Die genaue Schadenshöhe des Coldcard-Hacks lässt sich bislang nicht eindeutig beziffern. Der Grund liegt nahe, denn Ermittler sind auf Berichte der Opfer und On-Chain-Analysen angewiesen, die zu deutlich unterschiedlichen Schätzungen führen.
Die Blockchain-Analyseplattform CryptoQuant beziffert die bestätigten Verluste aktuell auf 1.432 Bitcoin, deutlich niedriger als andere Anbieter. Galaxy Research hatte den Schaden bereits am 7. August auf 111 Millionen Dollar beziehungsweise 1.719 Bitcoin beziffert und geht von mehr als 25 parallel laufenden Angriffsmustern aus, ein Hinweis darauf, dass mehrere unabhängige Angreifer dieselbe Schwachstelle ausnutzen.
Warum die Zahlen so weit auseinandergehen
Anders als bei einem Börsenhack existiert bei Angriffen auf selbstverwaltete Wallets keine vollständige Liste betroffener Konten. Seit der ersten Einschätzung hat Galaxy die Zahl mehrfach nachjustiert. Aktuell geht Forschungsleiter Alex Thorn von einer Mindestschadenssumme von 1.730 Bitcoin aus. Bestätigen sich alle derzeit geprüften Verdachtsfälle, könnte der Gesamtschaden auf über 2.300 BTC steigen.
TRM Labs kommt in einer unabhängigen Analyse auf eine ähnliche Größenordnung: rund 1.816 BTC aus über 5.200 Adressen, verteilt auf vier Angriffswellen. TRM-Manager Ari Redbord geht davon aus, dass die Schätzung weiter steigen dürfte, bevor sie sich stabilisiert.
CryptoQuant verfolgt einen strengeren methodischen Ansatz und gleicht öffentliche Opferberichte gezielt mit bekannten Angriffsmustern ab. Forschungsleiter Julio Moreno bezeichnet die eigene Zahl von 1.432 BTC als Untergrenze, die weiter steigen könnte. Chainalysis erklärte, keine eigene Verlustzählung durchgeführt zu haben. On-Chain-Analyst ZachXBT verfolgt den Fall dagegen bewusst nicht, seine Zeit gelte Ökosystemen, die seine Arbeit auch finanziell unterstützten, Bitcoin-Maximalisten zählten schlicht nicht dazu. An komplexen Fällen nur für ein “gutes Gefühl” zu arbeiten, reize ihn inzwischen kaum noch.
Am Ende bleibt vor allem eines sicher, eine endgültige Zahl wird es beim Coldcard-Hack wohl nie geben. Nur immer neue, vorläufige Schätzungen.
