Coin-Vorstellung Filecoin (FIL) – trotz Fehlstart ein Investment wert?
Christopher Klee

von Christopher Klee

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Fielcoin Münze umgeben von gesprengtem Asphalt

Quelle: Shutterstock

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Es war das größte ICO in 2017: Satte 200 Millionen US-Dollar konnte Filecoin damals beim Verkauf seiner FIL-Token einnehmen. Zuvor hatte das Projekt bereits 57 Millionen US-Dollar im privaten Pre-Sale eingesammelt. Mitte Oktober ging das Mainnet von Filecoin an den Start. Die Mission: Die weltweite Speicherung von Daten und das Internet als solches zu dezentralisieren.

Filecoin ist das zweite Mammut-Projekt des Programmierers Juan Benet und seinem Unternehmen Protocol Labs. Der 32-Jährige ist der Erfinder des Interplanetary File System (IPFS). Das IFPS ist ein Peer-to-Peer-Netzwerk für das dezentrale Speichern und Bereitstellen von Daten, ähnlich dem BitTorrent-Protokoll. Das IPFS ermöglicht unter anderem das Spiegeln von Websites, die in einzelnen Regionen der Welt gesperrt sind. Als der türkische Präsident Erdogan im April 2017 Wikipedia auf die Zensurliste setzte, erstellten „Hacktivisten“ mittels IPFS beispielsweise eine zensurresistente Kopie des Internet-Almanachs.


Mit Filecoin hat Benet eine Ergänzung zum IPFS geschaffen, die den Aspekt der dezentralen Datenverwaltung um ein Anreizmodell erweitert, das Belohnungen für die Bereitstellung von Speicherplatz und Daten vorsieht. Letztlich zielt Filecoin damit auf den Markt der Cloud-Speicherung von Daten, der bislang fest in der Hand von Giganten wie Google, Microsoft und Amazon (Web Services) ist. Deren zentralisierter Server-Infrastruktur setzt Filecoin ein dezentrales und offenes Netzwerk von Speicher-Anbietern entgegen.

So funktioniert der dezentrale Speicher-Marktplatz

Wer seine Daten im Filecoin-Netzwerk sichern möchte, macht dafür zunächst eine Art Ausschreibung auf der Filecoin Blockchain. Darin legt der Nutzer fest, wie viel Speicherplatz er für welchen Zeitraum benötigt und was er bereit ist, dafür zu zahlen. Die Gebühr ist dabei vergleichbar mit den Netzwerkgebühren bei Bitcoin oder den Gas Fees von Ethereum, die an die Miner fließen und diese für ihren Rechenaufwand entlohnen.

Während bei Ethereum und Bitcoin das Netzwerk durch die kombinierte Rechenpower der Miner gesichert wird – Stichwort: Hash Rate – dreht sich bei Filecoin alles um die Speicherkapazität.

So gibt es zwei unterschiedliche Arten von Filecoin Minern: Storage Miner und Retrieval Miner. Die Storage Miner sind für die sichere Verwahrung der Daten zuständig. Um am Netzwerk teilnehmen zu können, müssen sie Filecoin als Sicherheitspfand (Collateral) hinterlegen. Dabei gilt: Je mehr Speicherkapazität ein Storage Miner ins Filecoin-Netzwerk einbringen will, desto mehr FIL muss er dafür hinterlegen. Optional können Miner, auch einen Teil ihrer künftigen Block-Rewards für den Collateral reservieren. Darüber hinaus muss ein Storage Miner auch innerhalb eines Deals einen Collateral hinterlegen. Dabei hat er die Möglichkeit, seinen Collateral höher als das im Protokoll festgelegte Minimum anzusetzen, um seine Zuverlässigkeit zu unterstreichen. Das Filecoin-Netzwerk überprüft über den gesamten Zeitraum des Deals regelmäßig, ob der Miner noch in Besitz der Daten ist (Proof of Replication). Sollte dem nicht so sein, verliert der Miner einen Teil seines Collaterals.

Will ein Nutzer seine Daten wieder aus dem Netzwerk herunterladen, kommen die Retrieval Miner ins Spiel. Sie sind für die schnelle Bereitstellung der Daten aus dem Filecoin Netzwerk verantwortlich. Retrieval Miner können gleichzeitig auch Storage Miner sein. Der Nutzer wird auch bei der Wiederbeschaffung zur Kasse gebeten. Dabei gilt: Je schneller er seine Daten benötigt, desto mehr FIL muss er den Retrieval Minern dafür anbieten. 

