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Block-a-thon for Good So wollen Studenten aus der Schweiz und Kanada mit der Blockchain die Welt verändern

Im Schweizer Crypto Valley sind jede Menge Blockchain-Unternehmen ansässig. Doch auch geforscht und gelernt wird – etwa beim Block-a-thon for Good. BTC-ECHO war vor Ort.

Anna Muheim
 |  Lesezeit: 6 Minuten
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Schweizer Flagge vor Bergen

Beitragsbild: Shutterstock

| BTC-ECHO ist erneut im Schweizerischen Crypto Valley unterwegs und berichtet vor Ort.

Wir sind wieder unterwegs im Crypto Valley. Angesichts der heißen Sommertemperaturen verschlägt es hier die meisten in die “Badi”, um im See eine Abkühlung zu finden. Nicht so einige Studenten der Hochschule Luzern (HSLU) und ihrer Partneruniversität University of British Columbia (UBC) in Vancouver, Kanada. Die multidisziplinären Teams büffeln in der Summer School, um dann spannende Konzepte im “Block-a-thon for Good” zu entwickeln.

Aber ganz von vorn. Die gemeinsame Geschichte der beiden Hochschulen reicht bereits vier Jahre zurück. Der kanadische Botschafter hatte Prof. Victoria Lemieux und Prof. Dr. Tim Weingärtner bekannt gemacht und es folgten gegenseitige Besuche. Das Potenzial, das eine Zusammenarbeit bieten würde, war rasch erkannt und eine Zusammenarbeit umgesetzt. Anlässlich eines multidisziplinären Workshops in Vancouver (2019) wurde das “3-Layer-Modell” für Blockchain Designs entwickelt. Nach diesem Modell beginnt ein Projekt mit der sozialen Ebene (Ökosystem), darauf aufbauend folgt die Business-Ebene (Information, Daten, Layer) und schließlich folgt die Technologie (Computer Science, Engineering und Konsensus Mechanismen).

Block-a-thon for Good

Weiter agierte Prof. Dr. Weingärtner als Juror bei dem jährlich stattfindenden “Block-a-thon for Good”, eine Coder-Veranstaltung für Krypto-Anhänger. Hier liegt ein klarer Fokus auf sozialen Problemstellungen und darauf, wie Technologie bei der Lösung dieser Herausforderungen unterstützen kann. Der persönliche Einsatz aller Beteiligten über die folgenden Jahre führte nun dazu, dass die beiden Institute sich entschieden, ihre Zusammenarbeit eine Stufe weiterzubringen und eben diesen Block-a-thon gemeinsam – mit Studenten aus der Schweiz und aus Kanada – durchzuführen. Der Planungshorizont für ein solches Projekt ist lang, so musste bereits im Februar entschieden werden, dass die kanadischen Studenten ihren Mitstreitern in der Schweiz nicht physisch vor Ort, sondern über ein Hybridmodell begegnen würden. Für Prof. Lemieux gab es dennoch kein Halten und nutzt ihr Sabbatjahr, um die Schweizer Studenten vor Ort zu unterstützen. 

Der Grund dafür ist für Prof. Lemieux, welche Blockchain@UBC aufgebaut und erst kürzlich ein Buch veröffentlicht hat:

Jedes Mal, wenn ich eines dieser Sommerinstitute leite, treffe ich neue Leute, lerne etwas Neues und es macht mir große Freude, Studenten dabei zu helfen, ihre Karriere zu starten, zu sehen, wie sie in dieser neuen Branche und all der Kreativität, die sie mit sich bringt, erfolgreich sind. Blockchain ist eine noch junge Technologie, die viele Menschen anzieht, die über den Tellerrand hinausschauen. Ich denke, dass sie in erster Linie bereit sind, ein gewisses Risiko einzugehen, um zu kommen und zu lernen, während andere Leute vielleicht nur am Strand liegen. Das ist der Grund, warum ich es mache, weil es einfach eine Menge Spaß macht!

Prof. Lemieux

Die Blockchain hilft

Der diesjährige Block-a-thon for good fokussiert sich auf die Fragestellung “Was würde mit Ihnen passieren, wenn Sie aus Ihrer Heimat fliehen müssten, entweder wegen eines Konflikts oder wegen des Klimawandels?”. Das Thema beschäftigte das Team bereits bevor der Ukraine-Krieg begann und ist nun aktueller denn je. Das HLP (Home Land Property) -Thema soll also zukünftig Menschen helfen, die, aus welchen Gründen auch immer, aus ihrer Heimat flüchten mussten und meist all ihre Dokumente (Ausweise, Besitzurkunden für das Heim etc.) zurückließen. Die zu erarbeitende Lösung soll es diesen Menschen ermöglichen, bei Rückkehr in ihre Heimat Transitional-Justice-Prozesse zu starten.

