Ethereum hat seine Anleger monatelang auf die Probe gestellt. Trotzdem halten Analysten an einer Marke fest, die im aktuellen Umfeld utopisch klingt: 10.000 US-Dollar. Was müsste passieren, damit aus dieser Zahl mehr wird als eine reine Vorstellung? BTC-ECHO hat bei Marktexperten nachgefragt.
Ein harter Absturz, ein frustrierter Gründer
Ethereum notiert bei rund 2.450 US-Dollar, etwa die Hälfte unter dem Allzeithoch von knapp 4.950 US-Dollar aus dem August 2025. Dazwischen liegt ein drastischer Abverkauf, der den Kurs zeitweise bis in den Bereich von 1.420 bis 1.560 US-Dollar drückte.
Parallel dazu trennte sich Mitgründer Vitalik Buterin über Monate hinweg von größeren ETH-Beständen. Laut Arkham-Daten verkaufte er allein im Februar rund 17.000 ETH im damaligen Gegenwert von etwa 43 Millionen US-Dollar. Buterin betont, seit 2018 keine ETH für persönliche Zwecke verkauft zu haben. Die Erlöse seien in ökosystemrelevante Projekte geflossen. Timing und Häufigkeit sorgten in der Community dennoch für Unsicherheit.
Doch das waren nicht die einzigen Probleme im Ökosystem der zweitgrößten Kryptowährung. Bereits im Februar liefen Insider-Verkäufe und Fundamentaldaten auseinander. Die Aktivität im Netzwerk verzeichnete damals zwar einen Höchststand, doch lag das vornehmlich an langen Wartezeiten beim Staking. Nutzer mussten sich damals teils wochenlang gedulden, ehe sie ihre ETH verkaufen konnten.
Wo die 10.000 US-Dollar-These herkommt
Dass Ethereum zu dem Zeitpunkt nochmal ernsthaft in den Bereich der 10.000 US-Dollar vorstoßen würde, hätten viele Anleger wohl als reines Wunschdenken abgetan. Doch so mancher Analyst ließ sich auch trotz der Hürden nicht von Mondprognosen abbringen.
Am weitesten aus dem Fenster lehnt sich Standard Chartered. Ende 2025 stand ein Ziel von 10.000 US-Dollar im Raum, im März 2026 kappte Analyst Geoff Kendrick es auf 4.000 US-Dollar und sprach von einem strukturellen Niedergang, weil Layer-2-Netzwerke wie Coinbases Base der Mainchain Gebühreneinnahmen entziehen. Heute liegt sein Ziel bei 7.500 US-Dollar für Ende 2026 und 40.000 US-Dollar bis 2030. Ethereum verhalte sich wie Amazon nach dem Dotcom-Crash, so seine Begründung: Die Aktie brach 2001 ein, während sich die operativen Kennzahlen verbesserten.
Die 10.000er-Marke selbst nennt vor allem Arthur Hayes, Mitgründer von BitMEX. Er sieht ETH bis zur US-Wahl 2028 zwischen 10.000 und 20.000 US-Dollar. Wie weit die Einschätzungen auseinandergehen, zeigt der Blick auf die Grafik.
ETFs liefern starke Argumente, doch wie lange?
Kurzfristig liefert der ETF-Markt die stärksten Argumente. Nach Angaben von Luke Nolan, Senior Research Associate bei CoinShares, verzeichneten die Ethereum-ETFs gerade ihren stärksten Monat seit August 2025 und sammelten in den vergangenen 14 Handelstagen 1,42 Milliarden US-Dollar ein. Über zwei Jahre Handel summieren sich die kumulierten Zuflüsse auf 12 bis 13 Milliarden US-Dollar. “Hält sich der Gesamtmarkt, halte ich die derzeitigen Zuflüsse für nachhaltig und sehe sogar Potenzial für eine Beschleunigung”, sagt Nolan gegenüber BTC-ECHO.
Auch charttechnisch mehren sich positive Stimmen. Der Trader DonAlt, bekannt durch seine frühe Prognose der XRP-Rallye von rund 700 Prozent, bezeichnet die Tagesstruktur von Ethereum als sauberstes Chart im gesamten Krypto-Markt. Nach dem Ausbruch über 2.400 US-Dollar sieht er das nächste Ziel bei 2.816 US-Dollar, mittelfristig bei 3.800 bis 4.000 US-Dollar.
Was für 10.000 US-Dollar wirklich nötig wäre
Die entscheidende Rechnung liefert Nolan gleich mit. Ein ETH-Kurs von 10.000 US-Dollar entspräche einer Marktkapitalisierung von 1,21 Billionen US-Dollar, rund 77 Prozent der heutigen Bitcoin-Marktkapitalisierung.
“Dafür bräuchte es eine ausgeprägte spekulative Manie, wie wir sie seit 2021 nicht mehr gesehen haben”, sagt Nolan. Möglich sei das durchaus. Wie viel spekulatives Kapital tatsächlich fließen könnte, lasse sich aber schwer abschätzen. In der fundamentalen Fünf-Jahres-Bewertung von CoinShares liegt die Marke zwischen Basis- und Bull-Case.
Damit hängt die Frage an mehreren Bedingungen gleichzeitig. Die ETF-Nachfrage müsste ihr Tempo halten, das für Ende des Jahres geplante Glamsterdam-Upgrade müsste die Netzwerknutzung spürbar steigern, und Ethereum bräuchte eine Antwort auf das Layer-2-Problem, das Kendrick als zentrales Hindernis benennt. Vor allem aber bräuchte es laut Nolan etwas, das sich nicht planen lässt: einen Spekulationsschub, wie ihn der Markt zuletzt vor fünf Jahren gesehen hat.
