Elon Musk ist ein Visionär, der versucht, die Zukunft vorwegzunehmen. Indem er beispielsweise Missionen zum Mars plant, oder wie vergangene Woche gegenüber “The Economist” behauptet, dass Geld in zehn Jahren keine Rolle mehr spielen werde. Doch wie kommt er darauf, dass es schon bald kein Geld mehr braucht, und warum könnte das gut für Bitcoin und Krypto sein?
Die KI-These aus dem Silicon Valley
In seiner Begründung orientiert sich Elon Musk an einer Einschätzung, die aktuell viele Tech-Vertreter teilen. Auch der neue US-Notenbankpräsident Kevin Warsh erwartet, dass KI-Fortschritte die wirtschaftliche Produktivität deutlich erhöhen werden. Musk geht allerdings noch weiter und prognostiziert, dass wir dadurch in eine massive Deflation rutschen. Die Verfügbarkeit von Waren und Dienstleistungen werde derart zunehmen, dass ein Angebotsüberhang die Preise fallen lässt.
Wie Musk im Interview betont, könnte der Staat mit dem Gelddrucken kaum hinterherkommen. Die Folge wären Formen von Helikoptergeld, wie wir sie zuletzt während der Corona-Pandemie gesehen haben. In der Endphase dieses Szenarios, die er bereits in zehn bis zwanzig Jahren erwartet, wäre unser Geld in seiner heutigen Form zum Erwerb von Waren und Dienstleistungen weitgehend obsolet. Daraus ergeben sich zwei Argumente, warum Krypto von dieser Entwicklung profitieren könnte.
Nie mehr Inflation?
In einer Welt, in der Waren und Dienstleistungen im Überfluss existieren und die Geldmenge deutlich stärker ausgeweitet wird, gewinnt Knappheit als Wertargument an Bedeutung. Bitcoin stellt damit die investive Antithese zur expansiven geldpolitischen Antwort auf das deflationäre Szenario dar.
Musk geht davon aus, dass die Geldmenge stark steigen kann, ohne Inflation auszulösen, sofern das Angebot an Waren und Dienstleistungen noch schneller wächst. Da der Bitcoin-Kurs historisch eng mit der globalen Liquidität zusammenhing, könnte eine derart expansive Geldpolitik einen deutlichen Kursanstieg begünstigen.
Nicht nur Bitcoin, sondern auch Krypto
Losgelöst von der Deflationsthese ist ein weiterer Aspekt seiner Argumentation entscheidend, der nicht nur bullish für Bitcoin, sondern für Krypto insgesamt ist. Wie Musk bereits in mehreren Interviews geäußert hat, geht er davon aus, dass humanoide Roboter, selbstfahrende Autos und KI-Programme wie KI-Agenten künftig einen Großteil der wirtschaftlichen Aktivität übernehmen werden.
Für diese Agenten-Ökonomie braucht es offene Schnittstellen und programmierbares Geld. Digitale Geld-Substitute, die grenzüberschreitend und automatisiert in Netzwerken funktionieren, könnten dadurch wichtiger werden als starres Giral- oder Zentralbankgeld. Schließlich ist gegenwärtig nicht absehbar, wie Agenten innerhalb geschlossener Systeme ihr volles Automatisierungspotenzial entfalten sollen.
Auch können sie kaum zu eigenständigen wirtschaftlichen Akteuren werden, solange eine offene Infrastruktur für globale Werttransaktionen fehlt. Eine Lösung, bei der digitale Identitäten, Smart Contracts und nativ digitale Vermögenswerte weltweit kompatibel abgewickelt werden können, lässt sich besonders konsequent in einem vollständig tokenisierten Ökosystem auf Basis öffentlicher Blockchains umsetzen.
Agenten-Ökonomie setzt auf Blockchain
Für diese Krypto-KI-These spricht auch, dass KI-Systeme andere Bedürfnisse haben als Menschen. Während Blockchain-Anwendungen für menschliche Nutzer häufig noch zu kompliziert sind, sieht es bei Agenten anders aus. Wenn nicht mehr wir selbst die Bezahlvorgänge steuern, braucht es auch keine möglichst einfache Benutzerführung wie bei PayPal oder der Hausbank.
Lagern wir die Transaktionsebene an Agenten aus, könnten dezentrale Netzwerke und beispielsweise dezentrale Börsen für diese neue Nutzergruppe deutlich an Attraktivität gewinnen.
Künstliche Intelligenz ist der größte Treiber der Krypto-Adoption
Ob deshalb bereits in zehn Jahren unser Geld, wie wir es kennen, nicht mehr existiert, bleibt dennoch eine sehr gewagte These von Musk. Da sich die Geschwindigkeit der KI-Adoption in den kommenden Jahren kaum seriös prognostizieren lässt, sind sehr unterschiedliche Szenarien denkbar.
Die Fragen, die sich Krypto-Investoren an dieser Stelle stellen sollten, lauten daher: Wird die Tokenisierung in dieser neuen Ökonomie eine entscheidende Rolle spielen? Werden digitale Netzwerke wichtiger und wird die digitale Wertschöpfung weiter zunehmen? Werden Agenten lieber mit programmierbaren Stablecoins als mit Kreditkarten bezahlen?
Wer diese Fragen mit Ja beantwortet, für den dürfte das angebrochene KI-Zeitalter zum stärksten Argument für die Krypto-Ökonomie werden. Und zwar unabhängig davon, ob Elon Musk mit seinem extremen Zeithorizont recht behält.
