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3 Fragen an Holger von Krosigk: Bringt uns Bitcoin die Sparkultur zurück?

Wir haben mit Ex-Proskater und Bitcoin-Enthusiast Holger von Krosigk über tote Sparkultur im Fiatgeldsystem gesprochen. Wieso sind Bitcoiner sparsamer als der Mainstream?

David Scheider
 |  Lesezeit: 3 Minuten
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Holger von Krosigk

Quelle: Holger von Krosigk / Knucklerkane

| Holger von Krosigk.

Bitcoin ist gelebte Sparkultur. Das behauptet zumindest Holger von Krosigk. Wir haben den Blog-Autor und eingefleischten Bitcoiner zum Interview getroffen. Einen kleinen Auszug findet ihr hier.

BTC-ECHO: Inflation, Niedrigzinsen, Schuldgeldsystem: Sparen wird auf allen Fronten disincentiviert. Kann Bitcoin eine neue Sparkultur begründen?

Holger von Krosigk: Ja, auf jeden Fall. Und das schöne ist: Das geht völlig organisch aus dem Bitcoin-System hervor. Schließlich erlaubt Bitcoin Menschen zum ersten Mal einen exakt berechenbaren Anteil an einem Gut zu kaufen und ohne Verwässerung aufzubewahren. […] Alles, was du besitzt, ist ein Anteil von 21 Millionen.

Bitcoiner machen im Gegensatz zum Mainstream eben keinen Kult um Konsum, sondern eher darum, möglichst wenig auszugeben – das in der heutigen Zeit zu erleben, ist wirklich einzigartig. Dass hier auch ein kultureller Aspekt mitschwingt, sieht man auch an den ganzen Memes, die entstehen wie etwa “Stacking Sats”, “Hodl” oder “Buy the Dip”. Das ist meiner Meinung nach mehr, als nur intelligentes auszutricksen des Marktes; das ist eine echte Sparkultur. […]

BTC-ECHO: Wieso ist Sparen nicht nur auf einer individuellen, sondern auch auf einer gesellschaftlichen Ebene sinnvoll?

Holger von Krosigk: Sparen ist eine fundamentale, ökonomische Handlung, die es erlaubt, überhaupt erst Kapital zu bilden. Das ist am Ende auch die Grundlage für Fortschritt und Wohlstand. Für Ludwig von Mises war sparen Grundlage menschlicher Zivilisation. Er war der Meinung, dass man ohne das Akkumulieren von Kapital nicht nur kein materielles Ziel erreichen kann, sondern auch kein immaterielles – eine tiefgreifende Aussage hinsichtlich der Kultur hinter dem Sparen.

Auch der Soziologe Max Weber hat sich mit dem Sparen beschäftigt. Er hat darin gelebte Zurückhaltung gesehen, sich eben nicht allen Impulsen hinzugeben. Hier gibt es sogar Überschneidungen zum Religiösen. Max Weber hat ja auch den Protestantismus untersucht, in dem dieser asketische Lebensstil quasi automatisch Sparsamkeit mit sich bringt. Das hat dann indirekt dazu geführt, dass auch der Protestantismus zu Kapitalakkumulation geführt hat – und so sogar den modernen Kapitalismus begründet hat. Bitcoiner wollen letztlich Kapital anhäufen und gelangen so indirekt auch zu einer Art asketischem Lebensstil.

BTC-ECHO: Die Zeitpräferenz ist im Bitcoin-Sektor eine wichtige ökonomische Größe. Was hat eine geringe Zeitpräferenz mit Sparsamkeit im Bitcoin Space zu tun?

Holger von Krosigk: Am Ende hat jede ökonomische Handlung Opportunitätskosten. Schließlich kann es in der Zukunft immer noch besser werden, als heute. Anders formuliert: Die BTC können in der Zukunft eben mehr Kaufkraft haben. Niedrige Zeitpräferenzen sind daher auch eine schöne Haltung, weil man zeigt, dass man an eine bessere Zukunft glaubt. Die Website bitcoinorshit.com ist genau diesen Opportunitätskosten des Konsums gewidmet. Dort kann man sehen, wie viel Geld man in der Tasche hätte, wenn man bestimmte Gegenstände eben nicht gekauft hätte.

Quelle: bitcoinorshit.com.

Wenn man beispielsweise 2012 anstatt eines iPad Mini Bitcoin gekauft hätte, würde man im Besitz von 109,3 BTC oder umgerechnet 4 Millionen US-Dollar sein. Der Grund, weshalb viele Menschen bei Bitcoin niedrige Zeitpräferenzen haben, ist der, dass es eben diese 100-prozentige Garantie gibt, einen bestimmten Anteil an etwas Gesamtem zu haben.

Das gesamte Interview mit Holger von Krosigk findet ihr in unserem Podcast-Bereich.

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