"Ich beende Joe Bidens Krieg gegen Krypto" Donald Trump: Würden Bitcoiner ihn wegen Krypto wählen?

Donald Trump geht auf Stimmenfang in der Kryptobranche. Er will Bitcoin und Co. unterstützen. Geht seine Taktik auf? Wir haben nachgefragt.

Giacomo Maihofer
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Donald Trump
| Donald Trump und Joe Biden bei ihrem TV-Duell am 27. Juni 2024

Die erste TV-Debatte zwischen Joe Biden und Donald Trump ist vorbei. Das Urteil einstimmig: eine vernichtende Niederlage für den demokratischen Präsidenten. Auf der Bühne kein Thema: Krypto. Dabei hatte Donald Trump in den Wochen zuvor die Branche und ihr Schicksal auf die Wahlkampfagenda gesetzt und vollmundige Versprechen abgegeben.

“Ich werde Joe Bidens Krieg gegen Krypto beenden”, so Donald Trump. Und setzte damit den Ton der Debatte. Joe Biden wolle die Branche kleinhalten oder sogar verjagen. “Mit Ihrer Stimme werde ich Elizabeth Warren und ihre Gauner von euren Bitcoin fernhalten.” Wer für Krypto ist, müsse für Trump stimmen. Geht die Taktik des republikanischen Präsidentschaftskandidaten auf?

Auf der BTC-Prag – der größten Bitcoin-Messe in Europa – haben wir etwa 20 Bitcoiner gefragt, aus aller Welt, jeden Alters, Frauen, Männer, vor allem Amerikaner, aber auch Europäer: Würden Sie diesen November für Trump wählen? Wie wichtig sind ihnen dabei die Positionen zu Bitcoin und Co.?

Alle wollten anonym bleiben. Das Meinungsbild ist gespalten und nicht repräsentativ. Alleine wegen Krypto würde ihn hier jedoch fast niemand wählen wollen. Egal ob dafür oder dagegen. Andere Gründe seien wichtiger. Und die wenigsten scheinen Politikern – vor allem Trump – überhaupt noch ihre Versprechen zu glauben.

“Das Leben der Menschen ist wichtiger als Bitcoin”

“Nein, ich würde nicht für ihn wählen”, erklärt uns ein tschechischer Bitcoiner, 30 Jahre alt. Der Grund: “Weil er ein Wichser ist.” Diplomatischer drückt es eine Minerin aus, 35, seit 2019 in Bitcoin: “Ich würde ihn nicht wählen, nur weil er Positionen für Bitcoin vertritt. Er wäre der Anführer einer Weltmacht. Das hätte einen Einfluss auf viele Dinge. Und er repräsentiert eine Ideologie, die ich nicht unterschreibe.” Eine andere Bitcoinerin, die aus Polen kommt, erinnert uns daran: “Bitcoin ist wichtig. Aber wir leben in Kriegszeiten. Das Leben der Menschen ist wichtiger. Trump will die NATO verlassen. Ich würde deshalb gegen ihn stimmen.”

Fast überall zu hören, eine starke Politikverdrossenheit: “Ich wähle nicht für Regierungen”, sagt uns ein 19-jähriger US-Amerikaner aus einer Immigrantenfamilie. “Ich bin gegen Regierungen und für Freiheit.” Oder: “Wahlen ändern nichts”, so ein 32-jähriger ukrainischer Entwickler. “Politiker halten ihre Versprechen sowieso nicht. Trump nutzt das nur als PR-Kampagne, um mehr Stimmen zu bekommen.”

Das ist oft zu vernehmen: “Seine Versprechen für Krypto sind kein Grund, für ihn zu wählen. Es ist nur Marketing”, so ein 47-jähriger Mann, seit 2017 in Bitcoin. Ein US-amerikanischer Unternehmensgründer, der bereits seit 2014 im Space ist, meint: “Wenn ich wähle, dann dafür, wie ich die Welt sehen will. Und weder Biden noch Trump stehen für meine Werte.” Enthusiasmus sieht anders aus.

“Es gibt keine bessere Option”

Selbst bei denen, die Trump wählen würden, ist oft ein Zähneknirschen zu vernehmen: “Beide sind schlechte Kandidaten. Aber im Moment ist Trump das kleinere Übel”, erklärt uns ein 31-jähriger Miner. Ein 28-jähriger Krypto-Journalist meint: “Seien wir ehrlich: Wenn die zwei Optionen Trump und Biden sind, dann wähle ich Trump. Biden kann nicht mal mehr einen normalen Satz zustande bringen. Krypto finde ich wichtig, aber nicht ausschlaggebend. Außerdem kann Trump sagen, was er will. Das heißt nicht, dass er es wirklich macht.”

Eine Bitcoin-Influencerin aus den US-Südstaaten meint: “Ich erwäge es. Noch bin ich nicht überzeugt, dass er tun wird, was er sagt. Er war vier Jahre Präsident und war gegen Krypto. Aber jetzt ist die Situation so: Ein Kandidat will uns als Kriminelle dastehen lassen. Ein anderer Kandidat verspricht, uns zu helfen. Darüber muss man nachdenken.”

Ähnlich argumentiert auch eine 62-jährige Kanadierin, seit 2019 in Bitcoin: “Er ist unverschämt zu Immigranten und Frauen, das mag ich nicht. Aber er ist ein Geschäftsmann. Und ich glaube an Bitcoin.” Eine junge Künstlerin, die seit 2017 in Bitcoin ist, findet: “Ich würde Trump wählen. Es gibt keine bessere Option. Was er verspricht, tut er. Er ist ein Geschäftsmann. Als er Präsident war, wurden keine Kriege angefangen. Er weiß, wie man mit Leuten wie Putin umgehen muss. Ich würde aber nicht wegen Krypto für ihn stimmen.”

Skepsis gegenüber Donald Trump angebracht?

Donald Trump weiß, wie er Wählergruppen für sich gewinnt. Als er 2016 bis 2020 noch US-Präsident war, ließ er angeblich gegenüber Mitarbeitern verlauten: “Jagt Bitcoin.” Kryptowährungen nannte er “nichts als heiße Luft” und eine “gefährliche Sache”. Während der letzten zwei Jahre öffnete er sich dem Thema immer mehr, erst mit eigenen NFTs, dann immer öfter mit positiven Statements. Damit scheint er auch auf Spendengelder aus der Krypto-Szene abzuzielen.

So billig die Masche ist: Sie scheint bei Teilen der Branche zu verfangen. Reihenweise fallen Unternehmen und Branchenvertreter auf die nichtssagenden Versprechen des Republikaners rein, lassen sich sogar mit ihm öffentlich ablichten und sprechen sich für ihn als Kandidaten aus. Alles über die Glaubwürdigkeit seines plötzlichen Sinneswandels lest ihr hier.

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