FIL Token: Investment Case

Ohne den FIL-Token geht bei Filecoin nichts. Am privaten Vorverkauf des FIL-Token im Jahr 2017 waren namhafte Wagniskapitalgeber wie Union Square Ventures, Winklevoss Capital und OpenAI-CEO Sam Altman, damals noch Präsident der Start-up-Schmiede Y Combinator, mit von der Partie. Der erste öffentliche Verkauf von FIL-Token (beziehungsweise SAFTs, Simple Agreement for Future Tokens) richtete sich ausschließlich an akkreditierte US-amerikanische Investoren mit einem Einkommen von über 100.000 US-Dollar. Offenbar konnte Benet sie mit seinem Ansatz überzeugen: Mit 257 Millionen US-Dollar (52 Millionen US-Dollar davon aus dem Pre-Sale) war das Filecoin ICO eines der erfolgreichsten im Krypto-Space.

Entsprechend hoch waren die Erwartungen beim Mainnet-Launch am 15. Oktober. Auf den – man ist geneigt zu sagen: obligatorischen – Pump zum Mainnet-Start folgte bereits am nächsten Tag der Dump, der den Filecoin-Kurs und mit ihm die Herzen seiner Investoren gegen Süden rutschen ließ. So stürzte FIL innerhalb kürzester Zeit von über 130 US-Dollar auf weniger als 30 US-Dollar. Dass sich wenige Tage nach dem Start bereits einige große Miner über die Token-Ökonomie beschwert haben, half da nicht gerade. Die Miner beklagten eine zu langsame Ausschüttung der Mining Rewards: Diese sollten ursprünglich über einen Zeitraum von 180 Tagen ausgeschüttet werden. Das führte offenbar zu Liquiditätsengpässen bei den Minern. Protocol Labs reagierte mit einer Protokolländerung: Miner erhalten nun 25 Prozent der Mining Rewards direkt. 


Zentralisierungsbedenken 

Hier offenbart sich einer der größten Kritikpunkte, die man an Filecoin anbringen kann: Noch hat Protocol Labs einen erheblichen Einfluss auf das Filecoin-Protokoll – hätte das Netzwerk eine dezentrale Governance wäre eine so schnelle Änderung bei der Tokenökonomie nicht möglich gewesen. Auch bei den Filecoin-Holdern lässt sich eine Zentralisierung konstatieren. Protocol Labs hält auf vier Adressen jeweils 50 Millionen FIL, 100 Millionen FIL gehen auf das Konto der Filecoin Foundation, die eines Tages die Netzwerk-Governance übernehmen soll.

Einen großen „Dump“ muss man dabei jedoch nicht befürchten: Die Token werden über einen Zeitraum von sechs Jahren an die beiden Organisationen ausgeschüttet.

 Grafik: Besitzanteil der Gründer verglichen mit anderen Krypto-Netzwerken. Quelle: https://medium.com/@ryanshea/the-economics-of-filecoin-a8d826774674

Der Löwenanteil des Gesamt-Supply von zwei Milliarden Token bleibt mit 70 Prozent jedoch für die Miner reserviert. Die Schöpfungsrate von FIL sinkt kontinuierlich und wird nicht wie bei Bitcoin alle vier Jahre halbiert. Stattdessen erfolgt eine monatliche Anpassung, die auf eine „Halbwertszeit“ von sechs Jahren hinausläuft.

Grafik: Grafik: Wachstum der FIL-Umlaufmenge im Vergleich mit BTC, ZEC und ETH

Filecoin bietet durchaus einige Gründe für eine Long-Position. Neben der prall gefüllten „Kriegskasse“ des Projekts und seiner prominenten Wagniskapitalgeber hat Filecoin auch einen echten, wenn auch sehr ambitionierten Use Case. Es könnte die Speicherbasis für jene dezentralen Anwendungen (dApps) bilden, die bislang noch auf zentralisierte Dienste zurückgreifen. Die Weichen dafür sind mit der Ende Oktober verkündete Kooperation mit den Ethereum-Entwicklern von ConsenSys bereits gestellt. Überdies hat Benet mit dem IPFS bereits bewiesen, dass er liefern kann. Auch sein Unternehmen Protocol Labs ist bislang eine Erfolgsgeschichte: Mittlerweile zählt das 2014 gegründete Unternehmen über 100 Mitarbeiter.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Novemberausgabe des Kryptokompass.



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