Entschädigungsplan Neue Hoffnung für Mt.Gox-Geschädigte?
Marlen Kremer

von Marlen Kremer

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Mt.Gox Logo vor Geldscheinen

Quelle: Shutterstock

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Die Mt.Gox-Geschädigten haben doch noch eine Chance, für ihre finanziellen Schäden kompensiert zu werden. Laut einem offiziellen Dokument ist es jedoch noch unklar, wann das Geld an die Geschädigten zurückfließt.

Jeder kennt die schöne Überraschung, einen lang vergessenen 20-Euro-Schein in der Jackentasche zu finden. Geld, mit dem man nicht mehr gerechnet hatte, steigt ungemein im (gefühlten) Wert. So geht es momentan vermutlich auch den Mt.Gox-Gläubigern, die durch ominöse Umstände in 2014 all ihre Einlagen verloren hatten. Mit einem am gestrigen 16. November veröffentlichten Dokument soll nun wieder Licht ans Ende des Tunnels gebracht werden. Dabei handelt es sich für die Geschädigten der ältesten Bitcoin-Börse der Welt allerdings nicht um 20 Euro, sondern insgesamt um Forderungen in Milliardenhöhe.


“Von der (Krypto)-Skyline zum Bordstein zurück”

Bushidos berühmtes Lied fasst die Mt.Gox-Affäre gut zusammen. Denn die Bitcoin-Börse dominierte den Kryptomarkt in 2013 mit der Abwicklung von 60 Prozent des Bitcoin-Handelsvolumens weltweit. Seit 2014 ist der Handelsplatz allerdings insolvent.

Mt.Gox startete im Jahr 2009 – ein Jahr nach der Geburtsstunde des Bitcoin-Whitepapers. Jed McCaleb – heutiger Ripple-Gründer – rief Mt.Gox damals als Online-Tauschbörse für Sammelkarten ins Leben. Nach zwei Jahren übernahm Mark Karpelès, bis dato Gründer des IT-Unternehmens Tibanne, das Unternehmen und das Geschäftsmodell wurde auf den Handel mit Bitcoin umgestellt.

Schon bald bezeugte der damals noch kleine Krypto-Space jedoch ominöse Ereignisse. Im Jahr 2011 sollen etwa 850.000 BTC durch einen Hackerangriff gestohlen worden sein. Der damalige Verlust von 500 Millionen-US-Dollar wäre bei dem heutigen Bitcoin-Kurs rund 51 Milliarden US-Dollar schwer.

Obwohl ihm eine Verbindung zu den fehlenden BTC nie nachgewiesen werden konnte, musste Mt.Gox-CEO Karpelès wegen anderer Vergehen bei einem japanischen Gericht vorsprechen und landete letztendlich auch für 10 Monate im Gefängnis.


Und die Mt.Gox-Geschädigten?

Der erste Vorschlag des aktuellen Sanierungsplans wurde bereits im Februar dieses Jahres verkündet. Dazu mussten die verbleibenden Geschädigten bei einer Abstimmung bis zum 8. Oktober ihre Meinung kundtun. Ende Oktober hieß es dann in einer offiziellen Mitteilung von Mt.Gox-Treuhänder Nobuaki Kobayashi, dass in dem Voting “etwa 99 Prozent der stimmberechtigten Sanierungsgläubiger … für den Entwurf des Sanierungsplans [stimmten], und etwa 83 Prozent der Gesamtheit der Stimmrechte zugunsten des Sanierungsplan-Entwurfs ausgeübt wurde”.

Der letzte Schritt in dem langwierigen Gerichtsprozess wurde nun mit der jüngsten Verkündung des Bezirksgerichts in Tokio vollzogen. Denn seit gestern gilt der vorgeschlagene Sanierungsplan als “endgültig und verbindlich”.

Die Opfer der einst größten Krypto-Börse hängen momentan dennoch in der Luft. Während das nun veröffentlichte Dokument Hoffnung stiftet, fehlen jedoch wichtige Eckdaten der vereinbarten Zurückzahlung an die Gläubiger. Auf Twitter und Reddit kommen die verbleibenden Gläubiger aktuell zusammen, um sich über die neusten Entwicklungen auszutauschen und zu beraten. Dabei schreibt benjaminr.eth auf Twitter beispielsweise:

Ich bin ein Gläubiger von mtgox, bis jetzt haben wir noch keinen detaillierten Zeitplan. Es wird nicht einen Schub an Auszahlungen auf einmal geben. Der Prozess ist sehr viel komplexer und könnte viel Zeit in Anspruch nehmen.

benjaminr.eth auf Twitter

In dem offiziellen Dokument, welches von dem Mt.Gox-Treuhänder in Umlauf gebracht wurde, heißt es, dass “den Gläubigern … die Einzelheiten des spezifischen Zeitplans, der Verfahren und der Höhe solcher Rückzahlungen” in Zukunft noch mitgeteilt würden.

Letztendlich bleibt zu hoffen, dass der neue Entschädigungsplan wie geplant vollzogen wird. Wenn es nämlich eines gibt, was der Krypto-Space aus der Mt.Gox-Affäre gelernt hat, ist es, skeptischer und vorsichtiger mit Versprechen umzugehen.


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