Die gute Nachricht zuerst: Kanye West hat keinen Swasticoin gelauncht. Ja, richtig gelesen – der Rapper, der sich in den letzten Jahren immer wieder mit antisemitischen Ausfällen ins Rampenlicht brachte, teaserte Anfang des Jahres tatsächlich kurzzeitig einen Coin mit offen rechtsradikaler Symbolik. Zum Glück wurde daraus nichts. Stattdessen gibt es nun seit letzter Woche von ihm YZY Money – einen Token auf Solana, der immerhin “nur” die Ersparnisse von Kleinanlegern pulverisiert hat.
Es zeichnet sich mittlerweile ein klarer Trend ab: Wer irgendwo zwischen Populismus, Provokation und politischem Größenwahn unterwegs ist, entdeckt früher oder später die Welt der Memecoins. Donald Trump? Hat seinen eigenen. Javier Milei? Wirbt für einen Coin, der zum mutmaßlichen Rugpull wird – und schon droht das Amtsenthebungsverfahren. Und jetzt also Kanye West. Es scheint fast, als gäbe es im rechten Lager einen geheimen Workshop mit dem Titel: “How to Launch a Coin and Lose Your Reputation”. Teilnehmerurkunden garantiert on-chain.
YZY Money legte einen Bilderbuchstart hin: Innerhalb einer Stunde schoss er kurzzeitig auf drei Milliarden Dollar Marktkapitalisierung, bevor der Coin um 80 Prozent einbrach – also ungefähr die gleiche Dramaturgie wie jede Kanye-Pressekonferenz seit 2018. Elf Wallets wurden reich, zehntausende Wallets arm. 75 Millionen Dollar Schaden in einer Woche. Willkommen im Casino der Popkultur. Fehlt nur noch ein Musical dazu – aber das kriegen wir bestimmt 2026 als Broadway-Stück: “Pump.fun – The Opera”.
On-Chain-Daten deuten außerdem auf Insiderhandel hin. Manche Wallets waren schon vor dem offiziellen Start versorgt und konnten Gewinne einsacken, bevor der Rest überhaupt einsteigen konnte. Hinzu kamen sogenannte “Sniping-Bots”, die in Millisekunden Coins aufkauften, noch bevor der Normalanleger die Order bestätigen konnte. Das Ergebnis: ein Markt, der aussieht wie ein Kanye-Album nach 2016 – ein paar Highlights für Insider, Chaos für alle anderen.
Das Schlimmste, was Memecoins passieren konnte?
Dass Kanye zuvor überhaupt überlegte, einen Swasticoin zu starten, zeigt, wo wir im Memecoin-Zirkus angekommen sind: Es ist die Kunst des “Wie weit kann man gehen, bevor selbst der Markt kotzt?”. Zum Glück hat Ye zurückgezogen – vielleicht war selbst für ihn die Nazi-Symbolik zu uncool. Oder er hat gemerkt: Ein antisemitischer Coin lässt sich schwer bei Coinbase listen.
Memecoins stehen längst sinnbildlich für das Schlechteste, was der Krypto-Sektor zu bieten hat: Manipulation, Scam, Selbstbereicherung – quasi die (Un-)Holy Trinity des Web3-Casinos. Der Inkubator Pump.fun ist längst Brutstätte für rassistische Coins. Eine Art “Meme-Disneyland” – nur ohne Spaß, dafür mit Hakenkreuzen. 500 Mio. US-Dollar gingen dort allein 2024 durch Memecoin-Scams verloren. Oder wie man im Space sagt: Dienstag. Die Reputation der Branche? Liegt am Boden, aber hey – wenigstens kann man sie tokenisieren.
Kurz gesagt: Memecoins sind kein Spaß mehr, sondern das Finanz-Äquivalent einer Reality-Show. Jeder lacht, bis das Licht angeht und man merkt: Das eigene Geld ist weg. Nach Milei, nach Trump und jetzt Kanye West bleibt eigentlich nur noch die Frage: Wer kommt als Nächstes? Elon Musk mit Doge 2.0? Nigel Farage mit BrexitCoin? Oder vielleicht doch die AfD mit einem “Heimat-Token”? Bitte nicht.