Jupiter ist eines der wichtigsten Projekte im Solana-Ökosystem. Was als DEX-Aggregator begann, soll nun zur Super-App für On-Chain Finance weiter ausgebaut werden – mit Trading, Lending, Prediction Markets, Stablecoin-Payments und langfristig sogar On-Chain-IPOs.
“Die Super-App ist eine Vision, die eigentlich ganz organisch entstanden ist”, sagt Jupiter-Präsident Xiao-Xiao Zhu im Gespräch mit BTC-ECHO auf dem Solana Summit Germany in Berlin. Am Anfang sei Jupiter vor allem “der führende DEX Aggregator” gewesen. Man habe “die ganzen DEX-Volumes, die Liquidity und die Nachfrage aggregiert”. Doch mit der Zeit hat das Team viele weitere Nutzerbedürfnisse erkannt, die eng mit dem bestehenden Produkt zusammenhängen. So sind inzwischen über 20 Produkte live und das bei einem On-Chain-Tradingvolumen von über 1,2 Billionen US-Dollar im Jahr 2025.
Ethereum: Fragmentierung als Schwachstelle?
Jupiter will eine Schwäche adressieren, die Zhu vor allem im Ethereum-Ökosystem sieht: die Fragmentierung von DeFi. Wer dort leihen möchte, gehe zu Aave. Wer swappen möchte, nutze vielleicht MetaMask oder 1inch. Für Prediction Markets gehe man zu Polymarket auf Polygon. “Für jedes dieser einzelnen Use Cases musst du eine neue App aufmachen. Du musst dich neu registrieren, du musst ein neues Wallet kreieren, du musst die Wallets eventuell connecten.”
Hier sieht Zhu den Vorteil einer Super-App auf Solana. Zentralisierte Börsen wie Binance oder Coinbase hätten nicht nur wegen ihrer Infrastruktur Erfolg, sondern weil sie verschiedene Finanzbedürfnisse in einer Nutzeroberfläche bündeln. “Warum es immer noch einen großen Gap gibt, ist, weil sehr viele dieser zentralisierten Börsen wirklich als eine Super-App aufgebaut sind.”
Zugleich sei der technische Vorsprung zentralisierter Plattformen kleiner geworden. “Von einer puren Infrastruktur- und Exekutionsperspektive gibt es heute keine großen Unterschiede mehr zwischen Centralized Exchange und Decentralized Venues.” Bei Solana könne On-Chain-Execution heute bereits konkurrenzfähig oder sogar besser sein, erklärt Zhu.
Das Zuhause für On-Chain Finance auf Solana
Das Ziel von Zhu: “Wir wollen dahin kommen, dass Jupiter zum Zuhause für On-Chain Finance auf Solana wird.” Allerdings wehrt er sich gegen die Interpretation, Jupiter wolle zum Gatekeeper des Solana-Ökosystems werden. “Wir sind sehr sensitiv bei dem Wort Technologie-Gatekeeper. Das wollen wir auf keinen Fall sein.” Der Unterschied zu zentralisierten Plattformen liege darin, dass Jupiter keine Kundengelder und keine Nutzerdaten kontrolliere.
Für Zhu ist Jupiter daher ein Infrastruktur- und Produktaggregator. “Wir sehen uns überhaupt nicht als Gatekeeper, sondern als Aggregator von den besten Produkten und Applikationen, die vollständig auf On-Chain-Rails gebaut werden.” Während Robinhood für ihn eine Web2-Financial-Super-App ist und Binance oder Coinbase klassische Web3-Super-Apps darstellen, spricht Zhu bei Jupiter von “Web4” – als nächste Evolutionsstufe dessen, was Krypto eigentlich sein sollte: “permissionless, decentralized, self-custodial technology, that empowers people around the world.”
Jupiter an der Supermarktkasse
Zu dieser Strategie gehört auch Jupiter Global, das Zhu als Verbindung zwischen On-Chain Finance und Alltagsfinanzen beschreibt. “Das ist unser Neobank-Play”, sagt er. Nutzer sollen mit On-Chain-Guthaben und Self Custody künftig alltägliche Zahlungen leisten können, etwa über eine Jupiter Card, die zu Apple Wallet oder WeChat Pay zugefügt werden kann. Für den Händler müsse dabei nicht sichtbar sein, dass die Abwicklung im Hintergrund über Stablecoins und On-Chain-Rails erfolgt. “Der Händler weiß eigentlich gar nicht, dass da letztlich auf Stablecoin und On-Chain-Rails die Transaktionen gesettelt sind.”
Besonders stark sieht Zhu das Potenzial bei Stablecoin Payments. “Es ist schneller, es ist billiger. Gerade dann auch Cross-Border-Remittances. Es ist einfach besser, auf On-Chain-Rails Beträge zu schicken.” Vor allem in Emerging Markets beobachte Jupiter starke Nachfrage: “Das geht durch die Decke.”
Prediction Markets, Lending und ein neuer institutioneller Fokus
Neben Payments sollen auch Prediction Markets und Lending zentrale Bestandteile der Plattform werden. Prediction Markets bezeichnet Zhu als einen der am schnellsten wachsenden Bereiche. Bei Jupiter Lend verweist er auf wichtige Partnerschaften: “Als wir den neuen Jupiter Lend Market mit Bitwise und Ethena aufgebaut haben, haben wir innerhalb von 48 Stunden über 550 Millionen US-Dollar TVL bekommen.”
Die institutionelle Nutzung spielt ebenfalls eine Rolle, aber nicht als Selbstzweck. “Institutional on itself ist kein Selbstzweck”, sagt Zhu. Institutionelle Partner würden deshalb mit Jupiter zusammenarbeiten, weil das Projekt bereits über einen großen Nutzerstamm und eine hohe Liquidität verfügt. Langfristig sieht Zhu Jupiter deshalb als eine Plattform, die zunächst Retail-Anwendungen baut und daraus größere institutionelle Anwendungsfälle erschließt.
Die nächsten Schritte: “Access, Exchange und dann Creation”
Seine große Vision fasst Zhu in drei Begriffen zusammen: “Universal Accessibility, Universal Exchange of Assets und Universal Creation of Assets.” Erstens soll jeder über On-Chain-Produkte partizipieren können. Zweitens soll jedes Asset gegen jedes andere Asset On-Chain handelbar werden. Drittens sollen Assets langfristig direkt On-Chain entstehen.
Insbesondere dieser dritte Punkt ist für Zhu spannend. “Langfristig glaube ich, was wirklich interessant ist, ist dann Asset Creation fully On-Chain.” Dabei gehe es nicht nur darum, bestehende Aktien oder Fonds als Token abzubilden, sondern um Unternehmen, die “direkt an ein On-Chain-Venue” gehen – inklusive Governance und Shareholder-Strukturen.
Noch sei das Zukunftsmusik. “Das ist eine langfristige Vision, da sind wir noch nicht, aber wir fangen jetzt an, die Puzzlestücke dafür zusammenzusetzen”, sagt Zhu. Die Reihenfolge sei klar: “Access, Exchange und dann Creation.”
