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Mikrotransaktionen 2.0 Gamer vs NFTs: Woher kommt der Unmut?

Die Gaming-Community hat sich in den vergangenen Monaten sehr deutlich gegen die NFT-Pläne großer Spielvertriebe gestellt. Entwickler:innen sehen NFTs ebenfalls mehrheitlich kritisch. Die Gründe dafür liegen allen voran in den vermeintlichen Beweggründen der Publisher.

Anton Livshits
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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Gaming Messe NFT

Quelle: Picture Alliance

| Der Blizzard-Stand auf einer Spiele-Messe in Shanghai, China.

Ob League of Legends oder Fortnite, das Geschäft mit virtuellen Gegenständen in Videospielen boomt. Zwar verändern diese Items oftmals nur das Aussehen von Waffen oder der eigenen Spielfigur. Die sogenannten Micro-Transactions haben sich dennoch zu einem ernstzunehmenden Monetarisierungsmodell für Spiele aufgeschwungen, die ansonsten entweder für einen Festpreis erhältlich waren oder gänzlich kostenfrei. Valve, das Unternehmen hinter der Gaming-Plattform Steam, geht bereits einen Schritt weiter. Hinter Titeln wie Counter-Strike: Global Offensive und Dota 2 entstanden ganze Märkte, in denen die Gegenstände verkauft und gehandelt werden. Wäre die Einführung von NFTs hier nicht der nächste logische Schritt?

So dachten zumindest die großen Vertriebsfirmen. Unternehmen wie Ubisoft begannen Experimente mit NFT-Plattformen. GSC Game World hatte für seinen heiß erwarteten Shooter-Titel Stalker 2 gar weitreichendere Pläne. Denn die Kopplung von Spielgegenständen an NFTs hätte dem Spiel perspektivisch sogar den Weg ins Metaverse bereitet.

In beiden Fällen ging die Gaming-Community auf die Barrikaden. Einen Ankündigungs-Trailer für Ubisofts “Quartz”-Plattform flutete sie mit Dislikes und auch bei Stalker 2 taten sie ihren Unmut öffentlichkeitswirksam kund. Die Konsequenz: Ubisoft sei von den Negativschlagzeilen überrascht gewesen, gab aber gegenüber BTC-ECHO an, dass man mit Unterstützung einer “starken, aber eher stillen Community” weitermachen werde. GSC Game World ruderte indes zurück. Auf Twitter verlautbarte das Unternehmen ein Aus sämtlicher NFT-Pläne für Stalker 2.

Doch woher kommt der Unmut der Community? Und wie stehen Spielentwickler:innen zu den Plänen ihrer Vertriebsfirmen?

Entwicklerstudios halten nicht viel von NFTs

Was letztere Frage angeht, liefert eine neue Befragung recht deutliche Ergebnisse. Im Vorfeld der Game Developers Conference in San Francisco führten die Veranstalter:innen eine Umfrage unter 2.700 Developern durch. Auch NFTs und das Bezahlen mit Kryptowährungen standen auf dem Fragebogen.

Bei beiden Punkten offenbarte sich eine anhaltende Ablehnung. Bei der Integration von NFTs lag diese bei 70 und bei Krypto-Zahlungen bei 72 Prozent. Lediglich 28 Prozent gaben an, wenigstens ein Stück weit an NFT-Angeboten in ihren Videospielen Interesse zu haben. Bei den Krypto-Zahlungen lag der Wert bei 27 Prozent. Die Autor:innen der Studie stellen hier dennoch einen Interessensanstieg fest.

Das Gaming-Nachrichtenportal Kotaku veröffentlichte zudem einige Äußerungen, die man im Zuge der Umfrage in anonymisierter Form mit erhoben hatte. In puncto NFTs ist ein Statement besonders interessant:

Sie werden einen Keil in das Herz dieser Branche treiben. Es wird sehr deutlich werden, was die Beweggründe der Leute sind, und das wird nicht schön sein.

Die hier anklingende Frage nach den Beweggründen hinter der NFT-Implementation scheint entscheidend für die gesamte Debatte. Sie führt uns wieder zur Gaming-Community zurück.

Gamer noch nie Fans von Micro-Transactions

Im Zuge ihrer Recherche zu dem Thema sprach die New York Times mit einigen Community-Mitgliedern. Ihre Statements zeichnen ein deutliches Bild. Denn die Kritik der Gamer an NFTs speist sich nicht primär aus einem mangelnden Verständnis der Technologie. Den meisten geht es eher darum, dass mit der Einführung von NFTs keine spielerischen Neuerungen verbunden sind. Im Vordergrund stünde einzig die Maximierung von Profit. Einen Spieler, der sich am Online-Protest gegen die NFT-Pläne bei Stalker 2 beteiligt hatte, zitierte die Zeitung folgendermaßen:

Das Studio hat seine Popularität missbraucht. Es ist so offensichtlich, dass es auf Profit aus ist, anstatt einfach ein schönes Spiel zu entwickeln.

Diese Kritik ist – so die Times – indessen kein neues Phänomen. Denn die zunehmende Monetarisierung von zusätzlichen Inhalten und der Siegeszug der Micro-Transactions ist der Gaming-Community schon länger ein Dorn im Auge. In der NFT-Integration erkennen sie demnach die unmittelbare Fortsetzung dieses Trends.

In den letzten 10 Jahren haben wir alle Arten von Plänen gesehen, und wir sind es leid,

äußerte ein weiterer befragter Gamer. Wollen die Spielvertriebe ihre NFT-Pläne doch noch der Community schmackhaft machen, müssen sie wohl andere Wege gehen als bisher.

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