Digitales Geldsystem CBDC: Warum wir einen digitalen Euro brauchen
Jonas Groß

von Jonas Groß

Am · Lesezeit: 5 Minuten

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In ihrem Beitrag beschäftigen sich Jonas Groß, Manuel Klein und Prof. Dr. Philipp Sandner mit der Frage, warum CBDCs wie der digitale Euro benötigt werden.

Dieser Artikel erschien zunächst in der April-Ausgabe des Kryptokompass, dem Magazin für alles rund ums Thema Blockchain. Ihr wollt mehr darüber erfahren? Dann klickt auf diesen Button:


Die Digitalisierung des Geldsystems

Bereits seit Jahren verliert Bargeld als Zahlungsmittel an Bedeutung. Dieser Trend wird durch die Veränderung des Zahlungsverhaltens im Zuge der Corona-Pandemie hin zu digitalen Bezahlmethoden weiter verstärkt. So betrug nach repräsentativen Umfragen der Bundesbank der Anteil der Bargeldumsätze im Jahr 2014 noch 53 %, sank aber auf 48 % im Jahr 2017 und auf nur noch rund 32 % im Jahr 2020. Da sich dieser Trend auch außerhalb Deutschlands erkennbar fortsetzen wird, befassen sich weltweit Zentralbanken mit der Entwicklung eigener digitaler Währungen, sogenannter digitaler Zentralbankwährungen (CBDCs). Laut einer aktuellen Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beschäftigen sich rund 86 % der befragten Zentralbanken theoretisch oder in ersten Prototypen mit CBDCs. Im Oktober 2020 wurde auf den Bahamas bereits die weltweit erste CBDC eingeführt, auch China testet inzwischen intensiv die eigens entwickelte CBDC namens DC/EP. Darüber denkt auch die Europäische Zentralbank (EZB) inzwischen darüber nach, einen digitalen Euro einzuführen. Mitte des Jahres will die EZB entscheiden, ob ein Projekt rund um den digitalen Euro gestartet werden soll. EZB-Präsidentin Christine Lagarde rechnet damit, dass ein digitaler Euro in den nächsten fünf Jahren eingeführt werden dürfte.

Der digitale Euro des Privatsektors

Neben den vom öffentlichen Sektor betriebenen Initiativen arbeitet auch der Privatsektor an vielversprechenden Lösungen rund um die Digitalisierung des Geldes. Ein Hauptbeweggrund von Fintechs und Banken ist die Nutzung und Realisierung der Vorteile der Distributed-Ledger-Technologie (DLT). Hier sind die DZ Bank, die LBBW, die Commerzbank und das traditionsreiche Bankhaus von der Heydt derzeit führend. Mit der “Tokenisierung” von Geschäftsbankengeld oder E-Geld können neuartige Geschäftsmodelle auf Basis der verteilten Datenbank entstehen. Diese Geschäftsmodelle nutzen die Vorteile der DLT im Zahlungsverkehr wie den Wegfall von Intermediären, wie Clearinghäusern, und daraus resultierend sinkenden Transaktionskosten. Zudem sind verteilte Transaktionssysteme typischerweise 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche verfügbar und Zahlungen können programmiert werden. Darüber hinaus können auch Mikrozahlungen effizient durchgeführt werden und Maschinen und Geräte können in das Geldsystem integriert werden. Es kann erwartet werden, dass durch DLT zahlreiche Branchen transformiert und viele neue Geschäftsmodelle ermöglicht werden, sowohl für den Finanzsektor, als auch für die Fertigungsindustrie. Hierbei möchte auch die Digital Euro Association als neu geschaffene Initiative die Diskussion rund um die Digitalisierung des Geldes mitgestalten, und mögliche Anwendungsfälle des digitalen Euros und daraus resultierende Vorteile erarbeiten.

Auswirkungen auf den Finanzsektor und die Fertigungsindustrie

Im Finanzsektor ermöglicht die DLT die Übertragung und Abwicklung von tokenisierten Vermögenswerten (Digital Assets) sowie den korrespondierenden Zahlungen in Euro über ein und dieselbe Plattform. Die Abrechnung kann nahezu simultan erfolgen, was Gegenparteirisiken reduziert, die Liquidität erhöht und sogenannte “Delivery vs. Payment”-Prozesse (DvP), also den simultanen Austausch des Assets und des Geldes auf derselben Plattform, ermöglicht. Diese Anwendungen könnten vor allem durch eine sog. Wholesale CBDC der Zentralbanken ermöglicht werden. Durch diese neue Art von digitalem Zentralbankgeld würden Zentralbankreserven, die bereits in digitaler Form als Zahlungsmittel für Geschäftsbanken existieren, als Token über DLT übertragbar. Zusätzlich können bisher manuell durchgeführte und zugeordnete Zahlungen zum Beispiel von Kupons oder Dividenden im Rahmen des Asset-Lebenszyklusses durch klare Dokumentation der Besitzer der digitalen Wertpapiere erheblich besser zugeordnet, automatisiert und vereinfacht werden. Hierfür sind neben einer Wholesale-CBDC-Lösung auch Lösungen des Privatsektors denkbar.

In der produzierenden Industrie werden Pay-per-Use-Abrechnungen für Maschinen ermöglicht, die durch die Bezahlung je nach anfallender Nutzung neue Finanzierungsmöglichkeiten für Produktionsanlagen darstellen. Ein DLT-basierter digitaler Euro des Privatsektors in Form von tokenisiertem E-Geld oder Giralgeld wird Mikrozahlungen direkt zwischen Maschinen ermöglichen (Maschinen-Ökonomie), was vor allem für den Bereich des Internets der Dinge (IoT) von hoher Relevanz sein wird. Grundsätzlich werden programmierbare Zahlungen ermöglicht, die durch Smart Contracts effiziente und automatisierte Transaktionen ermöglichen.


Fazit

Derzeit arbeiten sowohl der öffentliche als auch der private Sektor an einem digitalen Euro. Diese privaten und öffentlichen Initiativen decken sehr vielfältige Anwendungsfälle ab. Während es sich beim digitalen Euro der EZB um eine Art digitales Bargeld handeln soll, das als allgemeines Zahlungsmittel genutzt werden kann, ermöglicht der DLT-basierte digitale Euro des Privatsektors neuartige, innovative Geschäftsmodelle und adressiert Limitationen des aktuellen Geldsystems, sodass z.B. Mikrozahlungen durchgeführt und Maschinen an den Geldkreislauf angebunden werden können. Inzwischen arbeiten erste deutsche Finanzinstitutionen an solchen Lösungen, was sich positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft auswirken könnte. Wichtig ist es nun, eine solche Lösung auf den Markt zu bringen – so kann sich Deutschland als Vorreiter rund um DLT-basierte Zahlungen positionieren.

Über die Autoren

Jonas Groß ist Projektmanager am Frankfurt School Blockchain Center und promoviert zu digitalen Währungen an der Universität Bayreuth.

Manuel Klein arbeitet als Berater bei einer führenden Wirtschaftsberatung mit Schwerpunkt der Anwendung der Distributed Ledger Technologie im Finanzwesen.

Prof. Dr. Philipp Sandner leitet an der Frankfurt School of Finance & Management das Frankfurt School Blockchain Center (FSBC), welches im Februar 2017 initiiert wurde.


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