Während Bitcoin sich im Bärenmarkt befindet, notiert Gold unweit des vor kurzem erreichten Allzeithochs und zeigt weiterhin eine beeindruckende Stärke. In einem Umfeld, das von geopolitischen Spannungen, hartnäckiger Inflation und hoher Unsicherheit geprägt ist, rückt das Edelmetall für immer mehr Anleger in den Fokus. Doch eine Investition in physisches Gold ist umständlich, und die Kursentwicklung von Minenaktien hängt von vielen zusätzlichen Faktoren ab. Gold-ETFs sind in Deutschland zudem nicht handelbar. Für Investoren stellt sich daher die Frage: Wie lässt sich das so renditestarke Edelmetall ins Portfolio holen, ohne sich mit Lagerung, Transport, Stückelungen und anderen logistischen Unannehmlichkeiten herumzuschlagen? Als vergleichsweise risikoarme und komfortable Alternative bleiben vor allem ETCs (Exchange Traded Commodities). Allerdings ermöglichen auch goldgedeckte Token wie Tether Gold (XAUT) und Pax Gold (PAXG) einen unkomplizierten Handel – und bieten darüber hinaus weitere Vorteile.
Was sind Gold-Stablecoins eigentlich?
Goldgedeckte Stablecoins sind digitale Token, deren Wert an den Goldpreis gekoppelt ist. Wie USDT oder USDC beispielsweise den US-Dollar oder EURC den Euro abbilden, repräsentieren XAUT und Co. den Goldpreis. Der Grundmechanismus ist simpel: Der Emittent verspricht, dass jedem Token eine definierte Menge physischen Goldes gegenübersteht, die in Tresoren verwahrt wird.
Steigt der Goldpreis, steigt auch der Tokenpreis. In der Praxis handelt es sich also um einen digitalen Zugang zu Gold, der sich über Krypto-Börsen handeln lässt und die Übertragbarkeit der Blockchain nutzt. Bei den beiden größten Produkten ist die Einheit identisch. Sowohl XAUT als auch PAXG stehen jeweils für eine Feinunze Gold.
Quelle: Coingecko
XAUT und PAXG im Vergleich
XAUT ist Tethers Gold-Pendant zu USDT. Laut den Produktinformationen von Tether sind die Barren identifizierbar und können über Angaben wie Seriennummer, Gewicht und Reinheit zugeordnet werden. Tether weist außerdem darauf hin, dass der direkte Erwerb über die Plattform an Mindestmengen geknüpft sein kann, was XAUT für Privatanleger häufig zu einem Börsenprodukt macht: Man kauft den Token in der Regel nicht beim Emittenten selbst, sondern über Krypto-Börsen wie Bitpanda oder Coinbase.
PAXG wird von Paxos herausgegeben. Das Unternehmen erklärt, dass jeder Token durch eine Feinunze physisches Gold gedeckt ist, die in LBMA-zugelassenen Tresoren in London verwahrt wird. Die LBMA ist die London Bullion Market Association, ein Branchenverband, der Standards für den globalen Handel mit Gold und Silber setzt und unter anderem Raffinerien sowie Tresore (Vaults) zertifiziert. Zusätzlich verweist Paxos auf regelmäßige Attestierungen und bietet Möglichkeiten, die Zuordnung des Goldes beziehungsweise die Token-Deckung einzusehen.
Beide Produkte gelten grundsätzlich als etablierte, liquide Platzhirsche unter den Gold-Token und sind für eine überschaubare Goldposition im Krypto-Portfolio daher eine solide Option.
Was bringt die Blockchain bei Gold wirklich?
Der größte praktische Vorteil der Blockchain liegt hier jedoch weniger in der oft beschworenen Transparenz, sondern in der Bedienbarkeit. Tokenisiertes Gold ist in Bruchteilen handelbar, kann in Wallets gehalten und über Blockchains transferiert werden. Hinzu kommt der 24/7-Handel. Während klassische Goldmärkte und Abwicklungsprozesse an Öffnungszeiten gebunden sind, ist der Transfer eines Tokens rund um die Uhr möglich.
Ein weiterer Unterschied zu klassischem Gold liegt in der Weiterverwendung im DeFi-Ökosystem. Gold-Token können, abhängig von Plattform und Protokoll, als Sicherheit für Kredite genutzt oder in Lending-Strukturen eingebunden werden. Hierbei sollte man sich jedoch stets der damit einhergehenden zusätzlichen Smart-Contract- und Plattformrisiko bewusst sein.
Risiken: Nicht alles Gold, was glänzt
XAUT, PAXG und Co. verbinden die klassische Rolle von Gold als stabiles Wertaufbewahrungsmittel mit der Handlichkeit von Blockchains. Für kryptoaffine Privatanleger kann das eine sinnvolle Ergänzung zur Diversifizierung sein, zumal sich die Token je nach Plattform auch verleihen lassen und so zusätzliche Ertragschancen eröffnen. Genau dieser Renditeaspekt hat jedoch eine Kehrseite: Wer Gold-Token in Lending-Strukturen einbindet, erhöht das Risiko deutlich. Die Pleiten von BlockFi und Celsius haben gezeigt, wie schnell solche Modelle kippen können. Dazu kommen technische Risiken wie Hacks und andere Cyberangriffe, die bei digitalen Vermögenswerten immer eine Angriffsfläche darstellen.
Für extreme, wenngleich sehr unwahrscheinliche Szenarien wie Hyperinflation, eine globale Bankenkrise oder gar den Kollaps des Fiat-Systems taugen Gold-Token allerdings ebenso wenig wie börsengehandelte Goldprodukte. Wer genau für solche Ausnahmefälle vorsorgen will, fährt mit physischem Gold in eigener Verwahrung am besten, weil dort kein Gegenparteienrisiko besteht. In einem historischen Extremfall wie dem Goldverbot in den USA im Jahr 1933, das per Executive Order unter Franklin D. Roosevelt durchgesetzt wurde, wären zentral organisierte Strukturen zudem leichter angreifbar: Emittenten wie Tether oder Paxos, aber auch klassische Verwahrer und Finanzdienstleister, könnten mit ihren Beständen einfacher identifiziert und beschlagnahmt werden. Für Anleger, die im Krypto-Space zu Hause sind und lediglich eine überschaubare Goldposition eingehen und dabei flexibel bleiben möchten, können XAUT und PAXG jedoch eine interessante Option sein.


