JUP notiert rund 90 Prozent unter seinem Allzeithoch, während das dazugehörige Protokoll eines der meistgenutzten im gesamten Solana-Ökosystem ist. Eine Kehrtwende gelang bislang nicht, weder durch Buybacks in dreistelliger Millionenhöhe noch durch ein verändertes Emissionsmodell. Jetzt versucht es Jupiter über einen anderen Weg: ein komplett neu gebautes Handelsterminal und eine aggressive Expansion des eigenen Produkt-Portfolios. Bislang scheiterten Versuche, das Netzwerk wiederzubeleben. Kann ein neues Update wirklich die Wende bringen?
Warum Rückkäufe den Kurs nicht retten konnten
Anfang Januar 2026 räumte Jupiter-Mitgründer Siong öffentlich auf X ein, dass das Protokoll 2025 mehr als 70 Millionen US-Dollar in Rückkäufe des eigenen Tokens gesteckt hatte, während gleichzeitig Unlocks im Wert von 1,2 Milliarden US-Dollar auf den Markt drückten. Das Ergebnis: keine spürbare Trendwende. Siong stellte zur Diskussion, das Geld künftig stattdessen in Wachstumsanreize für Nutzer zu stecken.
Solana-Mitgründer Anatoly Yakovenko lieferte einen Tag später die technische Erklärung dafür, warum Rückkäufe in einer solchen Konstellation kaum wirken können: Sie verändern nicht den Preis, zu dem heute freigeschaltete Token verkauft werden. Ein Rückkauf hebt den Kurs bestenfalls kurzfristig an, doch neues Angebot durch Unlocks drückt im selben Moment auf den Markt, und bei einem strukturellen Ungleichgewicht gewinnt fast immer das neue Angebot. Sein Vorschlag: Protokolle sollten Gewinne stattdessen zurücklegen und Nutzern Staking mit einjähriger Sperrfrist anbieten, wodurch sich der Verkaufsdruck bei Unlocks gegen einen erwarteten künftigen Preis richten würde statt gegen den aktuellen Spotkurs.
Verschärfend kommt hinzu: Der jährliche Protokollumsatz liegt aktuell, auf DefiLlama-Basis annualisiert, bei 108,24 Millionen US-Dollar, deutlich unter den 184 Millionen US-Dollar des vollen Jahres 2025. Jupiters Litterbox-Programm, das die Hälfte der Protokollumsätze automatisiert in Rückkäufe leitet, hat sich seither nicht grundlegend geändert, obwohl mit sinkenden Einnahmen auch weniger Geld für Rückkäufe zur Verfügung steht. Die Governance verabschiedete stattdessen ein Net-Zero-Emissions-Modell, das einen für Januar 2026 geplanten Airdrop im Wert von 700 Millionen JUP verschob. Die Staking-Quote liegt bei knapp 28 Prozent des zirkulierenden Angebots, ein Hinweis, dass ein Teil der Community trotz allem an Governance-Beteiligung statt an schnellem Ausstieg interessiert bleibt.
Der neue Anlauf: mehr Produkt statt mehr Rückkäufe
Am 29. Juli hat Jupiter sein komplettes Handelsterminal neu geschaltet. Spot V2 nennt sich das Update, ein zu 100 Prozent neu gebautes Interface, das Swap und Orderausführung bündelt und Analyse-Tools direkt einbindet. Herzstück ist der sogenannte Ultra Mode, eine automatisierte Routenoptimierung, die laut Jupiter Handelskosten um das Zehnfache senkt. Am selben Tag verkündete Jupiter zusätzlich Mehrheitsbeteiligungen an der Trading-App Moonshot und dem Analyse-Tool Sonarwatch.
