Schlupfloch für Spielsüchtige: Durch die Hintertür können ausgeschlossene Nutzer dort unbeaufsichtigt weiterspielen.

Bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung können Betroffene telefonisch Hilfe erbitten.

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