Schweiz Blockchain und Solarstrom: Die Dezentralisierung des Energiesektors
Brigitte Bernhardt

von Brigitte Bernhardt

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Solarstrom

Quelle: Shutterstock

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Die jüngst abgeschlossene Feldphase des Projekts „Quartierstrom“ untersuchte, wie dezentrale Stromversorgung in der Schweiz funktionieren kann. Im Modellversuch speisten 37 Haushalte ein Jahr lang ihren überschüssigen Solarstrom in ein lokales Stromnetz ein und verkauften ihn über eine Online-Plattform. Ein blockchainbasiertes System bildete die technologische Grundlage für den Stromhandel zwischen den Projektteilnehmern.

Bis vor wenigen Jahren war in der Schweiz das Geschäft mit dem Strom fest in den Händen der Elektrizitätswerke, die in der jeweiligen Region eine Monopolstellung hatten. Dies könnte sich bald ändern. Seit 2018 können sich auch private Eigentümer von Solaranlagen zusammenschließen und über ihre Grundstücksgrenzen hinaus Strom verteilen. Im aktuellen Beispiel „Quartierstrom“ nutzen die Stromproduzenten eine Blockchain für den lokalen Stromhandel. An dem Projekt, das im schweizerischen Walenstadt durchgeführt wird, beteiligen sich diverse Hochschulen, Industriepartner und das örtliche Wasser- und Elektrizitätswerk.

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Blockchain-Use-Case Stromhandel

Mit Quartierstrom ging in der Schweiz der erste lokale Strommarkt an den Markt. Die Grundidee: Anstelle der Einspeisung regenerativer Energien in ein öffentliches Stromnetz soll lokal produzierter Solarstrom vor Ort verbraucht werden. Wer Solarstrom produziert und mehr davon hat, als er für den Eigenbedarf benötigt, kann ihn direkt im lokalen Strommarkt anbieten. Dabei bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Interessantes Detail: Der Handel erfolgte via Blockchain. Dafür erhielten alle teilnehmenden Haushalte einen Computer, der neben einem integrierten Stromzähler über einen Blockchain-Knoten verfügt. Die Knoten tauschen untereinander Daten darüber aus, wer wie viel Energie produziert bzw. benötigt.

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Für das Projektteam stellte sich neben diversen Überlegungen zu Technik, Kundenakzeptanz sowie ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten auch die Frage, ob sich die Blockchain-Technologie eignet, um die Transaktionen in einem lokalen Strommarkt abzuwickeln. In der Pressemeldung vom 6. Februar fällt die Bilanz durchaus positiv aus. Die Blockchain-Software sei sehr zuverlässig gelaufen und der Stromverbrauch des Systems hielt sich in Grenzen. Die kleinen Computer, die als Smart Meter und Blockchain-Knoten dienen, verbrauchten während der gesamten Projektdauer rund 3.300 Kilowattstunden Energie. Gemessen am Volumen des im lokalen Markt gehandelten Strom lag deren Verbrauch bei rund 4 Prozent. Möglicherweise tut sich hier also ein weiteres Feld in Sachen Krypto-Adaption auf.

Wandel von zentralen zu dezentralen Systemen

Darüber hinaus stellt die Entwicklung auf dem Strommarkt – nicht nur in der Schweiz – eine gewisse Parallele zu den Veränderungen im Finanzsystem durch Bitcoin & Co. dar. Entsprechend beschreibt der Geschäftsführer des Wasser- und Elektrizitätswerks Walenstadt, Christian Dürr, die Entwicklung im Energiesektor von zentralen zu dezentralen Systemen: „Unsere Kundschaft wird autonomer, die Märkte volatiler und liberalisierter.“ Genauso lauten die Attribute, die Medien und Szenebeobachter Kryptowährungen zuschreiben: Autonomie der Bürger in Bezug auf Geld und Vermögen, volatile Kurse an den Krypto-Börsen und die Liberalisierung der Märkte – zum Beispiel des Energiemarkts, laut Saifedean Ammous. Der Wandel hat begonnen, auch im Bereich Energieversorgung.

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