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Zwischen Genie und Wahnsinn Das wurde aus Mt.Gox CEO Mark Karpelés

Mark Karpelés ist umstritten im Krypto-Space. Mit seiner Bitcoin Exchange Mt. Gox verdiente er Millionen, bis die Plattform 2014 plötzlich offline ging – und mit ihr knapp 850.000 BTC verschwanden. Damaliger Gegenwert rund 700 Millionen US-Dollar. In der Folge wurde Karpelés verhaftet und zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt.

Daniel Hoppmann
 |  Lesezeit: 5 Minuten
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Mark Karpeles

Quelle: Picture Alliance

| Mt. Gox CEO Mark Karpeles.

Als Mark Marie Robert Karpelés 1985 im französischen Chenôve zur Welt kommt, ahnt seine Mutter Anne nicht, dass ihr Sohn eines Tages eine Koryphäe des Krypto-Space werden würde.

Der junge Karpelés begeistert sich schnell für Computer und programmiert bereits mit vier Jahren eigene kleine Videospiele. Bald ist klar: Karpelés ist hochbegabt. Trotz seines IQs von 190 ist die Schulzeit für den jungen Franzosen jedoch alles andere als leicht.

Nachdem er 2003 sein Abitur besteht, tritt Karpelés seine erste Stelle als Programmierer bei einem lokalen Spielentwickler in Paris an. Schnell ist er gelangweilt und beginnt in Eigenregie Softwareverbesserungen an der Webseite seines Arbeitgebers vorzunehmen. Als er eines Tages, zwei Jahre darauf, ein Programm entwirft, das ungefragt Kundendaten abgreift, feuert man Karpelés und verklagt ihn obendrein wegen Datendiebstahls.

Konichiwa Bitcoin

Nach einer Zwischenstation beim französischen Unternehmen Nexway fasst Karpelés mit 24 den Entschluss auszuwandern. Seine Liebe zur japanischen Kultur treibt ihn nach Tokio. Innerhalb weniger Monate lernt er die Landessprache und gründet dort seine erste eigene Firma, die Webseiten entwickelt.

Als ein Kunde seine Rechnung 2010 in Bitcoin bezahlen möchte, kommt Karpelés das erste Mal mit der Kryptowährung in Berührung. Der junge Familienvater ist auf Anhieb fasziniert von der dahinter stehenden Blockchain-Technologie und taucht in die Untiefen der Materie ein. Bei seinen Recherchen stößt er auf ein Unternehmen im Tokioter Stadtteil Shinjuku, das Bitcoin bereits als Zahlungsmittel akzeptiert: Mt.Gox, eine Online-Börse für das Fantasy-Sammelkartenspiel Magic the Gathering.

Im März 2011 kauft Karpelés das Unternehmen und ersetzt den Vertrieb von Sammelkarten durch den Verkauf von Bitcoin. Mt.Gox ist dabei eine der ersten Börsen überhaupt, die ein solches Geschäftsmodell betreiben. Dadurch, dass die Kryptowährung auch immer mehr mediale Aufmerksamkeit bekommt, steigen nicht nur die Nutzerzahlen des Online-Handelsplatzes – auch Hacks auf die Seite häufen sich. Julien Laglasse, ein enger Freund Karpelés’ und Mitarbeiter bei Mt.Gox, erinnerte sich gegenüber dem ZDF an die Zeit zurück:

Es gab jeden Tag Hackerangriffe auf die Plattform. Das war, wie wenn man eine Bank voller Bargeld besitzt und darum lungern ständig Gangster herum, die dich ausrauben wollen.

Mt.Gox verliert 400.000 Bitcoin

Im Juni 2011 sind die Angreifer erstmals erfolgreich. Sie überwinden das Sicherheitssystem und stehlen 400.000 BTC. Die Ein- und Auszahlungsfunktionen werden bei Mt.Gox ausgesetzt, die Webseite abgeschaltet und der Bitcoin-Kurs stürzt von 32 US-Dollar auf 0,01 US-Dollar ab. Karpelés schottet sich für 48 Stunden ab und schreibt in der Zeit den gesamten Code der Seite neu. Danach verkündet er, dass er 424.242 BTC auf die Börse transferieren werde, um verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen. Die Maßnahme ist erfolgreich. Nach und nach kehren seine Kunden wieder zurück.

Der Handel auf Mt.Gox floriert. Die Nutzerzahlen steigen, das Unternehmen wächst. Zwischenzeitlich werden zwischen 70 und 80 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen über Karpelés’ Firma abgewickelt.

Der Zusammenbruch

Das ändert sich schlagartig im Februar 2014. Mt.Gox wird dicht gemacht. Kundenkonten werden blockiert und wieder sind Transaktionen über die Plattform nicht möglich. 850.000 Bitcoin verschwinden. In der Folge stürzt der Kurs von 828 US-Dollar auf 538 US-Dollar. Drei Wochen nach dem Vorfall erklärt Karpelés in einer Pressekonferenz, dass Hacker die Kryptowährung im Zuge eines Angriffs gestohlen hätten.

Er tritt aus der Bitcoin Foundation aus, bei der er Gründungsmitglied war. Mt.Gox meldet Insolvenz an. Eine Woche später verkündet die ehemalige Krypto-Börse, dass 200.000 Bitcoin gefunden worden seien. Diese liegen jedoch bis heute beim Insolvenzverwalter.

Karpelés wird 2015 von japanischen Behörden festgenommen. Es laufen zwei Verfahren gegen ihn. Zum einen wird ihm vorgeworfen, Bitcoin-Kurse auf Mt.Gox manipuliert zu haben. Zum anderen soll er Firmengelder (etwa 2,6 Millionen US-Dollar) veruntreut haben. Letztendlich kommt er nach zehn Monaten Untersuchungshaft auf Kaution frei, darf das Land jedoch nicht verlassen.

2019 befindet ihn ein japanisches Gericht für schuldig, Daten von Mt.Gox manipuliert zu haben, um die Bestände der Börse um 33,5 Millionen US-Dollar aufzublähen. Er erhält eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Vom Vorwurf der Veruntreuung wird der 34-Jährige freigesprochen: Das Gericht kam zu dem Entschluss, dass Karpelés “ohne böse Absicht” gehandelt habe.

Anleger hoffen weiter auf Entschädigung

Im selben Jahr erklärte der Franzose, dass er Japan zum führenden Blockchain-Standort machen wolle. Er engagiert sich beim Tokioter Krypto-Unternehmen Tristan Technologies Co. als CTO. Gemeinsam wolle man die Verschlüsselungstechnologie der Blockchain verbessern. Viel ist zu dem Unternehmen allerdings nicht bekannt.

Die geschädigten Anleger hoffen auch Jahre später noch auf eine Entschädigung. Im November 2021 wurden die Hoffnungen nochmals befeuert, als der japanische Treuhänder der bankrotten Bitcoin-Börse einen Rückfluss der zurückerlangten BTC an die Geschädigten einleitete.

Ungeachtet dessen genießt Mt.Gox auch Jahre später noch immer Kultstatus innerhalb des Krypto-Space – ebenso wie dessen ehemaliger CEO. Freunde und Familie beschreiben Karpelés als brillanten Informatiker, der jedoch stets etwas abseits der Realität zwischen Genie und Wahnsinn lebte.

Disclaimer

Dieser Artikel erschien bereits im August 2021 in unserem monatlich erscheinenden Magazins. Für Informationen rundum ein Abonnement geht es hier entlang.

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