Das zu lösende Problem ist adressiert, doch wie finden die Studenten Lösungsansätze? Eine große Hilfestellung liegt im Aufbau der Summer Academy. Die erste Woche befasst sich ganz mit dem Aufbau eines Fundaments. Die Studenten lernen, ein solches Projekt mit dem 3-Layer-Modell zu designen. Sie sollen sich gerade nicht zuerst auf die Technologie, sondern auf das soziale Problem fokussieren und sich von dort aus rückwärts zur Technologie durcharbeiten. Weiter fanden verschiedene Workshops statt, um die Wissensbasis zu stärken: Ethereum als Beispiel einer Permissionless Blockchain, Self Sovereign Identitiy, DeFi & Crypto Economics und DAOs.

In der Umsetzung ihrer Idee waren die interdisziplinären Teams schließlich völlig frei. Es finden sich Studenten aus den Fachbereichen Wirtschaftsinformatik, Artificial Intelligence, Computer Science, Engineering and Archival Science unter den Teilnehmern, welche sich in der zweiten Woche gemeinsam ihren Ideen widmeten. Für die anwesenden Professoren ist es eine große Freude zu beobachten, wie die Teilnehmer das Gelernte umsetzen und in welch kreativer Weise sie an die Problemstellungen herangehen. Und es ist nicht nur Theorie, die umgesetzt wird. Die Studenten lernen auch, die Arbeitswelt von heute zu erleben. Sie arbeiten physisch zusammen, aber auch remote, sie stellen sich auf verschiedene Kulturen und Diversität ein und auch auf das Arbeiten in verschiedenen Zeitzonen. Alles Herausforderungen ihrer zukünftigen Arbeitswelt.

Für die Karriere und die Weiterentwicklung

Eine Frage bleibt dennoch offen. Was motiviert die Teilnehmer, hier und eben nicht am Strand zu sein? André Reichmuth (Student Wirtschaftsinformatik) sieht in der Summer School eine tolle Gelegenheit, sich näher mit der Blockchain-Technologie zu befassen und natürlich auch etwas für den eigenen CV zu tun. Für Jaron Matzinger (Student Artificial Intelligence, Machine Learning) ist es völlig klar, etwas von den Semesterferien zu investieren, um zusätzlich zu seinem Fachbereich ergänzendes Know-how zu erwerben. “Ich möchte in den Ferien das machen, wozu ich wirklich Lust habe und was ich wirklich lernen will”.

Auch Aurelio Schmid (Student Wirtschaftsinformatik) schließt sich seinen Kommilitonen an. Die Summer School bietet auch für ihn eine zusätzliche Möglichkeit, sich dem Thema Blockchain noch mehr zu nähern: “Die Summer School ist für mich auch eine tolle Möglichkeit, eine Partneruniversität kennenzulernen und so diesen internationalen Austausch zu fördern”. Aurelio sieht sich mehr auf der Wirtschaftsseite seines Wirtschaftsinformatik-Studiums: “Mein Hauptziel ist, die Theorie aufzubauen, um evaluieren zu können, was das Potenzial eines Projektes ist und wo die Herausforderungen liegen”. Dieses Wissen wird ihm in seiner Laufbahn ein guter Ratgeber sein.

Und die Zukunft? Beide Hochschulen freuen sich auf eine weitere Zusammenarbeit. Sofern möglich, sollen dann im nächsten Jahr die kanadischen Studenten tatsächlich auch physisch in die Schweiz kommen und im darauffolgenden Jahr soll die Summer School dann für alle in Vancouver stattfinden. Es wäre im Weiteren wunderbar, wenn Studenten aus der Schweiz an der UBC einige Kurse belegen würden, um dort mit den Professoren zusammenzuarbeiten und von und mit ihnen zu lernen und das Ganze auch andersherum stattfinden würde. Auch wäre es sicher spannend für die kanadischen Studenten, das Crypto Valley einmal selbst zu erleben und gemäß Prof. Lemieux wären auch die Schweizer Studenten erstaunt, was für ein großartiges Ökosystem in Kanada auf sie wartet.

Zwischen vielen Ideen und Plänen und ihrer Umsetzung steht nur noch etwas Papierkram.

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