Das ist der jüngste Baustein einer Entwicklung, die Jupiter seit Jahren verfolgt: vom reinen Aggregator zum umfassenden Finanz-Stack. Mehr als 20 Produkte sind mittlerweile live, bei einem On-Chain-Handelsvolumen von über 1,2 Billionen US-Dollar allein 2025. Perpetual Futures mit bis zu 250-fachem Hebel kamen im selben Jahr auf ein Handelsvolumen von 264 Milliarden US-Dollar, dazu ein Lending-Markt und der eigene Stablecoin JupUSD, gemeinsam mit Ethena im Januar 2026 eingeführt. Wie schnell neue Produkte inzwischen Kapital anziehen, zeigte Jupiter-Präsident Xiao-Xiao Zhu gegenüber BTC-ECHO: “Als wir den neuen Jupiter Lend Market mit Bitwise und Ethena aufgebaut haben, haben wir innerhalb von 48 Stunden über 550 Millionen US-Dollar TVL bekommen.”
Die Strategie dahinter orientiert sich am Vorbild asiatischer Super-Apps, bei denen HFT-Handel als Einstiegspunkt dient, um Nutzer in margenstärkere Dienste wie Kreditvergabe oder Staking zu überführen. Zhu selbst beschreibt das Ziel so: “Wir wollen dahin kommen, dass Jupiter zum Zuhause für On-Chain Finance auf Solana wird.” Spot V2 ist in diesem Modell weniger ein einzelnes Feature als die Eingangstür zur gesamten Plattform. Die Wette dahinter: Mehr Nutzung soll dort Wert schaffen, wo reine Finanzsteuerung bislang versagt hat.
Dass das Prinzip grundsätzlich funktionieren kann, zeigen zwei andere Protokolle: Sowohl Hyperliquid mit HYPE als auch Aave mit AAVE konnten ihre Buyback-Programme in Phasen starken fundamentalen Wachstums erfolgreich mit steigenden Kursen verbinden. Der Unterschied zu Jupiter liegt weniger im Mechanismus selbst als im Verhältnis zwischen Rückkaufvolumen und neuem Angebot durch Emissionen und Unlocks, genau das müsste sich mit wachsender Produktnutzung ändern.
Kann der Strategiewechsel wirklich funktionieren?
Ob Wachstum allein reicht, ist damit die falsche Frage. Rückkäufe sind 2025 schon einmal gescheitert, damals wuchsen Unlocks schneller als das zurückgekaufte Volumen. Ob Spot V2, Moonshot und die neuen Lending-Märkte daran etwas ändern, hängt nicht nur an mehr Nutzung, wie BTC-ECHO-Marktexperte Stefan Lübeck einordnet.
Der entscheidende Haken liegt für ihn im Aufbau des JUP-Tokens selbst. “Mehr Produktnutzung allein würde die Rückkäufe von JUP zwar erhöhen, jedoch dürfte dies nur dann einen signifikanten Einfluss auf den Kurs des Jupiter-Token haben, wenn auch die Einnahmen pro Nutzer tatsächlich steigen”, sagt Lübeck. Der Grund: JUP ist in erster Linie ein Governance-Token, Token-Inhaber erhalten aktuell keinen direkten Anteil an den Protokolleinnahmen. Hohes Handelsvolumen allein führt deshalb noch nicht automatisch zu deutlich höheren Rückkäufen. “Optimalerweise müsste das Team also einen höheren Prozentsatz der Protokolleinnahmen für Buybacks nutzen und zugleich Anreize für Investoren schaffen, den Token auch längerfristig zu halten”, so Lübeck.
Genau das ist der Unterschied zur letzten Produktwelle 2025, als schon einmal mehr Wachstum als Lösung für das Tokenomics-Problem im Raum stand, ohne den Kursverfall aufzuhalten. Mit Spot V2 hat Jupiter zwar sein Kernprodukt selbst überarbeitet, ein direkterer Hebel auf das Handelsvolumen als bei früheren Erweiterungen. Ob das reicht, hängt aber, wie Lübecks Einordnung zeigt, weniger vom Volumen selbst ab als davon, ob Jupiter auch an der Verteilungslogik seiner Einnahmen etwas ändert.
