Fähnchen im Wind Dieses Projekt will mit Gold-Token Indonesien erobern – Hype oder Substanz?
David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Die indonesische Flagge.
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Indonesier können alsbald Gold-Token auf der Blockchain verschicken, Scharia-gerecht, versteht sich. Wie viel Substanz steckt in dem Projekt?

Spare und versende digitale Gold-Token. Getreu diesem Motto lanciert Kinesis in Indonesien ein digitales Zahlungssystem, mit dem Nutzer sowohl Edelmetalle wie Gold und Silber sowie Fiatgeld verschicken können. Das System mit Namen PosGO Syariah ist in Zusammenarbeit mit der indonesischen Post (Pos Indonesia) entstanden. Dabei entspricht es streng den Maßgaben des islamischen Rechts, der Scharia. Denn auch bei Finanzfragen macht das islamische Rechtssystem strenge Vorgaben, wie das allgemeine Zinsverbot (Ribā) und das Spekulationsverbot (Gharar). So ist PosGO Syariah einer Pressemitteilung zufolge nicht schuldenbasiert, sondern streng equity-based.


In den Genuss des neuen Services kommen zunächst alle Angestellten der Pos Indonesia, das mit 45.000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber des mehrheitlich muslimisch geprägten Landes ist. Nach und nach soll der Dienst dann über das gesamte Land ausgerollt werden.

Banking the unbanked?

Dabei hat Kinesis allen voran die ländliche Bevölkerung im Blick, die häufig nur über einen rudimentären Zugang zum Finanzsektor verfügen. Nach dem Motto “banking the unbanked” könnte der Dienst Peer-to-Peer-Zahlungen zwischen Indonesiern ermöglichen, die kein Bankkonto haben und vormals etwa auf Bargeld-Dienste wie WesternUnion angewiesen waren.

Das dürfte sich sodann auch finanziell lohnen. Denn eigenen Angaben zufolge berechnet Kinesis pauschal  0,45 Prozent Transaktionsgebühren und liegt damit deutlich unter den Gebühren, die Remittance-Services durchschnittlich nehmen.

Mithilfe von PosGold erhalten Nutzer ferner Zugang zur Edelmetall-Sparte der App. User können hier sowohl Gold Token sparen, die physisch hinterlegt und durch unabhängige Dritte abgesichert sind, als auch verschicken. An die Funktion schließen sich – speziell für die muslimische Zielgruppe – Funktionen wie “Gold To Mecca” an. Der Name lässt es erahnen. “Gold to Mecca” ist eine Art Gold-Sparkonto, mit dem sich Gläubige die Pilgerfahrt zum Zentrum der muslimischen Welt ermöglichen können.

Gold gegen Rupiah – ein unfaires Kräftemessen

Gerade letzteres dürfte für den ein oder anderen Indonesier von Bedeutung sein. Schließlich gilt die Rupiah (IDR) nicht gerade als die wertstabilste aller Fiatwährungen. So sackte der Wert der Rupiah im Zuge des Pandemie-Beginns im März 2020 etwa um mehr als 20 Prozent gegenüber dem US-Dollar (USD) ab. Mittlerweile hat sich der Wert bei etwa 1 zu 14.600 eingependelt.

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USD/IDR seit August 2019. Im März 2020 sank der Kurs der Rupiah schlagartig ab. Quelle: Tradingview.

Gold hingegen kennt im Vergleich zur Rupiah seit Jahren eigentlich nur eine Richtung: nordwärts.

Gold (XAU) gemessen in IDR seit 2015. Quelle: Tradingview.

Berechtigterweise kann man sich also hier die Frage stellen, ob sich der indonesische Staat mit der Unterstützung von PosGO einen Bärendienst erweist. Dem Werterhalt der eigenen Fiatwährung kann es sicherlich nicht zuträglich sein.

In wieweit Kinesis mit seinem Projekt Erfolg haben wird, bleibt an dieser Stelle abzuwarten. Der Gold-basierte Token KAU, der zu je einem Gramm mit Gold besichert sein soll, kann seinen Wert nur so lange Halten, wie Kinesis diese Besicherung auch glaubhaft machen kann. Genau wie andere zentralisierten Stablecoins müssen Nutzer auch bei Kinesis das Gegenparteienrisiko in Kauf nehmen, das so eine Zentralisierung mit sich bringt.

Kurzum: PosGO mag den ein oder anderen wirklichen Anwendungsfall haben. Wie alle anderen zentralisierten DLT-Projekte dürfte aber auch dieses auf zu wackeligen Beinen stehen, um für die Lebensersparnisse einer bedeutsamen Zahl Menschen zu bürgen.

Dabei gibt es ein dezentrales, Peer-to-Peer-Zahlungssystem, das außerdem völlig ohne Drittparteienrisiko auskommt doch bereits: Es nennt sich Bitcoin.


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